am 6. Juni 2016
ungefähr 5 Minuten
Themen: Auslandssemester , China , Studierende

Ein Semester im Reich der Mitte

Verena Loregger studiert am Institut für Ostasienwissenschaften/Sinologie und hat im Rahmen des Non-EU Student Exchange Program ein Semester an der Fudan University in Shanghai absolviert. Anlässlich des China-Tages (organisiert vom International Office) berichtet sie über Ihre Eindrücke während ihres Auslandssemesters in China:

Sehnsucht nach der Ferne

Die Autorin vor dem Ganghualou, dem Hauptgebäude der Fudan Universität
Verena vor dem Ganghualou,  Hauptgebäude der Fudan Universität

Der Entschluss ein Semester in China zu studieren fiel mir nicht schwer; ich hatte bereits zuvor einige Zeit im Reich der Mitte verbracht, wusste oder glaubte zu wissen, was mir bevorstand und sah es als Gelegenheit meine Sprachkenntnisse zu perfektionieren. Die Umsetzung bereitete mir größere Sorgen; ein Auslandssemester in China ist mit enormen Kosten verbunden, Kosten die ich alleine unmöglich hätte tragen können.

Als ich von der Existenz des Non-EU Exchange Programms erfuhr, witterte ich meine Chance auf erschwinglichem Weg zurück ins Land meiner Sehnsüchte zu gelangen. Da mein Chinesisch unter dem langen Fernbleiben von China gelitten hatte, wollte ich an einer Universität studieren, die mich sprachlich weitrbringen und mich vor Herausforderungen stellen würde. Schlussendlich entschied ich mich dafür nach Shanghai zu gehen, da ich bereits einige Sommer zuvor einen Sprachkurs an der Fudan Universität absolviert hatte und somit um die ausgezeichnete Qualität der angebotenen Kurse wusste.

 

 

 

 

Fudan Daxue

Die Fudan Universität, eine der renommiertesten Universitäten ganz Chinas, befindet sich im Norden der Stadt im Bezirk Yangpu. Vom höchsten Gebäude der Universität, dem Guanghualou, kann man sogar die Skyline Pudongs mit ihrem neuesten Wolkenkratzer (er wurde erst 2015 fertig gestellt) bestaunen. Obwohl Shanghai eine sehr moderne, in großem Maße verwestlichte Stadt ist, kann man in ihr auch das alte China finden.

Es versteckt sich in den Konversationen mit Einheimischen, die sich immer wieder gerne mit chinesisch-sprechenden Ausländern unterhalten, in den kleinen Restaurants neben der Straße, die ausgezeichnetes, traditionelles Essen anbieten und in einzigartigen, Jahrhunderte alten Bauwerken und Parks, die bis heute erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich sind. Shanghai ist ein guter Ausgangspunkt, um die ersten, zögerlichen Schritte in China zu tun, aber man wird sehr schnell auch die anderen Fassetten dieses riesigen Reiches kennenlernen wollen.

Unialltag in Shanghai mal anders

Mein Universitätsalltag in Shanghai gestaltet sich anders, als ich es von Wien gewohnt war. Im Gegensatz zur relativ freien Wahl des Semesterstundenplans an der Universität Wien wurden mir an der Fudan die Unterrichtsstunden und Inhalte zugeteilt. Das Programm, für welches ich mich entschieden hatte, bestand aus insgesamt sechs Lehrveranstaltungen mit wirtschaftlichem Schwerpunkt, unterrichtet in chinesischer Sprache. Zu Beginn bereitete es mir einige Schwierigkeiten dem Unterricht zu folgen, da ich mich erst an die Aussprache meiner Professoren und das verwendete, wirtschaftsspezifische Vokabular gewöhnen musste.

Im Verlauf meines Auslandssemesters änderte sich dieser Zustand jedoch merklich und zum Ende hin hatte ich kaum noch Probleme Anweisungen zu folgen oder Argumente zu formulieren.

Auch konnte ich mit einigen meiner Klassenkameraden Freundschaften schließen, die bis heute bestehen. Einen wesentlichen Beitrag hat hier ein gemeinsames Abendessen geleistet, das von der Universität gesponsert wurde. Auch die zahllosen, durchaus köstlichen Mittagessen, die ich in den Kantinen der Universität zu mir genommen habe, haben sich positiv auf mein Sozialleben ausgewirkt.

China ist anders!

Diese Tatsache ist in meinem Bewusstsein verankert seit ich das erste Mal Fuß in dieses gewaltige Land gesetzt habe. Als ich vor Jahren den Entschluss fasste chinesisch zu studieren, war mir nicht bewusst worauf ich mich da eigentlich einlassen würde. Ich hätte nie für möglich gehalten, dass mich dieses Land vom ersten Moment an in seinen Bann zieht und nicht wieder loslässt. Dieses Land, das Städte besitzt, welche die gesamte österreichische Bevölkerung beheimaten könnten, hat weit mehr zu bieten als billige Elektronikprodukte und fettiges Essen.

Es lässt einen sich selbst entdecken, seine eigenen Werte und Ideale hinterfragen und ermöglicht es, die Welt durch die Augen einer anderen Kultur zu sehen. Die Erfahrungen, die man im Reich der Mitte gesammelt hat, prägen einen für das ganze restliche Leben. Einmal dort, wird man nicht mehr als dieselbe Person zurückkommen, als die man aufgebrochen ist.

China-Tag an der Uni Wien

Am 13. Juni 2016 veranstaltet das International Office gemeinsam mit dem Konfuzius Institut einen „China-Tag“ an der Universität Wien. Bei dieser Veranstaltung können sich interessierte Studierende über die Möglichkeiten eines Auslandssemesters bzw. -jahrs an einer der chinesischen Partneruniversitäten informieren.
Außerdem werden Vorträge zu den Themen „Konfuzianismus“ und „Deutschsprachige Gegenwartsliteratur in China“ angeboten. Zu Mittag lädt das Konfuzius Institut zu einem kleinen chinesischen Buffet. Im Vorfeld der Veranstaltung ist im Gang vor der Bibliothek im Hauptgebäude die Fotoausstellung „Verfolgte China-WissenschafterInnen, 1933-1945“ zu sehen.

Programm zum China-Tag

Derzeit bestehen mit 6 Universitäten in China gesamtuniversitäre Abkommen. Das bedeutet, dass nicht nur Sinologie-Studierende, sondern Studierende der Universität Wien aus allen Fachrichtungen diese Austauschtauschplätze in China nutzen können. Mitarbeiterinnen des International Office informieren am China-Tag zu Bewerbungsablauf und Fristen.

Partneruniversitäten in China:

  • Chinese University of Hong Kong
  • City University of Hong Kong
  • China University of Political Science and Law, Peking
  • Renmin University of China, Peking
  • Nankai University, Tianjin
  • Fudan University, Shanghai



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