„Artist-Philosophers – Nietzsche et cetera“. am 17. Dezember 2015
ungefähr 4 Minuten
Themen: Philosophie , Studierende

„Artist-Philosophers – Nietzsche et cetera“.

Julia Garstenauer studierte Philosophie und Germanistik an der Karl-Franzens-Universität Graz. Seit 2012 schreibt sie ihre im Spannungsfeld von Kunst (Malerei) und Philosophie angesiedelte Dissertation an der Universität Wien.

Ein dionysisches Fest

Von 26. bis 29. November 2015 war das Tanzquartier Wien Treffpunkt für mehr als 60  Philosoph_innen und Künstler_innen, um ausgehend von Friedrich Nietzsche neue Allianzen zwischen Philosophie und den Künsten zu erproben.

Eine Erprobung im Zwischen dieser Bereiche war gleich der erste Beitrag des Festivals am Donnerstag, 26. November 2015: Der Philosoph Dieter Mersch sprach zum Thema Wer ist Nietzsches Dionysos? und wurde dabei von Nikolaus Gansterer zeichnerisch begleitet. Anfangs sind die Zeichnungen klar strukturiert, aber mit zunehmender Dauer scheint das Dionysische über das Apollinische, der Rausch über die Klarheit der Diagramme die Oberhand zu gewinnen.

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Das Research-Festival Scores No. 10 // Philosophy on Stage #4 selbst ist eine Kooperation zwischen Philosophie und Kunst, und zwar in Form des PEEK-Forschungsprojekt „Artist Philosophers. Philosophy AS Arts-Based-Research“ unter der Leitung von Arno Böhler an der Universität für angewandte Kunst Wien und dem Tanzquartier Wien. Ziel ist es, ein spezifisches Feld zu bilden, welches das kreative Ergebnis aller Beteiligten ist. Das Publikum war also dazu aufgerufen, aktiv in die Veranstaltung einzugreifen – ein Anspruch, der sich im Laufe der nächsten Tage mehr und mehr entfalten sollte.

Out there is a field

In der Intervention von Barbara Kraus (und ihrem Alter Ego Johnny) Out there is a field am Freitag, 27. November 2015, wurden die klar geregelten Normen eines Auftrittes außer Kraft gesetzt: Sie beginnt noch während der Pause. Es gibt keine fixe Bühne, Kraus ist im gesamten Raum unterwegs. Aber nicht über den Boden, sondern über die Besucher_innen hinweg will sie von einer Seite des Raumes zur anderen gelangen. Das Publikum wird dabei sowohl mit der eigenen wie auch der Körperlichkeit der Performerin konfrontiert. Aber es nimmt die Herausforderung an und trägt Kraus an ihr Ziel.

Auch in der Tanz-Performance von Milli Bitterli am Samstag, 28. November 2015, wurde das Publikum aktiv. Nach anfänglichem Zögern entschließt sich ein Teil des Publikums dazu, einfach mitzutanzen. Es ist eine sehr positive Stimmung, mit der Tag drei endete.

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Morgen- und Nachtlektüren

Der Freitag und der Samstag des Festivals wurden von Morgen- und Nachtlektüren gerahmt, die ein Forum für junge gesellschaftskritische Beiträgen bilden. Die Tage wurden dadurch sehr intensiv. Aber auch das gehört zum Konzept der Veranstaltung: Kein komfortables Konsumieren, sondern die Aufforderung zur Teilnahme, zur Auslotung der eigenen Grenzen.

Das zeigte sich besonders eindrücklich in der Performance des Kollektivs Philosophy Unbound, in der sich die Beteiligten beinahe bis zum Exzess verausgabten. Es wurde gelaufen, Liegestütze gemacht, der Hola-Hoop-Reifen geschwungen, bis der Schweiß in Strömen floss und dennoch den Fragen nachgegangen, wie sich das monotone Wiederholen von Übungen auf die Subjekthaftigkeit auswirkt und was das alles mit Nietzsche zu tun haben kann.

 

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Am Ende bleibt ein Anfang

Beschlossen wurde das Festival am Sonntag, 29. November 2015, mit einer Collage, gelesen von Nicholas Ofczarek und dem Chor des Max Reinhardt Seminars. Aber am Ende des Festivals stand auch ein Anfang:

Manora Auersperg hatte mit ihrer Writing Performances das Festival von der ersten Minute an begleitet. Sie schrieb auf der Terrasse sitzend das Manuskript zur Fröhlichen Wissenschaft von Nietzsche ab: eine körperliche Begegnung mit Nietzsche, der sinnliche Nachvollzug seiner Handschrift. Das Papier, auf das sie schrieb, war eine lange Schleife, die von der Terrasse bis zum Boden hinabhing. Das sanfte Geräusch des Papiers prägte neben dem optischen Aspekt das ganze Festival. Am Ende waren alle aufgefordert, das Kunstwerk zu zerreißen und sich ein Stück mitzunehmen. Kunst nicht als Anbetungsobjekt, sondern Kunst als Entstehen, als Werden, als Möglichkeitsraum. Wer weiß, was mit diesen vielen Stücken entsteht? Vielleicht taucht irgendwo wieder einmal ein Fetzchen auf? Ein ewiges Werden….


The event was also covered by Ivana Covic, read her blogpost in our English section.



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