Heinrich, Student der Urgeschichte, auf Exkursion

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Frühjahr 1939

Abgegriffener lederner Einband, Etiketten mit Angaben zum Semester. Heinrich blättert hingebungsvoll in einem seiner Notizbücher. Sie wurden ihm zu seinem ständigen Begleiter in all den Jahren, die er – nun schon 24jährig – fleißig an der Universität Wien Urgeschichte studiert. Die Führung einer solchen Mitschrift in Form eines eigenen Heftes war den Studierenden dieses Faches von ihren Lehrern immer wieder nahegelegt worden. Anfänglich sah Heinrich darin eine eher entbehrliche Pflicht, aber im Laufe des Studiums erwies sich das Aufschreiben mehr und mehr als kostbare Grundlage seines Wissenserwerbs, besonders während der Exkursionen. Denn während solcher archäologischer Erfahrungen „im Feld“ war am meisten für das eigene Wissen zu profitieren, wenn der Professor direkt an den Fundorten dozierte.

Skizzen, Fachbegriffe, Thesen. Heinrich liebt seine außen wenig adretten, fast schmuddelig wirkenden Notizbücher, auf die er immer wieder gerne zurückgreift. Auch die Vorlesungen selbst finden schließlich Eingang in diese Büchlein, etwa jene über „Die Latènezeit“ und die „Haustiere und Kulturpflanzen der Vorzeit“, die er bei  Professor Oswald Menghin Professor Oswald Menghin Oswald Menghin (19.4.1888–29.11.1973), Prähistoriker, Unterrichtsminister unter Arthur Seyß-Inquart im sog. „Anschlusskabinett“ von März bis Mai 1938, s. http://www.deutsche-biographie.de/sfz61672.html. hört. Dieser Professor ist eine außerordentliche Figur, früher war er sogar Unterrichtsminister im Kabinett Seyß-Inquart Kabinett Seyß-Inquart Siehe O. H. URBAN, Kabinett Seyß-Inquart, http://sciencev1.orf.at/science/urban/7901. . Besonderen Gewinn zieht Heinrich aus der speziellen Lehrveranstaltung „Referate und Diskussionen für Fortgeschrittene“, wie sein Notizbuch belegt. Bei der Durchsicht seiner ihm lieb gewordenen in Leder gebundenen Notizbücher, die ihm als Gedächtnisstütze dienen, stößt er auf „Die Hallstattzeit“, die er bereits am Anfang seines Doktoratsstudiums im Studienjahr 1936/37 belegt hatte, als sich Professor Menghin nach seinem Rektorat wieder verstärkt seiner Lehrtätigkeit widmete.

Heinrichs Notizen dokumentieren seine persönlich-fachliche Entwicklung, auf die er stolz zurückblickt, aber gleichzeitig stellen sich bei ihm angesichts des politischen Umbruches Zweifel ein, wie es wohl zukünftig weitergehen wird. Wird er es verkraften, sich diesem ideologischen Zwang zu unterwerfen?

Heinrich hat die politischen und organisatorischen Veränderungen zunächst mit großer Skepsis verfolgt, jenen Umschwung, den manche mit großer Begeisterung als ersehnten „Anschluss“, andere, wie er, wohl auch eher mit Unbehagen beobachtet haben. Mühsam ist es jedenfalls geworden, denkt er sich. Studenten sind nun verpflichtet, nicht nur einen Meldeschein abzugeben und beim Betreten des Institutes einen Zulassungsschein vorzuweisen, sondern auch einen Abstammungsnachweis zu erbringen! Auch die Organisation des Studiums hat sich geändert: Die bisherige Studienordnung ist an die reichsdeutsche Studienordnung angepasst worden. Wohl hat Heinrich nichts gegen freie Tage einzuwenden, aber diese politisch so stark zu instrumentalisieren, dagegen hat er als Katholik eine abgrundtiefe Abneigung, denn es gibt neue Fest- bzw. Gedenktage, wie den Tag der Rückkehr ins Reich, den Geburtstag des Führers, die Langemarck- und 1. Mai-Feiern.

