Auf ägyptischen Pfaden nach Mexiko

Die Nationalflagge ist in Mexiko überall präsent (Zocalo, Mexiko City 2012). Derzeit ist das Leben nicht so bunt auf dem Hauptplatz. Wegen vieler Demonstrationen in den letzten Jahren, sind derzeit Sperrgitter zum Freihalten des Platzes für gezielte Veranstaltungen aufgestellt.

Das Alte Ägypten und die Faszination der Pyramiden ziehen auch mexikanische StudentInnen an, und die Nachfrage nach fachlichem Austausch war groß… Auf Einladung der mexikanische Altertümerverwaltung INAH war Irmgard Hein vom 3. bis 7. August 2015 in Mexiko City, um dort eine Summer School zum Thema Altägypten abzuhalten. Was sie erlebt hat und Kuriositäten sie erfahren hat, lest ihr hier…

Mexiko City

Blick von der „Runden Pyramide“ bei Cuicuilco auf die umgebenden ausufernden Stadtbezirke von Mexiko City.

Blick von der „Runden Pyramide“ bei Cuicuilco auf die umgebenden ausufernden Stadtbezirke von Mexiko City.

Die Fachhochschule für Archäologen ENAH [Fachhochschule zur spezifischen Ausbildung von Archäologen, die Studienprogramme (BA, MA und PhD) anbietet] ist passenderweise im Umfeld der ältesten Pyramide Mexiko Cities untergebracht, in Cuicuilco. Diese älteste „Pyramide“, die um ca. 1400 B.C. datiert wird, ist noch keine „echte“ quadratische Pyramide, es ist ein Rundbau, der in den südlichen Bezirken von Mexiko City liegt.

Einen Tag des Kurses habe ich im Museo de las culturas, abgehalten. Es ist ein sehr schön renoviertes Gebäude im Zentrum von Mexiko City, ursprünglich war es die Münzprägestätte, weshalb es auch heute noch „la moneda“ genannt wird. Es liegt in der Zona rosa, innerhalb der Fußgängerzone der Altstadt, gleich um die Ecke vom Templo Mayor, dem alten Kulturzentrum der Azteken, über dem die Spanier nach der Eroberung ihre Kathedrale und das Stadtzentrum erbauen ließen.

Forschungsarbeit in León

P. Lopez (ENAH), M. Ornelas (Léon), I. Hein

P. Lopez (ENAH), M. Ornelas (Léon), I. Hein

Meine Zusammenarbeit mit mexikanischen Kollegen besteht bereits seit mehreren Jahren. Als assoz. Mitglied von VIAS (Vienna Institute for Archaeological Science) bin ich an der Entwicklung von Methoden zur Keramikanalyse interessiert. Derzeit arbeite ich mit Kollegen von der ENAH, P. Lopez, und vom Instituto tecnologico der Universitat de León an der digitalen Bildanalyse von Keramikaufnahmen. Ägyptische und mexikanische Tonwaren sind voneinander völlig unabhängige Gruppen, deren Materialien erforscht werden. Der Vergleich der erzielten Ergebnisse verspricht große Objektivität in Hinblick auf die Methodenentwicklung. Unsere Zusammenarbeit hat schon zu mehreren Beiträgen auf Konferenzen und einer Publikation im Journal „Archaeometry“ geführt, an der weiteren Entwicklung unter Anwendung digitaler Filter wird gerade gearbeitet. Ein Besuch am Tecnológico Nacional de México, Instituto Tecnológico de Léon, das von CONACYT (National Council of Science and Technology of Mexico) gefördert wird, zur Besprechung und Diskussion der angewandten Verfahren war daher eingeplant.

Der Stadtplatz in Léon

Der Stadtplatz in Léon

León liegt nördlich von Mexiko City, ca. 4 Autostunden (wenn es nicht staut) entfernt, hat einen netten spanischen Altstadtkern und wie Mexiko City, ausufernde moderne Stadtviertel. Neben der fachlichen Ausrichtung auf Technologie ist Léon auch die „City of Shoes“, etliche Lederverarbeitungsbetriebe sind hier angesiedelt, und natürlich gibt es ein Outlet Center und Schuhe aller Art ohne Ende…

Maximilians letzte Station

Am Weg von Léon nach Mexiko City liegt die Stadt Querétaro, die Stadt mit der höchsten Lebensqualität im Land, sowohl klimatisch als auch betreffend Sicherheit. Die spanische Altstadt von Querétaro hat world heritage Status, und charmantes Flair.
Im Juni 1867 hat die kurze Regierungszeit Maximilians, der bekanntermaßen von französischen Interventionstruppen als Kaiser von Mexiko eingesetzt war, hier durch die Revolution unter Benito Juárez ihr Ende gefunden.
Maximilian wird in Mexiko heute noch als „Kulturstifter“ angesehen, er hatte auch bereits den Plan zur Entwicklung eines Kulturmuseums und daher seine Sammlung ägyptischer Kulturgüter nach Veracruz verschifft. Nach seinem vorzeitigen Tod wurde diese Sammlung Miramar, benannt nach dem Schloss bei Triest, in dem er residierte, aber dann nach Wien rücküberstellt. Heute ist die weitgereiste Kollektion ein Bestandteil der ägyptischen Sammlung im Kunsthistorischen Museum in Wien….
„Austria“ ist in Mexiko jedenfalls ein positiver Begriff, und dazu möchte ich auch erwähnen, dass Mexiko im Jahr 1938 als einziger Staat offiziell gegen den „Anschluss“ beim Völkerbund wegen Völkerrechtsverletzung protestiert hat, und sich außerdem in den 50er Jahren dafür eingesetzt hat, dass Österreich UNO-Mitglied wurde.

