Erfahrungen mit dem Erweiterungscurriculum Naturwissenschaftliches Denken

Quelle: Reinhold Bertlmann (lehrt im EC)

Erweiterungscurricula (EC) und ihre Lehrveranstaltungen sind Angebote für alle Studierenden, die sie im Studienplan nutzen können.  Eines davon ist das EC Naturwissenschaftliches Denken. Es soll den Studierenden aus anderen Disziplinen Einblicke und Verständnis für grundlegende Gebiete und Methoden der Naturwissenschaften bieten. 2015 wurde es erstmals innerhalb eines Semesters durchgeführt. Inzwischen hat sich das Format bewährt, wie auch aktuelle studentische Erfahrungen zeigen.

Vorweg: auch ohne einschlägige Vorkenntnisse sind Methoden, Forschungsbetrieb und ausgewählte Themen der Naturwissenschaften gut zugänglich, Wahlmöglichkeiten und kleinere praktische Teile sind enthalten. Das EC wird mit 15 ECTS-Punkten vollständig im Wintersemester, Montag und Dienstag nach 16 Uhr angeboten.

Damit sich alles gut ausgeht, findet die Vorbesprechung sehr früh im Semester statt: am Dienstag 3.10.2016 15:00, im Christian-Doppler-Hörsaal, 3.Stock am Standort in der Strudlhofgasse 4, anschließend findet die erste Lehrveranstaltung über Methoden statt.

Erfahrungsberichte von TeilnehmerInnen

Drin Ferizaj, Psychologiestudent

Foto: Drin Ferizaj, Psychologie

Foto: Drin Ferizaj

„Das EC Naturwissenschaftliches Denken war für mich eine enorme Bereicherung. Die verschiedenen Teile bieten den Studierenden unter anderem grundlegende Einblicke in Chemie, Evolution, Kosmologie und Wissenschaftsgeschichte. Es ist eine großartige Möglichkeit in kleinen Gruppen die Paradigmen des naturwissenschaftlichen Denkens kennenzulernen und kritisch zu überdenken.

Für mich als Psychologie-Studenten waren die Vorlesungsinhalte durch und durch verständlich, was vor allem an den motivierten Professoren lag, denen es vielfach gelang, die komplexesten Inhalte wie z.B. die Quantenmechanik für Fachfremde verständlich darzustellen. Die Inhalte werden vor allem durch die praktischen Teile multimodal erfahren und verarbeitet.  Diese Kombination aus Praxis und Theorie ist besonders attraktiv.  So trugen z.B. eigenständige Chemieversuche oder Präsentationen im Naturhistorischen Museum zur anschaulichen Vertiefung der Inhalte bei. Dabei entsteht auch unter den Studierenden eine sehr freundschaftliche und harmonische Dynamik, die einen auch ermutigt, seine Meinung in den Seminarteilen offen zu teilen und kritisch zu reflektieren.

In den Prüfungen kann man sich fern von Multiple-Choice Tests über gelernte Inhalte mit einem Professor austauschen. Die Prüfungsfragen wie auch der Lernaufwand sind äußerst fair gehalten.“

Linn Kogler, Kultur- und Sozialanthropologiestudentin

Foto: Linn Kogler, Kultur- und Sozialanthropologie

Foto: Linn Kogler

„Durch Zufall habe ich letzten Sommer beim Durchstöbern des Uni Wien Blogs das Angebot zum EC „Naturwissenschaftliches Denken“ entdeckt. Als Kultur- und Sozialanthropologin war mir sofort klar, dass das die perfekte Ergänzung für mich sein würde, um andere Blickwinkel und Perspektiven auf die Sozialwissenschaften weiter zu entwickeln, sozusagen das eigene Fach zu durchleuchten! Da ich schon ein geisteswissenschaftliches Studium absolviert habe, kam mir die Naturwissenschaft als Ergänzung zur Sozialwissenschaft nun gerade noch gelegen.

Das Angebot in diesem EC ist vielfältig, man kann Interessensschwerpunkte wählen und trifft stets auf Vortragende, die genau wissen, dass ein buntes Publikum mit unterschiedlichen Vorkenntnissen im Saal sitzt. Alle sind äußerst gut darauf eingegangen und haben einen perfekten Mittelweg gefunden: sehr viel Naturwissenschaft vermitteln, aber die Grenzen an möglicher Vermittlung erkennen. Die praktischen Elemente der Übungseinheiten waren extrem spannend. Ich war und bin begeistert, danke!“

Schrödingers Katze: besucht das EC jedes Jahr

Quelle: Reinhold Bertlmann (lehrt im EC)

Quelle: Reinhold Bertlmann (lehrt im EC)

