Dinge, die StudentInnen in Wien erleben sollten von Anna Riedl
am 4. März 2014
ungefähr 8 Minuten
Themen: Psychologie , Studierende , Studium

Dinge, die StudentInnen in Wien erleben sollten

Natürlich ist es irgendwie ein Rückschaufehler, wenn man nachträglich erzählt, es hätte diesen einen Moment gegeben, der völlig kausal unvermeidlich zu all dem führen musste, was nun darauf gefolgt ist. Trotzdem, wenn mich jemand fragt, warum ich für mein Studium nach Wien gezogen bin, dann gibt es da diesen einen phantastischen Moment, in dem es zwischen mir und dieser Stadt gefunkt hat. Man könnte auch sagen, es sei der „Mere-Exposure-Effekt“ oder es hätte etwas mit „Perceptual Fluency“ zu tun, da ich schon in der 10. Klasse auf der Abschlussfahrt mit der Mädchenrealschule hier war. Man könnte demnach behaupten, ich hätte lediglich das Bekannte dem Unbekannten vorgezogen. Aber nein, wenn ich zurückblicke, dann gab es da diesen einen magischen Moment, nur diesen einen.

Ich war in einer Vorstellung im Audi Forum Kino in Ingolstadt und habe mir auf Einladung einer Freundin hin „Auf der Suche nach dem Gedächtnis“ angesehen. Einen Film über den (in Wien geborenen) Hirnforscher Eric Kandel, der darin von seinen persönlichen Erinnerungen erzählt, der Geschichte der Zeit im Allgemeinen und gleichzeitig darüber, wie eine Erinnerung im Kopf funktioniert und wie er dies erforscht hat. In dieser Dokumentation sitzt er in einer Szene mit Aaron Beck und Micky Stunkart, zwei anderen bedeutenden Wissenschaftern, in einem Café. Im Gegensatz zu anderen guten Freunden in dem Alter erkundigen sie sich beieinander nicht nach neuen Gebrechen, sondern darüber, wie die Forschung so läuft, und Eric Kandel erzählt von einer Theorie seiner Frau Denise und endet mit „Maybe the prion-protein is involved …“ und einer seiner Freunde erwidert „Oooooh, that’s fantastic!“, während er sich begeistert die Hände vor den Mund schlägt.

Am bedeutsamsten für mich war der weitere Dialog:
„So funktioniert Wissenschaft: Menschen kommen zusammen.“
„Wie in den Wiener Kaffeehäusern. Die Intellektuellen sitzen herum und planen Revolutionen.“
Und dann ein lachender Zusatz: „Wir sind nicht klug genug, um Revolutionen zu planen, also machen wir Wissenschaft.“

Seitdem wollte ich nach Wien, um hier mit anderen zusammenzukommen und Gedanken auszutauschen und „Wissenschaft zu machen“.

Und jetzt bin ich hier und Wien ist großartig! Laut offiziellen Erhebungen die fünfbeste Stadt für Studenten weltweit. „Die im >World University Ranking 2011< auf Rang 155 platzierte Universität Wien mag zwar mit den Eliteunis andernorts nicht mithalten können“, so QS auf ihrer Webseite, „aber für Studenten, die nach hoher Lebensqualität, verbunden mit Kultur und Leistbarkeit suchen, ist Wien schwer zu toppen„. Kein Wunder, dass sie insgesamt von rund 186.000 Studierenden bevölkert wird – jedeR zehnte WienerIn ist somit StudentIn.

Das Studium soll für den weiteren Berufsweg in wissenschaftlicher Hinsicht die Grundlagen vermitteln und auf die professionelle Karriere vorbereiten. Wer seine Zeit aber nur für sein Studium verwendet, wird die wichtigsten Lehren des Lebens und der Stadt verpassen. Nicht umsonst wird das Studium oft als die beste Zeit des Lebens bezeichnet. Nie wieder wird man (vermutlich) so viel freie Zeit haben, außer man bekommt noch Rente, aber um ehrlich mit uns selbst zu sein, wer wird das schon? Es ist die perfekte Zeit um zu reisen, und wer das will und kann, sollte das auch tun. Eigentlich muss man das aber gar nicht, wenn man vor Ort mit offenen Augen durch die Welt geht. Kaum einE StudentIn in einer Großstadt wird je komplett erschlossen haben, was die Stadt ihm/ihr zu bieten hat. Und Genies wie Immanuel Kant demonstrieren schön, dass man für Unglaubliches am gleichen Ort bleiben kann, denn er wurde in Königsberg geboren und starb dort auch.