Tlaxcala

Natürlich besuchten wir auch eine laufende Ausgrabung im Süden von Mexiko City, in der Nähe von Tlaxcala. Hier konnten wir den Einsatz eines portablen XRF- Messgerätes im Feld verfolgen. Die Frage war, ob in einer Schicht die grau verfärbt war, Knochenasche enthalten ist. Aus der Gegend waren bereits Grabfunde vor langem in das Museo antropologico nach Mexico City gelangt. Aber erst unter Anwendung von geomagnetischen Messmethoden wurden jetzt zwei etwa bis zu 20 m lange Terassenanlagen aus der sog. postklassischen Zeit (11.-13. Jh.) aufgespürt, die durch Testschnitte auch in ihrer Struktur erfasst wurden.

Die Provinzhauptstadt Tlaxcala am Fuß des Vulkans Malinche gelegen, ist eine der ältesten spanischen Städte Mexikos, hier befindet sich eine der frühesten spanischen Klosteranlagen, die malerisch auf einem Hügel liegt. Unmittelbar daneben hat man Ausblicke auf die Stierkampfarena (hat in Mexiko immer noch Tradition, glücklicherweise war gerade keine Aktivität zu sehen) und moderne Gebäude.

Kurios: Verkehr und …. Gender Balance?

Bei meiner ersten Mexikoreise, 1992, wurde ich vorher von Freunden eindringlich vor dem heftigen und chaotischen Verkehr gewarnt. Mein Eindruck damals war, wenn man als Ägyptologin Kairo gewöhnt ist, relativ schwach. Das hat sich nicht geändert, der Verkehr in Mexiko City ist, im Vergleich zu Kairo, trotz der hohen Einwohnerzahl von derzeit geschätzt 22 Mio. (mit Peripherie ca. 30 Mio.) erstaunlich gut organisiert. Die U-Bahn ist natürlich das bevorzugte urbane Transportmittel, oder auch der sog. Metro-Bus, der auf bestimmten Linien mit abgegrenzten Haltestellen fährt.

Kurios ist dabei die beim Einstieg bereits markierte Sektion für Frauen, Kinder und Behinderte in den öffentlichen Verkehrsmitteln der Stadt, um diese vor Belästigungen zu schützen.

Mujeres- Abgegrenzte Zugänge für Frauen, Kinder und Behinderte beim Metrobus

Mujeres- Abgegrenzte Zugänge für Frauen, Kinder und Behinderte beim Metrobus

Die Lage der kontrastreichen Stadt, auf über 2200 m Höhe, war im heurigen Hitzesommer trotz der tropischen Breite jedenfalls kein Nachteil, die Temperaturen waren durch die nächtliche Abkühlung wesentlich angenehmer als in Wien im August dieses Jahres….

Fazit

Mexiko und Ägypten sind beides faszinierende Länder, die vieles gemeinsam haben, der Bogen reicht von Verwaltungsstrukturen, über alte Kulturen, hin zu Gewohnheiten der Leute, wie z.B. Trinkgeldern (das berühmte Bakschisch in Ägypten), ohne das fast nichts läuft. Auch soziale Strukturen sind ähnlich, aber sie sind natürlich kulturhistorisch bedingt, auch sehr verschieden geprägt.
Beide sind reizvoll und es war ein Vergnügen die herzliche Aufnahme bei den KollegInnen und die freundliche Lebensart zu spüren, mit den KollegInnen zu arbeiten und mit ihnen über Land zu fahren. Mexiko ist jedenfalls eine Reise wert, trotz der großen Distanzen und der großen Kontraste, und – als Ägyptologin gesprochen – natürlich wegen der Pyramiden … :)

Die Sonnenpyramide in Teotihuacan, deren Seitenlänge (225m) fast so lang ist wie jene der Cheopspyramide in Ägypten (230,33m).

Die Sonnenpyramide in Teotihuacan, deren Seitenlänge (225m) fast so lang ist wie jene der Cheopspyramide in Ägypten (230,33m).

Hein

 

Irmgard Hein

Geb. in Wien.
Studium der Ägyptologie und klass. Archäologie, Promotion in Wien, 1986.
Ass. Professorin am Institut für Ägyptologie und assoz. Mitglied von VIAS an der Universität Wien.

 

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