„Gestatten, Schrödingers Katze. Solange meine Box mit dem Gift geschlossen ist, das mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit durch einen Teilchenzerfall freigesetzt wird und solange niemand hineinsieht, bin ich weder tot noch lebendig, also eine Überlagerung beider Zustände. Tot oder lebendig werde ich erst Moment des Öffnens der Box, eine Folge der Quantenphysik, total absurd! Spaßig für mich, dass ich darüber zum Nachdenken anrege, wann eine Übertragung von Eigenschaften von Teilchen mit kleinen Energien (Teilchenzerfall) auf Systeme aus vielen Teilchen (Katze) gelingt. Neugierig geworden? Mehr über mich im EC.“

Lisa Mennel, Studentin der Sprachwissenschaft

„Mir hat das EC wirklich sehr gut gefallen, da ich zuvor schon ein großes Interesse an Naturwissenschaften hatte, welches in meinem Studium nicht ausreichend abgedeckt wird. Durch die vielfältigen Themenblöcke habe ich einen guten Über- und Einblick in die Sicht- & Zugangsweisen der verschiedenen Disziplinen bekommen. Da natürlich nicht jedes Thema jede und jeden anspricht, können die oft dreistündigen Vorlesungen zum Teil etwas langwierig werden – jedoch kann ich von mir persönlich sagen, dass ich den Großteil der Themen wirklich sehr interessant gefunden habe. Vor allem die Übungen haben viel Spaß gemacht, da zum Beispiel die eigene Blutgruppe festzustellen oder Skelette zusammenzusetzen nicht unbedingt zum Alltag gehören. Auch werden einem neue Sichtweisen durch die Diskussion über gesellschaftsrelevante Themen eröffnet.

Es ist sehr deutlich, wie sehr die Lehrenden des ECs darum bemüht sind, dass es den Studierenden gefällt und es deshalb so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten. Im Vordergrund steht nicht die „bloße Übermittlung“ des Stoffes, sondern die verständliche und interessante Darlegung der einzelnen Themen. Im Rahmen des ECs hatte ich schon den ein oder anderen „wow“-Effekt, deshalb würde ich nicht zögern, es nochmal zu machen.“

Spukhafte Fernwirkung: besucht das EC jedes Jahr

Quelle: Reinhold Bertlmann (lehrt im EC)

Quelle: Reinhold Bertlmann (lehrt im EC)

„Gestatten, ich bin die Spukhafte Fernwirkung! Mich gibt es, weil Experimente gezeigt haben, dass das Ergebnis der Messung an einem Teilchen unter bestimmten Bedingungen das Messergebnis für ein davon weit entferntes Teilchen ohne jede Zeitverzögerung festlegt, genau das ist das Spukhafte daran. Albert Einstein hat vor langer Zeit in einem Gedankenexperiment behauptet, dass ich, die spukhafte Fernwirkung, völlig unmöglich und undenkbar bin. Es macht mir Spaß, dass man mich jetzt ernst nehmen muss und unbedingt wissen möchte, was es noch alles mit mir auf sich hat. Warum in der Zeichnung auf der Flasche Bell steht und was es mit den Socken auf sich hat, das wird im EC klar. Und nur allzu gern würde ich dem Albert Einstein die Zunge herausstrecken, weil ich doch nicht unmöglich bin!“

Regina Maria Jonach, History and Philosophy of Science (Master of Arts)

„Das Erweiterungscurriculum gibt Studierenden des Masterstudiengangs History and Philosophy of Science, die keine naturwissenschaftliche höhere Vorbildung haben, im Rahmen das Vertiefungsmoduls die Möglichkeit, einen näheren Einblick in Methoden, in historische und aktuelle Fragestellungen und ihre Vermittlung in den Naturwissenschaften zu erhalten. Für mich waren vor allem auch die vorgeführten oder selbst durchgeführten Experimente, bzw. die Laborbesuche sehr interessant und aufschlussreich.“

Erfahrungen des Koordinators

Viktor Gröger, Koordinator

Foto: Viktor Gröger, Koordinator

„Seit dem Wintersemester 2015 kann das erfolgreiche EC in einem Semester abgeschlossen werden, um studentischen Interessen besser zu genügen. Für diese Neuerung waren viel Arbeit und viele Diskussionen unter den Lehrenden nötig. Es freut mich sehr, dass die erhoffte starke Vermehrung der Abschlüsse eingetreten ist, die den Fortbestand sichert. Trotzdem haben wir noch immer so wenige Studierende und so engagierte Lehrende,  dass uns ein persönlicheres Klima gelingt als in den meisten Bakk-Studien. Jedenfalls könnten wir noch mehr Studierende mit Interesse am Thema brauchen.“

Weitere Informationen:

Vorbesprechung am Dienstag 3.10.2017 15:00 Christian-Doppler-HS, 3.Stock, Strudlhofgasse 4, 1090 Wien.

Registrierung im EC ab Juli auf U:SPACE, Anmeldungen zu den Lehrveranstaltungen erst nach der Vorbesprechung ebenfalls via U:SPACE

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