Half time Leadership an der UNI Wien – Ein (halbes) Coming back? am 15. April 2014
ungefähr 6 Minuten
Themen: Führungsposition , MitarbeiterInnen , Uni Wien

Half time Leadership an der UNI Wien – Ein (halbes) Coming back?

Nach dem Job ist vor dem Job – Startklar und Finaltrüb

Puh, jetzt bin ich wieder da! Schon einmal Führungskraft in der Univerwaltung gewesen, vieles gelernt (vor allem über mich selbst) und letztlich gesagt: Das wirklich nie wieder! Nun erwartet mich eine neue Arbeitsstelle, oder eigentlich erwarte ich sie: Wieder Führungskraft, wieder Budget, MitarbeiterInnen, wieder im Studienservicebereich… Aber diesmal Fakultät statt Hauptverwaltung, diesmal drei Tage die Woche, half statt full time.

Sicher kenne ich die Abläufe, weiß um die Menschen und die „besondere“ Unternehmenskultur dieses Soziotops Uni Wien. But that’s exactly the challenge. Gegangen bin ich damals, weil ich meinen Job liebe – die Studis, die Hochschulbildung mit ihren Macken – und unter diesen Bedingungen nicht guten Gewissens weiter machen konnte. Wollte nicht irgendwann abgestumpft Dienst nach Vorschrift absitzen, um mich selbst zu schützen. Mich nicht wie einer dieser Bürokraten in schlechten Beamtenwitzen eines Morgens vor dem Spiegel begrüßen.
Wie Heinrich V. suche ich am Abend vor der Schlacht meines ersten Arbeitstages meine Gedanken als treue Kampfgefährten auf, die sich in Minderzahl am Lagerfeuer der Zuversicht wärmen. Inkognito halte ich Zwiesprache mit mir, versuche herauszufinden, ob ich ja alles bedacht habe oder in die elterntypische Belehrungspfütze á la „Hätt‘ ich dir gleich sagen können!“ tapse. Ungeschminkte Gedanken kann ich mir wohl abschminken. Manche eifern „Mutig, aber wird sicher alles ganz anders als beim letzten Mal!“, andere entgegnen: „Gleiche KöchInnen in der gleichen Küche bedeutet gleiches Essen, egal auf welchen Tellern serviert!“ Ich glaube, meine Gedanken haben Shakespeares König erkannt, nur die nicht, die leise im Schutze der kalten Dunkelheit wispern, wo ich sie verschwommen sehen, doch nicht hören kann.

 

Rene 1Angst vor Flashbacks – Und da kommt schon der erste!

Jetzt bin ich wieder da, bin willkommen geheißen worden, habe fähige KollegenInnen, eine sehr nette Vorgesetzte und motivierte MitarbeiterInnen. Insofern passt eh alles. Fast…

Weder Übergabe noch vollständige Einarbeitung. Damals wie heute, Zufall? Ich tröste mich damit, dass niemand was dafür kann und konnte, dass mein/e AmtsvorgängerIn eben nicht mehr da ist und war. Ich tröste mich damit, dass sich auf Unbekanntes einzustellen, auch bei fehlenden Infos Entscheidungen zu treffen und zu improvisieren zum Profil einer jeden Führungskraft gehört. Ich tröste mich damit, dass ich ja nicht „frischg’fangt“ daherkomm‘ sondern einen Erfahrungs- und Wissensvorsprung habe, mehr als z.B. jemand von außen. Ich tröste mich… Aber wenn es o.k. wäre, warum bedarf es dann überhaupt eines Trostes?
„Kennst dich ja eh aus!“, sagt niemand, aber scheine ich in den Augen Vieler abzulesen, wie in einem dieser angeblich „selbsterklärenden“ Leitfäden für SAP-Neuerungen oder i3v-Schulungen, an denen ich regelmäßig verzweifle. Ein Kasten voll ungeordnetem Zettelwust und ein kurzer Übergabeauszug begrüßen mich oben im NIG. Ausgestreckte Hände sollte man nie ausschlagen, selbst wenn sie zittern nicht.