In Wien gibt es so vieles zu entdecken. Kulinarisch, kulturell, wissenschaftlich – und die Straßen sind praktisch mit Geschichte gepflastert! Nehmen wir das Hauptgebäude der Universität Wien. Wenn man durch die „Hall of Fame“ des Arkadenhofs flaniert, sieht man anhand der aufgestellten Büsten, welche menschlichen Genialitäten auf demselben Grund gewandelt sind. Karl Popper, Erwin Schrödinger, Otto Loewi, Konrad Lorenz, Charlotte und Karl Bühler, Viktor Frankl, Sigmund Freud … Aber wer von euch wusste, dass eben dieser Arkadenhof im ersten Weltkrieg als Hospitalgarten für Verwundete genutzt wurde und die ganze Universität als Verpflegungsstation?

Aber vergesst nicht, dass dort JETZT gerade Geschichte geschrieben wird. Seid nett und respektvoll gegenüber euren ProfessorInnen, der/die eine oder andere wird vielleicht in ein paar Jahrzehnten selbst eine Büste dort bekommen und ihr könnt euren Kindern erzählen, dass ihr Vorlesungen bei ihnen besucht habt.

Nachdem ich über all dies nachgedacht hatte und festgestellt hatte, dass ich schon ein Jahr in Wien wohnte, aber noch wenig davon aktiv und bewusst besucht habe, habe ich eine Liste erstellt. Von verschiedenen Dingen, die ich auf keinen Fall nicht getan haben möchte, wenn ich von hier wieder verschwinde. Hier ein kleiner Einblick:

