Der wissenschaftliche Blog als carnet de recherche und online Archiv am 3. Dezember 2015
ungefähr 5 Minuten
Themen: Film- und Medienwissenschaft , Social Media , Studierende , Wissenschaft , Wissenschaftliches Bloggen

Der wissenschaftliche Blog als carnet de recherche und online Archiv

Clara Gallistl nahm am Workshop des DoktorandInnenzentrums „Einführung in das wissenschaftliche Bloggen“ teil, und bloggt nun über ihre Erkenntnisse.

Loslassen muss man können, am Ende von guten Workshops. Nach einer schnellen Einführung haben wir (eine gemütliche, gute Runde von Teilnehmer_innen) innerhalb eines Halbtages je einen Blog zu unseren diversen Projekten eingerichtet. Die Wissenschaftsblog-Plattform hat uns erfreulicherweise Zugangscodes und damit digitalen Raum verschafft, auf dem wir ausprobieren konnten. Screen Shot 2015-12-01 at 12.32.14 Im Workshop zum wissenschaftlichen Bloggen, der am 25.11.2015 am DoktorandInnenzentrum in Kooperation mit dem Wissenstransferzentrum Ost angeboten wurde, habe ich einen wunderschönen digitalen Raum für mein Dissertationsprojekt zum österreichsischen Staatsbankrott in Texten des Wiener Vorstadttheaters gebaut. Am liebsten hätte ich gleich losgelegt und Texte rausgeschmissen ins öffentliche Internet, Kategorien überlegt und meine Quellen hochgeladen. Die Attraktivität der Front-End-Oberfläche und die einfache Bedienung des Back-Ends wirken stark auf mich. Gleichzeitig ist diese Geilheit der Digitalität auch Grund für meine Skepsis.

Ich nehme mein Schreiben sehr genau und bin mir bewusst, dass jeder veröffentlichte Text an meiner digitalen Identität mitkonstruiert. Im Sommer war ich bei einem PR-Workshop der Creative Region Linz für junge Kreative und habe nach Gesprächen mit der crowd entschieden, eine Homepage mit Blog für mich einzurichten. Als online Portfolio und Kompetenzbeweis. Vor zwei Monaten habe ich dann mit meiner wordpress-Seite begonnen und darauf sehr gute Rückmeldungen von Freund_innen und Kolleg_innen erhalten. Der Zugang “Einfach mal ins Blaue hinein”, den Mareike König im Workshop zum wissenschaftlichen Bloggen vorgeschlagen hat, liegt mir allerdings nicht. Wenn ich etwas öffentlich mache, will ich genau wissen, was und wie. Darum habe ich für meinen nicht-wissenschaftlichen Blog ein Konzept erarbeitet und es mit Kolleg_innen und Freund_innen, die Ahnung von den Thematiken digital marketing, social media PR, der Theaterszene und Theaterkritik haben, besprochen bis ich mir über Begründung, Ziel, Form und Inhalt sicher war.

Das Tool der digitalen Möglichkeiten

Am liebsten hätte ich ein Workhop-How-To mit nach Hause genommen. Ein Buch, wie man es im Adobe Photoshop Kurs bekommt, anhand dessen man sich der Schritte erinnern kann, die man vergessen hat. Aber das ist gar nicht notwendig. WordPress funktioniert so intuitiv und Lisa Bolz hat uns angeboten, bei Fragen gerne per Mail Kontakt aufzunehmen. Ich hatte schon aus über.morgen Zeiten (online und print Magazin mit Wurzeln im besetzten Audimax) Erfahrung mit digital publishing, aber der Workshop hat die wichtigsten Funktionen noch einmal sehr gut erklärt und ist darüber hinaus noch auf wichtige Themen wie Copyright und Anerkennung innerhalb der wissenschaftlichen Community eingegangen.

Die französische scientific community begreift wissenschaftliche Blogs als wertvolle Forschungsjournale, die öffentlich für jedermann_frau zugänglich sind. Nationalbibliotheken stellen für Blogs ISSN Nummern aus. Ein gutes Impressum macht Blogs zitiertfähig wie Zeitschriftenartikel. Im Sinne der open science können Blogs Wissen hervorragend anschlussfähig und für die interessierte Öffentlichkeit zugänglich machen. Digitale Repositorien können benützte Quellen offenlegen und sogar als citizen science respektive crowd sourcing Projekte interessierte Teile der Gesellschaft zur Mitarbeit einladen. Der Blog kann vieles sein: Online Präsenz, Publikationsort, Materialsammlung, Bibliografie, Veranstaltungsankündigung und -dokumentation, Dokumentation von Seminaren, Workshops und Ausstellungen. Gern gelesen werden kurze, fachliche Interviews, die auch über E-Mail, Twitter oder Facebook mit Kolleg_innen geführt werden können. Mit Storify gibt es einen frei zugänglichen, einfach zu bediendenen Weg, digitale, schriftliche Gespräche zu dokumentieren und anschaulich abzubilden.

