Archäologie und Crowdfunding – neue Wege gehen

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Claudia-Maria Behling ist als freiberufliche Archäologin tätig und bloggt regelmäßig auf www.archaeologos.at.

 

Als Absolventin der Universität Wien habe ich mich dazu entschlossen, abseits der gängigen Förderstellen für eine Finanzierung meines Publikationsprojektes zu sorgen – und zwar durch Crowdfunding. Aber ist dieses Medium mit Wissenschaft überhaupt vereinbar?

 

Crowdfunding in der österreichischen Wissenschaft

Die prekären Beschäftigungssituationen an Universitäten bringen immer mehr WissenschaftlerInnen dazu, sich nach alternativen Drittmittelförderungen umzusehen. Besteht bei Fördergebern wie beispielsweise FWF und DFG die Gegenleistung aus wissenschaftlicher Erkenntnis, ist die Sache beim Crowdfunding eine andere. Es geht nicht um Geldspenden. UnterstützerInnen erhalten ein Dankeschön für ihre finanzielle Gabe, beispielsweise ein Eintrittsticket für die Premiere eines Theaterstückes o.Ä.

Ferner sind es nicht öffentliche Gelder (Steuergelder), die als Fördermittel von einer zentralen Stelle vergeben werden. Vielmehr stellen Einzelpersonen oder Firmen Geldbeträge zur Verfügung, weil ihnen das Projekt persönlich zusagt und sie es zum Erfolg führen möchten.

2013 wurde die österreichische Plattform www.inject-power.at gegründet, welche zum Eintreiben von Forschungsgeldern für Wissenschaftsinstitute gedacht war. Das Vorhaben ist gefloppt, konnte für die 10 Wissenschaftsprojekte doch nur ein gesamtes Spendenvolumen von 3.234 Euro verzeichnet werden. Die Plattform scheint mittlerweile offline zu sein.

Im Wissenschaftssektor verzeichnet Crowdfunding also noch keinen großen Durchbruch. Während es im angelsächsischen Bereich durchaus üblich ist, universitäre Forschungen durch private Mäzene zu finanzieren, ist das in Österreich noch kein großes Thema. Dabei sind die Österreicher beim Spenden von Geld äußerst generös und weltweit sogar auf Platz 29.

Mit der Crowd zur Publikation

Diesem ermutigenden Trend folgend, startete ich mein eigenes Crowdfunding-Projekt zur Veröffentlichung meiner Dissertation „Kinderdarstellungen in der Spätantike und im frühen Christentum“. Untersucht wurde, inwiefern das aufkommende Christentum sich auf die Darstellungstypen von Kindern auf Denkmälern auswirkte.

Zur Deckung der Publikationskosten sollen UnterstützerInnen auf der Plattform Startnext gewonnen werden. Mit dem eingeworbenen Geld werden Bilder und Nutzungsrechte finanziert, um die Publikation mit Illustrationen zur Untermauerung der Forschungsergebnisse zu versehen. Wer nämlich Monumente in einer Publikation abbilden möchte, muss Bilder und Bildrechte erwerben. Die Kosten hierfür liegen im gegenständlichen Projekt zwischen 5 und 310 Euro pro Bild. Ohne Förderung ist eine solche Projektsumme für eine selbständige Wissenschaftlerin ohne institutionellen Background jedoch unfinanzierbar.

Obwohl sich beispielsweise 85% der ÖsterreicherInnen für Archäologie interessieren, ist es trotzdem Alltag, dass ArchäologInnen – ebenso wie viele andere GeisteswissenschaftlerInnen – wenig bis gar nichts mit ihren Forschungsprojekten verdienen. Wie drückte es R. Preuß von der Süddeutschen Zeitung kürzlich so treffend aus, die Forschung stagniert und die Besten gehen ins Ausland oder in die Privatwirtschaft. Denn aus eigener Erfahrung kann ich berichten, auch ForscherInnen müssen Miete zahlen und etwas essen.

Jetzt Bildpate werden

Gehören Sie zu jenem Bevölkerungsanteil, der sein Herz für Archäologie erwärmen kann, dann besuchen Sie bis 18.10.2015 die Projektseite „Octavia & Caracalla wollen auch dabei sein! Jetzt Bildpate werden“ unter www.startnext.com/bildpate. Dort finden Sie viele attraktive Pakete für SponsorInnen. Mit 30€ können Sie beispielsweise die Bildpatenschaft für ein spätantikes Kind übernehmen. Hierdurch verhelfen Sie Kindern wie Octavia, Vitalis oder Caracalla zu einer eigenen Illustration im Abbildungsteil und schenken ihnen somit Unsterblichkeit.

Kommentare

  1. | Claudia-Maria Behling

    Jetzt ist es endlich soweit, das erfolgreiche Projekt ist mit dem Buchdruck nun endgültig positiv abgeschlossen.
    Ein großes Danke an die UnterstützerInnen!
    Einen Rückblick gibt’s hier: http://archaeologos.at/bildpate/

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