  • Auf dem Prater mit dem Riesenrad die Aussicht über die Stadt genießen
  • Ausnutzen, dass Wien so Veganer-freundlich ist und essen gehen im Yamm (deliziöses Buffet, gleich gegenüber der Universität – auch der vegane Stammtisch ist hier), im Xu’s (vegan-vegetarisches günstiges chinesisches All-you-can-eat), Dancing Shiva und vielen weiteren; außerdem den veganen Supermarkt „Maran Vegan“ beaugapfeln
  • Tibetisch essen (im „Tibet“, das sich als das „einzige tibetische Restaurant Österreichs bezeichnet)
  • Schloss Schönbrunn
  • Wachsausstellung im Josephinum (für Studierende ist der Eintritt nahezu geschenkt)
  • Kunstausstellungen in der Albertina
  • Sigmund Freud Museum (viel zu lesen und klein, aber informativ und in Freuds Originalwohnung, als PsychologiestudentIn Pflicht!)
  • Die Lange Nacht der Museen ausnutzen, um viele der kleinen Museen zu besuchen (die großen sind völlig überlaufen) – bis jetzt besucht: Schokoladenmuseum, Uhrenmuseum, Foltermuseum, Verhütungsmuseum, Schnapsmuseum und Narrenturm (übrigens das weltweit erste Spezialgebäude zur Unterbringung von „Geisteskranken“ – als PsychologiestudentIn auch Pflicht)
  • Hofburg – Sissi Museum (die Dame war viel interessanter und düsterer, als man nach den Spielfilmen glauben könnte)
  • Musical besuchen
  • Falafel bei Dr. Falafel auf dem Naschmarkt essen und an einem Samstag durch den zugehörigen Flohmarkt wuseln
  • In die Kapuzinergruft
  • Schmetterlingshaus im Burggarten
  • Eine TEDxVienna Veranstaltung besuchen
  • Beim USI alle Sportarten ausprobieren, die einen interessieren, da die Preise einfach unschlagbar sind und man vor allem als StudentIn einen Ausgleich zum ständigen Sitzen und Geistig-Betätigen braucht (z.B. Muay Thai, Kickboxen, Bogenschießen, verschiedenstes Tanzen, Fechten uvm.)
  • Einen Pole-Dancing Grundkurs besuchen
  • Im Spartacus-Erotikgeschäft die BDSM-Abteilung durchstöbern – weil sie einfach riesig und teilweise schockierend ist
  • MeiCogSci-Vorlesungen besuchen
  • Dumpstern gehen und davor „Taste the Waste“ ansehen (man könnte mit den Abfällen aus Wien ganz Graz ernähren)
  • Bei AIESEC mitmachen
  • Eine Wiener-Weihnachtsmarkt-Tour machen und auf jedem einen Glühwein trinken
  • Hell-O-Wien / 666 in der Ottakringer Brauerei
  • Auf dem Feschmarkt in der Ottakringer Brauerei
  • Bei einem Ratioanlity Meetup andere Personen treffen, die sich mit Rationalität befassen
  • Ein Restaurant aus jeder Kultur besuchen – japanisch, thailändisch, jüdisch, traditionell österreichisch
  • Mit dem Bus zum Casino Baden fahren und das größte Casino Österreichs erleben (Statistik einmal praktisch anwenden)
  • Das Naturhistorische Museum besuchen (mit vielen unterhaltsamen interaktiven Stationen, man kann zum Beispiel Meteoriten auf Wien schießen und sehen, wie verheerend die Wirkung wäre je nach Größe und Geschwindigkeit)
  • Das kostenlose Donauinselfest besuchen
  • In den Asiamärkten rund um den Naschmarkt die exotischten Sachen erwerben und danach mit Freunden ein „Let’s eat“ veranstalten
  • Am LifeBall teilnehmen, mit einem grandiosen Kostüm
  • Beim Opernball gaffen
  • Auf ein Steampunk treffen
  • Die autobiographische Dokumentation „Auf der Suche nach dem Gedächtnis“ ansehen; Kandels Lebensstationen in Wien anschließend besuchen – allgemein der jüdischen Kultur in Wien nachforschen und auch in das Jüdische Museum gehen
  • Das Graffiti-Museum ansehen und eine „Graffiti-Tour“ durch Wien machen (ich meine die guten Graffitis ansehen, nicht neue machen)
  • Den Botanischen Garten besuchen
  • Picknicken auf der Mariahilfer Straße (ist ja jetzt eine Fußgängerzone)
  • Kaffeehäuser besuchen (z.B. Demel, Sacher, Ritter, Central – andere Kaffeehäuser des Weltkulturerbes)
  • Ins Weltmuseum
  • In die Österreichische Nationalbibliothek
  • bei Treffen bei „Verrückt nach Sokrates” teilnehmen
  • Theater/Volksoper besuchen
  • Haus des Meeres
  • Tiergarten Schönbrunn
  • Zentralfriedhof (davor informieren welche dort begrabenen Persönlichkeiten für einen interessant sind, er ist nämlich riesig)
  • Zeiss Planetarium der Stadt Wien
  • An Veranstaltungen der Brunnenpassage teilnehmen (mitsingen/-tanzen usw.)
  • Sich an einer Sitzung im Parlament zu Tode langweilen
  • An Critical Mass teilnehmen
  • Einmal alle U-Bahn Stationen besucht haben
  • Konzerte der mdw besuchen
  • Debattierklub
  • Citybiken
  • Geocaching (obwohl nicht auf Wien beschränkt)
  • Stadtpark
  • Katzencafé
  • Relikte aus dem 2. Weltkrieg begutachten

[…]

Und was habt ihr für Ideen oder schon großartiges in Wien erlebt? Ich bin offen für mehr Inspiration!




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2 Kommentare

  1. das sind mit großem abstand die aller-langweiligsten und bürgerlichsten sachen, die man in wien machen „kann“ :)

  2. die Schnecke weiss mehr von der Strasse als der Hase, sagt ein
    altes Chinesisches Sprichwort. Ich liebe es durch die Stadt
    zu Fuß zu gehen, in Café Häusern zu lernen, zu lesen, Gedanken
    auszutauschen……Auch gibt es prachtvolle Wien Führer, auch
    neuerdings Wien Krimis….Vorallem aber gibt es Menschen, die
    diese Stadt lieben und kennen…..“Anbandeln“ ist ein Vokabel
    dafür.

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