von MMag. Dr. Huberta Weigl
am 10. August 2015
ungefähr 3 Minuten
Themen: Evaluierung , Forschende

Auch Lehrende bekommen Noten

Am Ende jedes Semesters erhalten Studierende die Möglichkeit (online oder offline) ihre besuchten Lehrveranstaltungen zu bewerten. Die Beurteilungen dienen der Verbesserung des Lehrangebots an der Uni Wien. Zum einen bekommen LehrveranstaltungsleiterInnen direktes Feedback von Studierenden und zum anderen können StudienprogrammleiterInnen das Studienangebot mit dem Feedback besser planen. Huberta Weigl lehrt am Institut für Kunstgeschichte und gibt einen Einblick, wie eine solche Evaluierung aussieht und warum diese so wichtig ist.

Wenn sich das Semester seinem Ende nähert, bitte ich die „Besondere Einrichtung für Qualitätssicherung“ um die Zusendung von Fragebögen. Ich lasse mich bzw. meine Lehrveranstaltung nämlich gern evaluieren. Oder anders gesagt: Ich bin immer gespannt darauf, wie mich meine Studierenden benoten.

Warum ich mich gern evaluieren lasse

(c) Shutterstock: Ivelin Radkov
(c) Shutterstock: Ivelin Radkov

Die meisten Studierenden haben eine große Scheu davor, Lehrenden mündlich Feedback zu geben. Die Fragebögen füllen sie hingegen völlig anonym aus, hier können sie Kritik offen aussprechen, und genau das empfinde ich als sehr hilfreich. Am meisten hat mir das Feedback in den ersten Jahren meiner Assistentenzeit an der Universität Wien (1997–2007) geholfen. Wer an einer Universität unterrichtet, hat das Lehren letztendlich nie systematisch gelernt und das Feedback der Studierenden kann da sehr hilfreich sein.

Ich habe meine Lehrveranstaltungen jedes Semester evaluieren lassen und die Rückmeldungen waren immer gut, was mich wirklich stolz macht, gleichzeitig gab es aber immer auch etwas zu verbessern – und das sehe ich auch heute vor dem Hintergrund von fast zwanzig Jahren Lehrerfahrung immer noch so.

Heute arbeite ich allerdings nicht mehr als Assistentin, sondern als externe Lehrbeauftragte an der Uni Wien. Als solche feile ich nach wie vor gern an der Qualität meiner Lehrveranstaltungen, darüber hinaus hat die Evaluation für mich zwei weitere positive Aspekte:

  • Lehrveranstaltungen zu halten ist eine ganz schön fordernde Tätigkeit und ich freue mich schlichtweg, wenn ich ein gutes Feedback bekomme. Ein positives Evaluationsergebnis ist neben dem Honorar ein ganz wichtiger Teil meines Lohnes für all die Mühe, deren Ausmaß die meisten Studierenden – das muss auch einmal gesagt werden – deutlich unterschätzen.
  • Und schließlich sind die Evaluationsergebnisse der Uni Wien für mich als Lehrende und Unternehmerin auch eine gute Referenz, weshalb ich sie sehr gern auf der Website meiner „Schreibwerkstatt“ online stelle.

Und so sieht die fertige Evaluierung für Lehrende aus.

Ein paar Gedanken zum Schluss

Die Studierenden würde ich gern einladen, wirklich alles anzumerken, was ihnen am Herzen liegt. Geben Sie ein offenes Feedback, üben Sie Kritik, haben Sie aber im Auge, dass sich Ihre Lehrveranstaltungleiterin bzw. Ihr Lehrveranstaltungsleiter auch über ein Lob freut.

Weigl Ev

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass manche Studierenden Zweifel haben, ob ihre Rückmeldungen ernstgenommen werden. Ich persönlich nehme sie immer ernst und weiß aus Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen, dass die meisten anderen Lehrenden das ebenfalls tun. Ein schlechtes Evaluationsergebnis, insbesondere im Rahmen der Pflichtevaluation, hat übrigens durchaus Folgen: Die Ergebnisse werden in der Studienkonferenz diskutiert und von den Studienprogrammleiterinnen und -leitern (SPL) bei der Lehrplanung berücksichtigt. Mit schlecht evaluierten Lehrenden suchen die SPL das Gespräch zur Verbesserung der Lehre. Ihr Feedback, liebe Studierende, wird also sehr wohl gehört und berücksichtigt!

 

Lehrenden wiederum würde ich ausgehend von meinen Erfahrungen raten, jede Lehrveranstaltung evaluieren zu lassen, also nicht nur dann bei der Evaluation mitzumachen, wenn es eine routinemäßige Pflichtevaluation gibt. Als besonders wertvoll empfinde ich persönlich immer die Rückmeldungen, die die Studierenden auf die offenen Fragen zur Lehrveranstaltung und/oder zu mir persönlich geben. Damit möglichst viele Studierende diese Fragen auch tatsächlich beantworten, muss man sie dazu ermuntern. Tun Sie das ruhig!


MMag. Dr. Huberta Weigl

https://www.schreibwerkstatt.co.at/
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3 Kommentare

  1. es gefällt mir, dass nicht nur Studenten, sondern auch Professoren benotet werden – es gibt leider an den Unis immer noch Lehrende, die zwar ein großes Wissen haben, aber nicht unterrichten können. Ich habe leider einen fatalen Betreuer während des Bachelorstudiums und konnte nicht den Roten Faden in meiner Arbeit finden (https://business-and-science.de/aktuelles/auf-der-suche-nach-dem-roten-faden/) und der hat mir überhaupt nicht geholfen… aber Evaluation hat er nie gemacht… ich hatte Lust, eine anonyme Email an die Uni zu schicken…

  2. Lehrveranstaltungs-Evaluieren sollte jeder Hochschullehrer machen. Mir scheint das aber eher die Ausnahme. Ich habe auch keine guten Erfahrungen gemacht, es war einfach unpersönlich und Massenabfertigung. Ich habe mir dann bei einem Ghostwriter Beratung geholt bei meinen ersten Hausarbeiten. Meine Arbeiten hätte ich nie schreiben lassen, aber die Ghostwriterplattform, die mir geholfen habt, macht Gott sei Dank auch Hochschulberatung (https://www.ghostwriter.nu/leistungen/hochschulberatung-online/). Das hat super geklappt, und es ist eigentlich unmöglich, dass man sich an solche Leute wenden und die auch selbst bezahlen muss, um im Studium mitzukommen, was eigentlich eine Uni-Aufgabe ist.

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