Zeitmanagement – Nur was für Schwache?

Jetzt bin ich wieder da, halbtags ausverhandelt auf nur drei fixe Tage, um daneben meine neu gegründete Firma weiterführen zu können. Der Plan ist gut, mit allen besprochen, an der Fakultät, in meiner Firma, den MitarbeiterInnen und KollegInnen kommuniziert. Trotzdem landen Emails und Dokumente bei mir donnerstagsabends (mein letzter Wochentag), wohlwissend, dass sie frühestens dienstags gelesen werden sollten (mein erster Wochentag). „Es braucht Zeit, dass sich das einpendelt!“, muntere ich mich auf und glaube mir nicht.

Ich fühle mich oft anti-kollegial, wenn Besprechungstermine fixiert werden wollen und ich meist nicht kann und um Verlegung bitte, weil ich nicht dauernd an meinen „Firmentagen“ reinspringen mag. „So oder so ähnlich muss es alleinerziehenden Elternpaaren gehen!“, schäme ich mich ein bisschen, da ich erst jetzt begreife, dass es oft gar nicht auf die Terminfindung ankommt, die bei verständnisvollen KollegInnen und Vorgesetzten klappen sollte und auch in meinem Fall meist klappt. Es ist die Rechtfertigungsposition, die Bremser-Attitüde, die Verkomplizierungsunterstellung, die ständig mitschwingt und mich traurig macht. Selbst Schuld? Klar, wenn man unbedingt zwei Jobs haben will…

Noch schlimmer: Ich passe mich sukzessive an, ohne es zu überzuckern. Lese freitagsmorgens Uni-Emails wie selbstverständlich, beantworte diese oft sogar und fühle mich danach …schlecht. Als Trainer der Erwachsenenbildung probiere ich schon die Tools an mir aus, die ich sonst in meiner Firma unterrichte, gebe meinem Fehlverhalten einen bewusst ekligen Namen, um es zu versinnbildlichen, schneller zu erkennen und ihm mental zuzurufen „Verschwinde! Du bist heut‘ nicht erwünscht!“. Aber schneidet ein Friseur sich selbst die Haare, amputiert sich eine Chirurgin das eigene Bein?

 

Rene 2Generation Why – Über Mythos und Logos

Jetzt bin ich wieder da, aber nicht drei Tage hier und die anderen dort, sondern stets multidimensional im Geiste. „Work-Life-Balance ist Kinderkram!“, schreie ich vom Siegerpodest herab, dass ich fast täglich neu erklimmen muss, nein: will. Mit jeder gewonnen Medaille um den Hals wird es mühsamer, zieht das klappernde Gold nach unten und schnürt den Atem ab. Statt Job und Freizeit gescheit abzugrenzen, habe ich zwei Jobs, Partnerschaft und Freunde, viele Freizeiten, publiziere, tue und mache… Und ich bin nicht allein: Wir werden täglich mehr. Die Generation der Digital Natives lässt den Raumbezug im modrigen Cybernet versumpfen, verbindet Sicherheitsdenken mit Selbstverwirklichung, stellt Ansprüche – Vor allem an sich selbst! Ich alter Sack fühle mich jetzt wieder ein bisschen jung…

„Der Multitasking-Mythos ist längst widerlegt“, komme ich sinnierend mit vielen To-Dos aus einem Meeting und bereite mich schon aufs nächste vor. Wenn ich immer rational darüber nachdächte, wie ich hier – halbtags, aber rund um die Uhr – für meine Studis und MitarbeiterInnen da sein will, würde ich vermutlich depressiv. Wie mit Stofftieren hantiere ich herum, kann nicht alle gleichzeitig knuddeln. „Keine halben Sachen!“, versucht der Volksmund mich auf die Wange zu küssen, als wäre ich ein naiv-lächelndes Mädel mit Zahnlücke und Zöpfen. Trotzig drehe ich mich weg von der Schmatzschnute, ab der alte Zopf! Plan B – Wozu?

Jetzt bin ich wieder da… Und das ist, was ich will!



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Mein Stipendium für die Sommerhochschule in Strobl

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