Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne am 18. September 2014
ungefähr 5 Minuten
Themen: AbsolventInnen , Semesterstart , Studium

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne

Absolventin Manuela hat sich unserem Aufruf angeschlossen und sich ein paar Gedanken zu ihren ersten Wochen und Monaten an der Uni Wien gemacht.

Der 1. Oktober 2007 war ein warmer, sonniger Montag. Obwohl meine allererste Lehrveranstaltung an der Universität Wien erst am Freitag begann, trieb ich mich bereits an diesem ersten offiziellen Tag vor dem Hauptgebäude herum – ich konnte es kaum erwarten, bis es endlich losging! Schon als ich mit der Rolltreppe beim Schottentor heraufkam, ging der Trubel los: Ich schritt langsam durch diese bunte Menschenansammlung, sah Freunde, die sich einige Zeit nicht gesehen hatten, sah geschäftstüchtige Studierende, die anderen ein Bankkonto oder ein Zeitungsabo verkaufen wollten, sah einen bärtigen Mann, der mit einer Gitarre Musik machte, sah erfahrene Studierende mit Büchern in den Händen, sowie auch einige staunende, suchende Augenpaare. Und mittendrin Flugblätter, Gutscheine, Zeitungen und die ersten fallenden Blätter. Es war laut, chaotisch und roch durch die überall herumwirbelnden druckfrischen Papiere wie der Moment, in dem man ein neues Buch aufschlägt. Als ich an der Rampe zum Haupteingang angekommen war, verfügte ich wie durch Zauberhand über die aktuelle Ausgabe des Standards und der Salzburger Nachrichten, zudem hatte ich eine Dose Red Bull, eine Dose Kaffee sowie eine Umhängetasche der Raiffeisenbank gefüllt mit Angeboten, Kugelschreiber und Zuckerln in den Händen.

Dass ich nach der Matura nach Wien ziehen und dort studieren würde, war mir seit mehreren Jahren klar gewesen. Im August hatte ich mich immatrikuliert, im September war ich umgezogen und nun startete dieser völlig neue Lebensabschnitt tatsächlich. Da ich in meiner doch recht großen Familie die/der erste Student/in war, kannte ich zu diesem Zeitpunkt überhaupt niemanden in Wien und auch niemanden, der mir bei Fragen helfen konnte. Weder von meiner Maturaklasse, noch von meinem Freundeskreis war jemand nach Wien gezogen. Bei der Immatrikulation hatte mich eine ehemalige Lehrerin begleitet. Der einzige Fixpunkt in dieser Zeit war mein Freund, mit dem ich zwar die Wohnung am westlichen Stadtrand teilte, der jedoch neben seinem 40 Stunden-Job an einer FH studierte und den ich somit nur selten vor 21:45 Uhr zu Gesicht bekam. Unklarheiten zum Studienanfang konnte aber auch er mir nicht beantworten, da es an (s)einer FH gänzlich anders zuging. Die ersten Wochen waren daher einerseits von großer Vorfreude geprägt, andererseits wusste ich nicht wohin mit all meinen Fragen

In meinem gewünschten Sprachkurs hatte ich keinen Platz bekommen – gab es noch eine Möglichkeit, doch noch irgendwie hineinzukommen? Würde ich tatsächlich ein ganzes Semester verlieren, falls nicht? Was würde das dann für die anderen Lehrveranstaltungen und die Familienbeihilfe bedeuten? Muss man sich tatsächlich all die Bücher kaufen, die im Vorlesungsverzeichnis angeführt sind und wenn ja, wie sollte ich mir das leisten? Sollte ich mich schon irgendwie vorbereiten bzw. das eine oder andere Buch gelesen haben? Was wurde konkret vorausgesetzt? Die zahlreichen Internetforen konnten meine Fragen nur unzureichend beantworten und so blieb mir nichts anderes übrig, als abzuwarten.

Die erste Vorlesung, von der ich mir zumindest teilweise Aufklärung erhoffte, fand am Freitag, dem 5. Oktober 2007, um 14:45 Uhr statt. Ausgestattet mit einem dicken Block saß ich da und begann, alles mitzuschreiben, was die Professorin sagte, doch schon nach rund 15 Minuten musste ich erschüttert aufgeben – mitzuschreiben war ob der Geschwindigkeit, mit der die Vortragende ihr Skriptum vorlas, nicht möglich, außerdem verstand ich zu viele entscheidende Wörter nicht. Ich wurde panisch und dachte, dass ich wohl die einzige bin, die so viel nicht verstünde! Am Ende der Vorlesung wurde zum Glück mitgeteilt, dass das umfassende Skriptum online zur Verfügung gestellt werden würde – doch ich war skeptisch, ob ich tatsächlich die richtige Studienwahl getroffen hatte. Anders als in anderen Schulen waren meine beiden Studienfächer in meiner Schule nämlich nicht angeboten worden und ich verfügte offenbar nicht einmal über das grundlegende Vokabular…

Als ich den Hörsaal mit vollem Kopf und ziemlich ratlos verließ, kam ich mit einigen Studierenden ins Gespräch, die ebenfalls den schnellen Vortragsstil der Professorin beklagten und mit den vielen Namen auch wenig bis nichts anfangen konnten – erste Erleichterung machte sich in mir breit und ich fuhr etwas beruhigter, doch noch immer ratlos, zum Westbahnhof, um „nach Hause“ zu gelangen.

In der darauffolgenden Woche, in der es mit den Lehrveranstaltungen so richtig losging, wiederholte sich die Erfahrung vom ersten Freitag als Studentin noch mehrmals; obwohl ich einerseits verzweifelt war, weil ich mich nicht auskannte und schlecht mitkam, fand ich andererseits immer auch Studienkolleginnen und -kollegen, denen es genauso ging. Dieses sehr widersprüchliche Gefühl zwischen Ahnungslosigkeit, Unsicherheit und Du-bist-nicht-Allein prägte schließlich mein gesamtes erstes Studienjahr. Irgendwann wurde mir klar, dass das einfach dazugehört: Man geht schließlich in die Schule, um schreiben, lesen und rechnen zu lernen – es ist also normal, am Beginn noch nicht alles zu wissen und zu verstehen.

Im Herbst 2012 habe ich mein Studium mit sehr guten Noten abgeschlossen. Der doch etwas holprige Studienanfang hat mich angespornt und so konnte ich den vorhandenen Vorsprung, den andere durch die Schule mitbrachten und der von den Professorinnen und Professoren oft auch vorausgesetzt wurde, rasch aufholen. Die Erinnerung an die ersten Tage und Wochen als Studentin der Universität Wien sind somit durchwegs positiv. Wie jedes Jahr werde ich auch heuer in der ersten Oktoberwoche das rege Treiben vor dem Hauptgebäude besuchen, das mich auch nach sieben Jahren immer noch fasziniert, gefangen nimmt, zum Lächeln bringt – und mich an meine erste Zeit in dieser wundervollen Stadt erinnert.



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