Abb. 1

Abb. 1:
Urgeschichtliches Institut der Universität Wien. Studiensammlung 1913–1942/45: Detail aus dem Hallstattzimmer (nach: Urania. Wochenschrift für Volksbildung VI. Jahrgang, Nr. 37 [1913], S. 603, Abb. 4)

Viele seiner ehemaligen Mitschüler sind im vergangenen Jahr aus ihren Wohnungen umgesiedelt oder gar vertrieben worden. Einige haben Wien verlassen. Das stimmt Heinrich doch traurig. Auch die am 17. Mai durchgeführte Volkszählung, die erstmals nicht nur die Konfession, sondern entsprechend den Nürnberger Rassengesetzen auch die Abstammung bezüglich der jüdischen Bevölkerung abgefragt hat, gibt ihm zu denken.

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Kommentare

  1. | gryphus

    ich frage mich bei so einem stück „geschichte“ tatsächlich, ob der intendierte effekt nicht vielleicht unter der lawine an offenkundiger romantik, betreffend eine bestimmte zeit, untergeht, und vielleicht nicht auch den gegenteiligen effekt erzielt. wer es nämlich hinbekommt, so eine aussage (zitat: „Viele seiner ehemaligen Mitschüler sind im vergangenen Jahr aus ihren Wohnungen umgesiedelt oder gar vertrieben worden. Einige haben Wien verlassen. Das stimmt Heinrich doch traurig.“) ruhigen gemüts ohne erklärende ausführung durch zu winken, dem/der sollte tatsächlich etwas genauer auf die finger geschaut werden. denn so ein faux-pas ist gerade bei der selbstfeierung einer universität als „cool“ und „fortschrittlich“ nicht nur fehl am platz, sondern offenkundig zum weinen. und wer jetzt auf den ironischen charakter dieser „fiktion“ hinweisen will, den verweise ich im selben atemzug auf den begriff der postironie. auch satire affirmiert letzten endes doch nur den parodierten sachverhalt.

    mit unkollegialen und angesichts dieser unbedachtheit ungläubigen grüßen.

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  2. | Wolfgang

    Dieser Professor ist eine außerordentliche Figur, früher war er [b]sogar[/b] Unterrichtsminister im Kabinett Seyß-Inquart.

    Wird er es verkraften, sich diesem ideologischen Zwang zu unterwerfen?

    Heinrich hat die politischen und organisatorischen Veränderungen [b]zunächst[/b] mit großer Skepsis verfolgt,…

    Mühsam ist es jedenfalls geworden,… [so wie heute?]

    Viele seiner ehemaligen Mitschüler sind im vergangenen Jahr aus ihren Wohnungen umgesiedelt oder gar vertrieben worden. Einige haben Wien verlassen. Das stimmt Heinrich [b]doch[/b] traurig.

    Heinrich verwirft seine Zweifel, er will sich dazu nicht kritisch äußern, denn eine klare ideologische Anpassung ist nicht nur von Vorteil, sondern sogar erforderlich, wenn man wie er fachlich weiterkommen will. [fachlich oder karrieristisch?]

    Es stellt sich die Frage: Soll für diese Zeit jene gleiche plätschernde Erzählung gespickt mit flapsigen Formulierungen verwendet werden, wie dies in „früheren“ Jahrhunderten tatsächlich ein Bild zu malen im Stande ist oder wäre andererseits nicht eher ein starker Quellenbezug nötig und auch möglich? Das in historisch-wissenschaftlichen Texten ebendas geleistet werden kann ist, zugegebenermaßen in der deutschsprachig-gelehrigen Welt nicht weit verbreitet, stellt aber zum Beispiel Natalie Zemon Davis unter Beweis.

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  3. | Otto Urban

    die beanstandenden Saetze sind bei der Bearbeitung hinzugefügt worden, ebenso wie das in Leder gebundene Tagebuecher. Es gab meines Wissens keine juedischen Studierende in diesen Jahren in Wien in der Urgeschichte und ich kenne auch keinen Praehistoriker der ein in Leder gebundenesTagebuch fuehrt. Nachdem allerdings die Geschichte eine reine Fiktion sein sollte wurden die Ergaenzungen auch von mir gut geheißen.

