Azra und Sevde – Studieren heute. Ein Interview zur aktuellen Situation von Studierenden

Interview Februar 2014

In der Gegenwart unserer Zeitreise im Jahr 2015 angekommen, findet sich ein Interview mit zwei Studierenden, die keine fiktiven Personen darstellen.

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Abb. 1:
Sevde Özdemir und Azra Bajrica am Institut für Zeitgeschichte (© Ina Markova, Christoph Mentschl, Maria Wirth)

Welches Fach studieren Sie und wie lange studieren Sie schon?

Sevde: Ich studiere im fünften Semester Orientalistik/Turkologie im Hauptfach – aus Interesse. Nebenbei mache ich noch Geschichte und Englisch auf Lehramt, da bin ich jetzt im dritten Semester. Später könnte ich mir eine Ausbildung zur Dolmetscherin vorstellen, Integrationsarbeit würde mich auch interessieren.

Azra: Ich studiere Geschichte und Französisch auf Lehramt im siebten Semester – aus Interesse und weil damit ein konkreter Berufswunsch verbunden ist. Davor habe ich Volkswirtschaft studiert. Das Studium habe ich aber nicht abgeschlossen, weil ich zu etwas für mich Passenderem wechseln wollte.

Fotos im Auftrag der Universität Wien aufgenommen von Fotostudio Pfluegl

Abb. 2:
Studierende vor dem Eingang zum Hauptgebäude der Universität Wien (© Universität Wien)

Haben Sie sich bewusst für die Universität Wien entschieden?

Sevde: Ich habe mich für die Uni Wien entschieden, weil hier Turkologie angeboten wird. Zudem wollte ich auch wegen der Stadt nach Wien.

Azra: Ich habe zuerst an der WU studiert, wollte dann aber an die Uni Wien wechseln. Sie hatte für mich das Image, dass sich dort freies Denken entfalten kann. Inwiefern das zutrifft, ist natürlich eine andere Frage. Aber das habe ich mit der Universität verbunden. Außerdem hat die Audi Max-Bewegung Audi Max-Bewegung 2009 formierte sich eine studentische Protestbewegung, die als „Audimax-Bewegung“ oder „Uni brennt“ bekannt wurde und sich vor allem gegen die Einführung des Bologna-Systems sowie für eine Demokratisierung der Hochschulen einsetzte. Das öffentliche Augenmerk richtete sich besonders auf die Besetzung und anschließende polizeiliche Räumung des Auditorium Maximum der Universität Wien. dazu beigetragen, dass ich mich für die Uni Wien entschieden habe. Dass Studierende ein Zeichen gesetzt haben, hat mich beeindruckt. Und dann gab es auch noch ein Schlüsselerlebnis an der WU. Da war einmal auf einem großen Transparent „Rekrutierungsmesse“ zu lesen, und ich habe mir gedacht: Ich will doch nicht in den Krieg ziehen.

Sind Sie mit Ihren Studienbedingungen zufrieden?

Azra: Den Aufbau des Studiums finde ich nicht optimal. Die großen einführenden Lehrveranstaltungen führen dazu, dass man sich erst spät in ein Thema vertiefen kann und erst spät eine Betreuungssituation gegeben ist. Ob es ein Feedback gibt, hängt stark von den LehrveranstaltungsleiterInnen ab. Ich habe so etwas erst einmal erlebt. Während des Studiums wird der Eindruck vermittelt, dass man „schnell durch muss“, ohne sich mit Details und persönlichen Interessen aufzuhalten. Man bekommt eine Note und das war’s.

Sevde: Ich habe die Anfangsphase mit den großen „Massenvorlesungen“ auch als oberflächlich empfunden und habe auch lange ein Feedback vermisst. Eine schriftliche Rückmeldung auf eine Seminararbeit habe ich auch erst einmal bekommen. Sonst gibt es immer nur eine Note, aber was sagt die schon aus?

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