am 25. November 2015
ungefähr 3 Minuten
Themen: Bibliothek , Erfahrungen , Studierende

Elvis und ich in der Nationalbibliothek

Marion erzählt in Uni Wien Blog von einer lustig-peinlichen Situation.

Die Vorgeschichte

Donnerstag, 11 Uhr: Heute ist der letzte Tag der Deadline, um ein Paper zu meiner Dissertation abzuschicken. Perfekt, geht sich aus. Die letzten Tage Nachtschichten eingelegt, nun noch einmal gegenlesen und dann los. Doch halt, bei einer Fußnote lacht mich statt einer Seitenzahl nur ein freundliches „?“ an. Na super. Gibt es das Buch vielleicht schon online? Natürlich nicht.

Hilft nichts, muss ich noch einmal schnell in die ÖNB und die genaue Seitenzahl herausfinden. Ich gebe zu, meine Motivation war an dieser Stelle ähnlich gering wie meine Fähigkeit, Seitenzahlen ordentlich zu notieren.

Der Plan: Schnell hinein und schnell wieder heraus. Soweit, so gut. Tatsächlich ein freies Schließfach gefunden, das Drehkreuz elegant gemeistert, mit dem bestellten Buch mache ich mich auf in den Lesesaal. Obwohl er fast vollbesetzt ist, finde ich noch einen Platz.

Da ich, wie wir wissen, nur schnell eine Seitenzahl notieren wollte, hielt ich es für eine brillante Idee nicht etwa meinen Laptop mitzuschleppen, sondern die Ziffer einfach in mein Handy zu tippen. Vielleicht doch nicht die beste Idee, wie sich 5 Minuten später herausstellt.

Elvis‘ Auftritt

Denn als ich dann die entsprechende Stelle im Buch gefunden habe (S. 324, falls es wen interessiert) und mein Handy zücke, geht meine Musik an – in voller Lautstärke!

Elvis_Presley_Jailhouse_Rock… Return to sender, address unknown.
No such person, no such zone…

tönt es durch die altehrwürdigen Hallen der Bibliothek.

This time I’m gonna take it myself

And put it right in her hand.

And if it comes back the very next day…

Vor lauter Panik und hektischem Herumdrücken auf dem Display schafft es Elvis, uns sein Liebesleid über einige Zeilen zu klagen. Uff, okay, Musik ist aus. Stille. Sehr viel Stille. Ein kurzer Blick zur Sitznachbarin. Sie schmunzelt oder lacht nicht. Ich hingegen lache kurz. Nicht so laut wie Elvis´ eben erklang, nur ein wenig ob der Absurdität der Situation – und außerdem habe ich mal im Internet gelesen, man solle lachen, wenn einem ein Missgeschick passiert, das mache sympathisch. Scheint aber nicht so gut zu funktionieren. Ich habe irgendwie nicht das Gefühl, dass mich meine Lesesaal-Mitmenschen gerade besonders gerne mögen (komisch). Wenn die wüssten…

Es hätte nämlich noch viel schlimmer kommen können. Ich bin ehrlich erleichtert, dass mein Handy Elvis auswählte. Es hätten auch „I like to move it“ von Reel 2 Real, „F*** ihn doch“ von Alligatoah oder „Ich wär´so gern wie Du“, der Titelsong aus dem Disneyfilm „Das Dschungelbuch“, durch den Lesesaal hallen können (ja, ich bin für meinen exzellenten Musikgeschmack bekannt). Allein die Vorstellung… ein Traum.. Dementsprechend erleichtert verlasse ich kurze Zeit später die Bibliothek, bereichert nicht nur um eine Seitenzahl, sondern auch um die Erkenntnis, dass es nicht immer „Volltrottel“ sind, deren Handys in unpassenden Momenten losgehen. Vielleicht sind es auch einfach nur gestresste Menschen unter dem Druck einer bösen Deadline.


Und wie sieht’s bei euch aus? Ist euch einmal etwas Peinliches/Lustiges/Skurriles in der Bibliothek, in einem Seminar oder einer Vorlesung passiert?



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