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    1. | Bertrand Perz

      Sehr geehrter Herr Kollege Urban,
      ich möchte Ihnen aus Sicht meiner zeitgeschichtlichen Forschungen einen Kommentar zu Ihrem gemeinsam mit Herrn Stuppner verfassten Uni-Fiction-Beitrag „Heinrich, Student der Urgeschichte, auf Exkursion“ übermitteln. Mir ist das ein besonderes Anliegen, weil ich Ihre vielfältigen Ausführungen zur Involvierung Ihres Instituts bzw. von damals führenden Personen Ihres Instituts in den Nationalsozialismus immer sehr geschätzt habe.
      Wenn ich es richtig verstehe, geht es in dieser Beitragsserie durch die Jahrhunderte darum, Studierenden von heute das Studium im jeweiligen historischen Kontext näherzubringen. Mir scheint das in Ihrem Beitrag leider nicht gelungen zu sein.
      Nehmen wir durchschnittliche Studierende, die weder das nationalsozialistische Kabinett Seyß-Inquart noch Oswald Menghin wirklich einzuordnen wissen: was könnten diese beim Lesen Ihres Beitrages mitnehmen? Die Hauptbotschaft ist doch jene, dass eine Exkursion in dieser Zeit unter der Leitung eines Professor Menghin (der interessanterweise auch einmal das Amt eines Ministers bekleidete und froh ist, sich nun wieder seinen Forschungen widmen zu können) etwas war, wo man sehr viel lernen konnte, gemütlich und leutselig war der Professor und seine Kollegen auch noch, der Betreuungsschlüssel scheint toll gewesen zu sein (entspricht heute wohl eher der ETH Zürich als unseren Massenfächern, da könnten heutige Studierende schon neidig werden). Ja, es gibt ein paar irritierende Sätze, etwa dass viele Studierende nicht mehr da waren, was den Studenten „Heinrich“ auch „traurig“ stimmte, und ja, „Heinrich“ war auch nicht mit allen ideologischen Positionen des „linientreuen“ Menghins einverstanden.
      Ich gehe davon aus, dass Sie den Studierenden „Heinrich“ durchaus realitätsnah beschrieben haben, und es ist wohl auch richtig, dass ein nichtjüdischer Student in der von den Nationalsozialisten aus ideologischen Gründen geförderten Ur- und Frühgeschichte sehr gute Studienbedingungen vorfand, aber ist das alles, was wir unseren heutigen Studierenden über diese Zeit vermitteln wollen? Und ist das alles, was an Beschreibung von Menghin aus dem Beitrag mitgenommen werden soll?
      Um zu verdeutlichen, wo ich die größten Probleme sehe, möchte ich eine paar Zitate bezüglich der Tätigkeit von Menghin anführen, die sich auf die Ausgrabungen beim KZ Gusen zwischen 1940 und 1942 beziehen, jenem Lager in dem bis 1945 an die 35.OOO Personen umgekommen sind, Ihnen ist diese Geschichte bekannt:
      „Bei den Bauvorhaben des KLM Gusen sind in den Jahren 1940-42 an verschiedenen Stellen prähistorische Funde gemacht worden (…) Der Kommandant des KLM-Gusen, SS-Obersturmführer Ziereis, beauftragte mich mit der Durchführung der Ausgrabungen. Maßgebende Professoren der Wiener Universität, Dr. Oswald Menghin, Dr. Rudolf Egger und Dr. Camillo Praschniker waren mir bei meinen Ausgrabungen behilflich. Der erstere war mehrmals am Ort, um die Ausgrabungen zu besuchen und mich dabei zu beraten.“
