von Ursula Gerber
am 21. Juli 2016
ungefähr 5 Minuten
Themen: Citizen Science , Konferenz , MitarbeiterInnen , Verhaltensbiologie

Citizen Science – Was BürgerInnen zur Forschung beitragen können

Ursula Gerber ist verantwortlich für die Kommunikation der Fakultät für Lebenswissenschaften der Universität Wien, von 12. bis 15. Juni besuchte sie die 8. Europäische Konferenz für Verhaltensbiologie in Wien. Für den Uniblog berichtet sie über das Thema Citizen Science:

„Wichtig ist, dass man nicht aufhört zu fragen.1

Was kann Citizen Science für die (Verhaltens)forschung leisten, was sind ihre Chancen, was die Herausforderungen?  Diese Fragen stellten internationale Wissenschaftler in einem Symposium, das während der 8. Europäischen Konferenz für Verhaltensbiologie stattfand. Organisiert wurde die Konferenz vom Department für Kognitionsbiologie der Fakultät für Lebenswissenschaften der Universität Wien.

Als Citizen Science wird eine Arbeitsmethode bezeichnet, bei der wissenschaftliche Projekte partizipativ mit interessierten AmateurInnen unter Anleitung von WissenschafterInnen durchgeführt werden. Das Wort „Amateur“ sei in der deutschen Sprache zu Unrecht negativ besetzt, kommt es doch von „amator“ (Liebhaber) und  das zeige schon eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg eines Citizen Science Projekts auf, so Anett Richter (Helmholtz Zentrum für Umweltforschung) in ihrer Key Note. Neben der positiven emotionalen Beteiligung der Volontäre, die ihre Beobachtungen und Messungen bzw. Datenauswertungen  – angeleitet von  WissenschafterInnen  – durchführen, sind eine Reihe weiterer „Regeln“ zu beachten, um  zufriedenstellende Ergebnisse zu erzielen.

Was gilt es bei Citizen Science zu beachten?

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Bildquelle: Wikimedia Commons

Zunächst müssen die Citizen Scientists entsprechend vorbereitet und geschult werden, um überhaupt zu wissen, was genau beobachtet werden soll. Das ist Aufgabe der WissenschafterInnen, ebenso wie das Design eines Forschungsprojekts, das die über Citizen Science zu erwartenden Beiträge exakt definiert. Citizen Scientists lieben es, vor allem in die Fragestellungen und in das Sammeln von Daten eingebunden zu sein. Letzteres ist ein Vorteil wenn es darum geht, eine große Datenmenge über Populationen zu erhalten, die großflächig verteilt sind. Über einen diesbezüglichen Erfolg berichtet Lucie Diblikova (Karls-Universität-Prag). Mit der Beteiligung von rund 160 Personen mehr als 7 Dialekte im Gesang des Goldammers in ganz Tschechien lokalisiert werden. In der Zwischenzeit wurde das Projekt international ausgeweitet, u.a. reichen die Datenerhebungen bis nach Neuseeland.

 

Ein nicht zu unterschätzender Aufwand ist die persönliche Kommunikation der WissenschafterInnen mit den beobachtenden und datensammelnden Volontären. Dabei helfen zwar neue Medien wie „whats app“, twitter und Co, „man muß aber darauf achten, dass man zu den gewünschten Daten kommt, und das geht am besten im persönlichen Gespräch“, so Joerg Melzheimer (Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW), der u.a. Gesprächsrunden mit Farmern und Jägern organisiert, um zu konkreten Zahlen über getötete Geparden und deren Riss von Nutztieren zu kommen. Aber auch die Lust der Touristen an Safaris werde genutzt, um über Apps weitere Daten über konkrete Aufenthaltsorte der Geparden zu erhalten.

Österreichische Projekte

Auch in Österreich werden bereits Forschungsprojekte mit BürgerInnenbeteiligung durchgeführt. Silvia Winter (BOKU) berichtet von einem Tierbeobachtungsprojekt, in das SchülerInnen verschiedener Altersstufen und Schultypen eingebunden waren. Sie untersuchten über einen längeren Zeitraum das Vorkommen von Vögeln, Wildbienen, Schmetterlingen und Igeln in Gärten und Schulgärten. Zusätzlich interviewten sie Gartenbesitzer. Umfangreiche Trainings der LehrerInnen und SchülerInnen standen am Anfang des Projekts. Als Motivation diente teilweise selbstgebautes Equipment wie Nisthilfen und Schmetterlingsnetze, aber auch professionelle Ferngläser, die von einem Unternehmen gesponsert wurden.

Eine Hürde stellte schließlich die Dateneingabe dar: „Die Schulen sind zum Teil computertechnisch auf einem so schlechten Stand, dass sich die Dateneingabe für die Lehrpersonen als extrem mühsam herausstellte“, so Winter. Dabei sind gerade die jungen SchülerInnen  – insbesondere aus  dem Volksschulbereich  – ganz begeisterte und verlässliche Partner wenn es darum geht, das Verhalten von Tieren zu beobachten, bestätigt auch Didone Frigerio (Konrad Lorenz Forschungsstelle, Universität Wien).  Im Zuge eines Sparkling Science Projekts, gefördert vom bmwfw werden Waldrapppopulationen rund um die Forschungsstation Grünau untersucht.

Bild zeigt: Conducting a Loon Survey Citizen_Science _ (4427397731)/wikimedia
Bildquelle: Wikimedia Commons

Wichtig ist, den Grundstein für die Neugier in die Wissenschaft schon sehr früh zu setzen,“ so Frigerio,  und weiter,  „am meisten hat uns alle überrascht, dass die Kinder ihr Wissen über die Tiere nach den Sommerferien nicht nur behalten, sondern sogar vermehrt hatten – das steht im Gegensatz zu den sonstigen Untersuchungen – da zeigt die Wissenskurve nach den Ferien immer nach unten.“

 

Erfolgsfaktoren bei Projekten mit BürgerInnenbeteiligung

Was also sind die wesentlichen Faktoren zum Gelingen von Wissenschaft mit Bürgerbeteiligung? Zum einen sei es das ureigene Interesse  der „Amateure“ – erfolgreiche Citizen Science Projekte haben einen unmittelbaren, regionalen Bezug. Die WissenschafterInnen müssen es schaffen, die Kommunikation persönlich aufzubauen und stabile Netzwerke zu etablieren, die sich in weiterer Folge selbst tragen. Motivierend sind Plattformen, in die die Dateneingabe unkompliziert erfolgt und wo direktes Feedback möglich ist.

“Das Potenzial ist groß. Bei einer Umfrage mit 1004 Befragten gab mehr als ein Drittel an, sich sehr für Wissenschaft zu interessieren. Und es ist wichtig, Verdoppelungen zu vermeiden“, meint Anett Richter, „gerade in den Bereichen Biodiversität und Naturschutz gibt es bereits zahlreiche nationale und internationale Netzwerke und Plattformen“.

Weiterführende Informationen:

 

1Mit diesen Worten machte Albert Einstein 1955 einem jungen Studenten Mut. Zitiert von William Miller in einem Beitrag in der Zeitschrift Life vom 2. Mai 1955




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Kilian Prader ist seit WS11/12 Student der Japanologie und Anglistik an der Uni Wien und als @esploratore13 Mitglied des #viennafashionwalk Teams. Auf seinem Instagramfeed finden sich Architektur, Kunst, Mode, aber keine Katzenfotos (sry, no #caturday ;) Am 24. Februar 2017 kommt der Fashionwalk an die Uni Wien, im Blog erklärt euch Kilian, wie ihr dabei … Continued


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