Selbstbewusst Bloggen

Ich hätte gerne mehr als diese sieben Stunden gehabt. Anscheinend gab es vor ein paar Monaten einen Afternoon-Talk zum Thema Wissenschaftliches Blogging vom Zentrum für Wissenstransfer. Die Ankündigung habe ich leider nicht gesehen. So oder so, der Workshop von Mareike König – die bereits im Uni Wien gebloggt hat – und Lisa Bolz hat meinen Blick auf Bloggen gottseidank erneuert. Bloggen ist nicht mehr, was es 2005 war. Es ist keine unbeholfene Einladung zum Fremdschämen mehr (oder muss es nicht mehr sein). Bloggen wird ernst genommen, versichert mir Mareike König glaubhaft. Die Erfahrung, dass mehr Menschen meinen Blog lesen, als ich dachte, habe ich mit callisti1010.com schon gemacht. Meinen Dissertationsblog kann ich an themenverwandte Blogs und mich damit an die scientific community anbinden. So kann Bloggen auch zu einer digitalen Methode werden: Ich kann meinen Forschungsfortschritt dokumentieren, Schreiben üben, ein Netzwerk aufbauen und mittels Kategorien die Struktur meiner Arbeit entwickeln. Außerdem kann ich Thesen aufstellen und in kleinem Rahmen ausprobieren, indem ich Kolleg_innen bitte, die jeweiligen Beiträge kurz zu kommentieren. Und das alles in einer Sprache, die eher meiner weniger aufwändigen Facebook-Kommunikation über wissenschaftliche Themen als einem geschliffenen Abdruck im Sammelband entspricht.

Kurz: Ich bin Fan dieser neuen digitalen Methode. Vor allem, weil es mir den übermäßigen und oft einengenden Respekt vor dem Elfenbeinturm nimmt.

Danke, Wissenstransferzentrum Ost.
Danke, Doktorand_innenzentrum.
Danke, Mareike König und Lisa Bolz.

Wenn es auch viel an ihr zu kritisieren gibt: Dass solche Workshops an der Universität Wien gratis angeboten werden, macht mich stolz auf meine Institution. Das passt schon. Also: Danke, Uni Wien.



FAQs zu Deutschkenntnissen, VWU Vorstudienlehrgang, Ergänzungsprüfungen und Zulassung an der Universität Wien

Jüngste Änderungen bei den Anerkennungen von Sprachzertifikaten (ÖSD, Goethe, etc.) für die Zulassung zur Universität Wien haben Fragen aufgeworfen. Wir haben die wichtigsten FAQs im Zusammenhang mit dem Anerkennungsprozess von Deutschkenntnissen und anderen fehlenden Kenntnissen hier gesammelt.   Brauche ich Deutschkenntnisse, um an der Uni Wien zugelassen zu werden? Ja, um an der Universität Wien … Continued


Erfahrungen mit dem Erweiterungscurriculum Naturwissenschaftliches Denken

Erweiterungscurricula (EC) und ihre Lehrveranstaltungen sind Angebote für alle Studierenden, die sie im Studienplan nutzen können.  Eines davon ist das EC Naturwissenschaftliches Denken. Es soll den Studierenden aus anderen Disziplinen Einblicke und Verständnis für grundlegende Gebiete und Methoden der Naturwissenschaften bieten. 2015 wurde es erstmals innerhalb eines Semesters durchgeführt. Inzwischen hat sich das Format bewährt, … Continued


Aus sieben wird acht: Matrikelnummern werden achtstellig

Am 12. Mai 2017 erweitert die Universität Wien die bestehenden Matrikelnummern aller Studierenden auf acht Ziffern. Ab diesem Zeitpunkt sind nur noch achtstellige Matrikelnummern gültig. Wir erklären, warum das passiert, was das genau heißt und welche Änderungen diese Umstellung mit sich bringt. Wieso werden die Matrikelnummern verändert? Bisher hatten Matrikelnummern sieben Stellen. Dieses Matrikelnummernsystem ist … Continued

1 Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Back to top