      Diese Zeilen stammen aus einem Geleitwort des Lagerführers des KZ Gusen, Karl Chmielewski, einem auch unter den Lagerführern durch besondere Grausamkeit hervorstechenden SS-Führer, der das Ziel der Vernichtung polnischer Intellektueller und republikanischer Spanier bis zu seiner Versetzung in das KZ Herzogenbusch im Herbst 1942 konsequent verfolgte. Chmielewski wurde bekanntlich in der Bundesrepublik Deutschland wegen hundertfacher direkt ihm zugeordneter Morde zu lebenslanger Haft verurteilt.
      Die zitierten Zeilen wurden für einen Band über die „Ausgrabungen in der Umgebung des KLM-Gusen (Oberdonau)“ geschrieben, der in aufwendiger und umfangreicher Form die mit KZ-Häftlingen durchgeführten Grabungen dokumentierte und der Reichsführer-SS Heinrich Himmler zu Jahreswende 1942 als Geschenk überreicht werden sollte.
      Die zweitseitige Einleitung zu diesem Geschenkband verfasste Oswald Menghin, der darin nicht nur die „im Verlaufe der Bauarbeiten des K.L. Gusen“ entdeckten vor- und frühgeschichtlichen Funde als Überraschung qualifizierte, sondern auch konkrete Vorschläge für die Ausstellung der Funde machte. So sollte, „das Fundmaterial in Form eines Heimatmuseums ausgestellt werden, um vor allem in der Jugend die Liebe zum angestammten Boden, der uns die Geschichte der Altvorderen so treulich erhält, zu wecken und zu fördern. Es würde so, aus einer SS-Gemeinschaft heraus, ein vorbildliches geistiges Werk für das Landvolk entstehen.“
      Menghin erwärmte sich hier aber nicht nur für die „SS-Gemeinschaft'“, er war, wie sich feststellen lässt, nicht nur der Autor der Einleitung des Himmler-Geschenkbandes. Nachdem Lagerführer Karl Chmielewski offensichtlich nicht in der Lage war, ein angemessenes Geleitwort zu verfassen, schrieb Menghin auch gleich für den Lagerführer die entsprechenden Sätze und stellte sicher, wie das eingangs erwähnte Zitat zeigt, dass ihm und seinen Wiener Professorenkollegen auch ausreichend gedankt wurde.
      Wenn wir schon bei fiktiven Studierenden sind: die naheliegende Frage wäre dann doch, ob der Student „Heinrich“ seinen Professor Menghin auch bei seinen Besuchen im KZ Gusen begleitet hat und nicht nur ins Weinviertel? Die Darstellung von Menghin fällt in Ihrem Beitrag hinter den zeitgeschichtlichen Kenntnisstand zu seiner Person zurück, den Sie ja selbst mit vorangebracht haben.
      Vielleicht verdeutlicht dieses Beispiel, dass der Versuch, realitätsnah das Studierendenleben Ende der 1930er Jahre zu beschreiben, so nicht funktioniert. Die Dekontextualisierung, die nicht zuletzt aus der Erzählperspektive des fiktiven Studierenden resultiert, hat verharmlosende Effekte in Bezug auf den Nationalsozialismus und das ist ja nun in keiner Weise Ihre Intention.
      Mit besten Grüßen
      Bertrand Perz

