am 21. Juni 2016
ungefähr 5 Minuten
Themen: Studierende

Ein Plädoyer für den Austausch zwischen jungen WissenschafterInnen

Vor rund fünf Jahren haben einige Dissertantinnen die Initiative „fernetzt. Junges Forschungsnetzwerk Frauen- und Geschlechtergeschichte“ ins Leben gerufen. Inzwischen sind daraus nicht nur ein Verein, sondern auch ein Blog und weitere Projekte entstanden. Aus eigener Erfahrung heraus berichten die „fernetzt“-Mitglieder, wieso ein Miteinander statt Gegeneinander in der akademischen Welt nicht nur mehr Spaß macht, sondern auch viel effektiver ist.

Vor einigen Jahren waren wir an einem Punkt, an dem sich viele JungwissenschafterInnen, vor allem in den Geistes- und Sozialwissenschaften, wiederfinden: Wunderbare Masterarbeiten und Dissertationen im Werden und voller Enthusiasmus und Ideen, aber auch zum ersten Mal wirklich konfrontiert mit den Herausforderungen und Härten der akademischen Welt.

Wie genau geht dieses WissenschafterIn sein eigentlich?

Gerade DissertantInnen können ein Lied davon singen: Förderungen sind rar und – wenn vorhanden – oft prekär. Ein Studium im Rücken, das aber viele neue Fragen unbeantwortet lässt: Ein Forschungsdesign muss her und zwar eines, das allen Regeln der Kunst entspricht – aber wie? Und weil der und die JungwissenschafterIn ja zugleich nicht im stillen Kämmerlein verstauben soll: Wie schreibt man eigentlich Abschlussarbeiten, Journalbeiträge, Konferenzbewerbungen oder Stipendienanträge? Wie organisiert man Konferenzen und macht all das, was da von uns verlangt wird, mit dem ewig drohenden „publish or perish“ im Genick? Und wie geht man mit den vielen historisch gewachsenen, gesellschaftlich bedingten und in alltäglichen wie institutionellen Praxen immer wieder hergestellten Diskriminierungen und Ungleichheiten um?

Gemeinsam statt einsam. Oder: Wir gründen einen Verein

All diese Fragen und der Wunsch nach einem ungezwungenen Austausch über die Freuden und Hürden als JungwissenschafterInnen führten dazu, dass sich ein paar Dissertantinnen und Masterstudierende der Frauen- und Geschlechtergeschichte vor nunmehr sechs, sieben Jahren zusammenfanden. Unser noch recht loser Kreis traf sich regelmäßig, um gemeinsam zu lesen, zu diskutieren und unsere Projekte zu besprechen. Wir wollten aber mehr – ein größeres Netzwerk mit anderen KollegInnen, die sich gegenseitig unterstützen. Auch eine eigene Tagung schwebte uns vor. Dafür brauchten wir eine feste Struktur, um besser nach außen vertreten zu sein und gegebenenfalls finanzielle Mittel einwerben zu können.

Gesagt, getan. Im Frühjahr 2011 gründeten wir den Verein „fernetzt“ – bestehend zunächst aus einem harten Kern von fünf Mitstreiterinnen, mit denen gerade eben die für einen Verein offiziell notwendigen Vorstandsposten abgedeckt werden konnten. Als Vorstand im eigentlichen Sinne haben sich die Mitglieder allerdings nie verstanden: „fernetzt“ war und ist ein offenes unhierarchisches Forum für junge ForscherInnen, die sich in der Frauen- und Geschlechtergeschichte oder verwandten Disziplinen verankert sehen und miteinander arbeiten, diskutieren, planen und lachen möchten. Heute zählt „fernetzt“ 27 Vereinsmitglieder, die in den letzten Jahren eine Menge gemeinsam auf die Beine gestellt haben: die dann tatsächlich realisierte internationale Tagung, einen Schreibmarathon, Vernetzungstreffen, Projektvorstellungen, Filmabende, Sommerfeste und vieles mehr.

Tagung_bearbeitetUnsere größte Veranstaltung war bisher unsere erste internationale DissertantInnentagung „Un/diszipliniert? Methoden, Theorien und Positionen der Frauen- und Geschlechtergeschichte“, die im Februar 2012 an der Universität Wien stattfand. In diesem Jahr erscheint auch der Sammelband der Tagung – unsere erste gedruckte „fernetzt“- Publikation.

Grenzenlose Vernetzung

 Um die Vernetzung junger WissenschafterInnen auch über Uni- und Landesgrenzen hinaus zu intensivieren, gibt es seit Ende 2015 auf unserer Vereinsseite einen wissenschaftlichen Gemeinschaftsblog. Hier erscheinen alle 14 Tage Beiträge zu Forschungsprojekten, Rezensionen, Analysen gegenwärtiger Ereignisse aus geschlechterhistorischer Perspektive oder Vorstellungen von feministischen Initiativen. Ergänzt durch unseren offenen Mailverteiler mit über 100 AbonnentInnen, einen Twitter-Account sowie eine Facebook-Seite ist in den letzten Jahren aus dem kleinen Verein „fernetzt“ eine größere Community geworden, die NachwuchswissenschafterInnen in allen Stadien zusammenbringt.

Wie könnt ihr mitmachen?

 Wenn ihr neugierig geworden seid oder Lust bekommen habt, euch einzubringen: Wir freuen uns immer über neue Gesichter. Mitmachen  könnt ihr auf verschiedene Weise: Teilnehmen an Veranstaltungen, Blogbeiträge schreiben, mitgestalten im Verein oder Blog sowie eigene Forschungsthemen diskutieren. „fernetzt“ kann auch einen Rahmen bieten, eure langgehegten Projektideen aus dem Bereich der Frauen- und Geschlechtergeschichte in die Tat umzusetzen.

JungwissenschafterInnen aller Unis, vereinigt euch!

Uns ist durch „fernetzt“ im Lauf der fünf Jahre vor allem eines bewusst geworden: Zwar sind wir JungwissenschafterInnen auf viele Disziplinen verstreut, aber letztendlich sind wir doch alle mit ähnlichen Problemstellungen konfrontiert, die auch engagierte BetreuerInnen kaum abfedern können.

Deshalb können wir aus der eigenen Perspektive heraus nur allen Studierenden empfehlen: trefft euch, gründet Gruppen, Vereine etc., unterstützt euch gegenseitig und tauscht euch aus. Das macht nicht nur mehr Spaß, sondern hilft euch dabei, euren Weg durchs Studium und vielleicht sogar in die Wissenschaft zu finden. Denn der Konkurrenzdruck, der einer und einem begegnet, muss nicht sein. Ganz im Gegenteil, gemeinsame Wissenschaft ist möglich und vor allem eines: bereichernd.

P.S.: Eine Möglichkeit zum persönlichen Kennenlernen bietet sich gleich diese Woche an. Wenn ihr Lust habt, feiert mit uns unser Vereinsjubiläum beim Sommerbeisl am Donnerstag, 23.6., ab 19 Uhr im „Jetzt“ im 17. Bezirk.

Beitrag von: Alexia Bumbaris, Veronika Helfert, Jessica Richter, Brigitte Semanek und Marion Wittfeld



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