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      1. | Otto Urban

        In dieser Reihe sollte die Situation der Studierenden in verschiedenen Zeitabschnitten der Universität Wien in einzelnen Studienrichtungen dargestellt werden. Das Frühjahr 1939 wurde bewusst gewählt, weil einerseits der Anschluss bereits vollzogen war, anderseits der 2. Weltkrieg noch nicht begonnen hat.

        Fragen des KZ Gusen stellten sich daher 1939 nicht. „Wenn wir schon bei fiktiven Studierenden sind: die naheliegende Frage wäre dann doch, ob der Student „Heinrich“ seinen Professor Menghin auch bei seinen Besuchen im KZ Gusen begleitet hat und nicht nur ins Weinviertel?“ erscheint daher, wenn es nicht um so eine ernsthaftes Thema wie KZ ginge, polemisch. Eine Studentenexkursion in ein KZ hat es meines Wissens (zumindest in unserem Fach von unserer Universität) in der NS-Zeit nie gegeben. Die Grabungen in Gusen wurden von der SS unter Leitung von K. Willvonseder durchgeführt, der damals auch die entsprechende Abteilung im – heute würden wir sagen – Bundesdenkmalamt inne gehabt hat. Menghin war, soweit ich weiß, 3 x zu Besuch auf der Grabung und wurde gebeten oder wohl besser gesagt hat sich angeboten, die entsprechenden Vorworte zu schreiben. Die Grabungen wurden nicht von der Universität Wien durchgeführt. Vgl. http://sciencev1.orf.at/urban/110197.html

        „Die Darstellung von Menghin fällt in Ihrem Beitrag hinter den zeitgeschichtlichen Kenntnisstand zu seiner Person zurück, den Sie ja selbst mit vorangebracht haben“ kann ich nur bestätigen, sie war aber auch nicht das Ziel dieser Reihe – es geht nicht um die Professoren, sondern um Studierenden und wie sie das Studium erlebten. Daher auch die Ausführungen zu den verwendeten Lehrbehelfen (Lichtbilder, Studiensammlung) und Lehrveranstaltungstypen (Vorlesungen, Exkursionen, Praktika.

        Zu den mit recht von den Kommentatoren beanstandenden Sätze siehe erstes Kommentar. Für die geplante Drucklegung werden sie gestrichen – sie spiegeln wohl ein Wunschdenken der heutigen Zeit wider, wie sich denn die Studierenden nach dem Anschluss verhalten haben können (eine Fiktion des Jahres 2014, nicht des Jahres 1939). Hier fällt mir das bekannte Golo Mann Zitat ein, das so mache Studie mehr über die Zeit aussagt, in der sie geschrieben wird, als über jene Zeit, welche sie beschreibt.

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    2. | Herbert

      Hier gibt es absolut nichts „gutzuheißen“! Schon nach der Lektüre der englischsprachigen Ausgabe der Wikipedia en.wikipedia.org zu Oswald Menghin dürfte die wahre Sachlage wohl jedem auch nur einigermaßen Gebildeten klar sein – daher sei diese auf der angeführten Webseite zu findende (auch persönlich-politische) Biographie wiedergegeben:

      Menghin was born in Meran, Tyrol. He qualified for inauguration as an academic lecturer in 1913, for his work Urgeschichte des Menschen (The Proto-History of Mankind). After the death of Moritz Hoernes he emerged as university professor of the Protohistorical Institute of the University of Vienna from 1917 until 1945, and furthermore he was from 1930 to 1933 professor at the University of Cairo.

      From 1919 to 1926 Menghin was a member of Secret Nazi Society Deutsche Gemeinschaft (the German Fellowship), in which he got to know Arthur Seyß-Inquart.

      In 1932 he participated in the First International Congress of Prehistoric and Protohistoric Sciences in London in 1932 with Hugo Obermaier and others. In 1934 he published Geist und Blut.

      For the academic year of 1935/36 he was appointed Rector of the University of Vienna. After numerous unsuccessful attempts there followed in 1936 his election as a regular Member of the Austrian Academy of Sciences. From July 1936 to June 1937 he was a member of the governing council of the Viennese National (Vaterländische) Front.

      On 11 March 1938 he became Education Minister in the so-called Anschluss-Cabinet of Seyß-Inquart. During his term with the Party down to the end of May, there occurred not only the decree of the Anschluss itself, but also the so-called „Cleansing“ of the University of Vienna. This meant that a fixed ratio of 2% was brought in for Jewish students, and about 40% of the teaching body were dismissed on account of „jewish origins“ proportionately on „political grounds“. In August 1938 Menghin went back to the University of Vienna.

      In Catholic circles he was considered a traitor from March 1938 onwards, and was discharged (excluded) from his Cartellverband (Catholic Union-group), the Rudolfina Wien (which like all Catholic unions had been banned), at a formal underground meeting held on 12 November 1938.

      After the War he was included, as a member of the Seyß-Inquart regime, on the primary list of war criminals. He was however not indicted, but came to an American internment camp, where he made statements. 1948 was the year in which he went over to Argentina, where he became University Professor in Buenos Aires, and from 1957 also at the University of La Plata. Proceedings against him were dropped in 1956. In 1959 he became a corresponding member of the Austrian Academy of Sciences. He died, aged 85, on 29 November 1973 in Buenos Aires in Argentina.

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  4. | freya

    Sehr geehrter Herr Professor Urban!
    Es gehört schon einiges an Engstirnigkeit dazu, die Kommilitonen des fiktiven Studenten nur in den Reihen der Urgeschichte zu suchen. Falls es stimmt, dass es 1939 keine jüdischen Studierenden in diesem Fach gab, ist unbestritten, dass man einander jedenfalls beim Philosophicum begegnete. Alle, die das Doktorat der Philosophie anstrebten, mussten gemäß der Rigorosenordnung von 1899 eine Lehreinheit über die Grundlagen der Wissenschaftstheorie unter dem Titel Philosophicum kolloquieren. Erst mit der Einführung des Magisterstudiums seit den 1980er Jahren wurde das Philosophicum an der Universität Wien ersatzlos gestrichen. Der fiktive Heinrich war also gewiss außerhalb des faschistischen Ambientes seines engeren Studiums auf Mitstudierende getroffen, die „… aus ihren Wohnungen umgesiedelt oder gar vertrieben worden. Einige haben Wien verlassen.“ Mit oder ohne in Leder eingebundenes Forschungstagebuch — das tut weiter nichts zur Sache.

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    1. | Otto Urban

      Zur Ablegung der beiden Rigorosen war die Absolvierung zweier Lehrveranstaltungen Voraussetzung. In meiner Studienzeit standen dafür Skripten zur Verfügung und es bestand daher kaum die Möglichkeit/Notwendigkeit Kommilitonen aus dem Studienfach Philosopie kennenzulernen. Aber natürlich kann ich nicht ausschließen, dass die Studierenden der Urgeschichte im Rahmen ihrer Nebenfächer (Germanistik, Völkerkunde) auch das Fehlen jüdischer Studierender und Lehrender bedacht haben. Ich persönlich befürchte allerdings, dass dies mehr einem Wunschdenken heute entspricht, als 1939. „Der fiktive Heinrich war also gewiss außerhalb des faschistischen Ambientes seines engeren Studiums auf Mitstudierende getroffen, die „… aus ihren Wohnungen umgesiedelt oder gar vertrieben worden. Einige haben Wien verlassen.“ Ob der „fiktive Heinrich … gewiss“ etwas gemacht hat oder nicht, möchte ich wirklich diskutieren – für die Drucklegung ist dieser Satz ersatzlos gestrichen worden und zuletzt, das in primo loco stehende „Leder gebundene Forschungstagebuch“ ist natürlich nicht wesentlich und wurde daher auch nicht gestrichen.

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      1. | Otto Urban

        Tippfehler: „Ob der fiktive Heinrich … gewiss etwas gemacht hat oder nicht,“ muss natürlich heißen „möchte ich nicht (sic!) wirklich diskutieren.“ Sorry

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  5. | Herbert

    Im „Personenlexikon zur Österreichischen Denkmalpflege“, einer offiziellen Publikation des Österreichischen Bundesdenkmalamtes aus dem Jahr 2001 (erschienen im Verlag Berger, Horn, ISBN 3-85028-344-5), steht über den Prähistoriker Dr. iur (!) Oswald MENGHIN, geboren 1888 in Meran und gestorben 1973 in Buenos Aires (warum wohl dort?) eindeutig nachzulesen, dass er „zu den akademischen Wegbereitern des Nationalsozialismus zählte.“ Dies sollte wohl auch nicht in diesem offiziellen Blog der Universität Wien in ihrem 650. Jubiläumsjahr verschwiegen werden!
    Mein schon vor etlichen Tagen abgeschickter erster Kommentar mit weiteren Literaturhinweisen zu diesem Thema wurde, wie ich nun sehe, nicht einmal freigeschaltet.

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