John Gibson @ Royal Academy of Arts, London – Aus dem Depot ins Rampenlicht!

Aus einer Dissertation an der Universität Wien entstand ein internationales Ausstellunsprojekt an der Royal Academy of Arts in London. Anna Sophie Frasca-Rath, Absolventin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kunstgeschichte der Universität Wien berichtet von den Vorbereitungen zur Ausstellung und darüber, wie John Gibson aus dem Depot nicht nur ins Rampenlicht, sondern mit österreichischer Hilfe auch ins Netz kam.

 

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Am 8. September 2016 öffneten die Tennant Gallery und der Council Room ihre Türen für die erste monographische Ausstellung zum britischen Bildhauer John Gibson (1790-1866). Schon eine Woche zuvor, waren rund 40 Werke zum ersten Mal seit Jahrzehnten aus dem Depot der königlichen Akademie in die Ausstellungsräume des ehrwürdigen Burlington House gekommen. Und ich durfte nach den Jahren meiner Forschung bei der Aufstellung der Kunstwerke dabei sein!

 

 

 

Wie das Projekt entstand

Aufbau der Ausstellung
Aufbau der Ausstellung

Die großen Gipsmodelle im Depot der Akademie stammen aus der Werkstatt des Künstlers. John Gibson gehörte zu Lebzeiten zu den bekanntesten Bildhauern Europas, lebte 48 Jahre in Rom, von wo aus er seine Werke an renommierte Auftraggeber aus Europa, Amerika und Australien exportierte. Er hinterließ der Royal Academy of Arts in London seinen gesamten künstlerischen Nachlass und eine große Summe Geld, um seine Werke künftigen Generationen von Künstlern zugänglich zu machen.

Diese Werke befinden sich normalerweise in großen Depots, außerhalb der Stadt London wo sie – in große Kisten verpackt – ein stilles und einsames Dasein führen. Noch in der „heißen Phase“ meines Dissertationsprojekts zu Gibson an der Universität Wien, schlug ich meiner Kollegin Annette Wickham von der RA vor, anlässlich seines 150. Todestages einige dieser (zugegebenermaßen mit bis zu 400kg recht schweren) Gipsmodelle auszustellen und wurde von Anfang an von ihr und weiteren Kollegen der RA, wie Maurice Davies, dem Leiter der Royal Academy Collections, und Helen Valentine, der Kuratorin für Skulptur, unterstützt.

 

 

Die Vorbereitungen zur Ausstellung liefen parallel zum 650. Jubiläum der Universität Wien und ich wurde durch das Projekt „Ge(l)ehrte Köpfe“ von meinen Kolleginnen vom Institut für Kunstgeschichte zu einer „digitalen“ Erweiterung der Ausstellung inspiriert. Mit dem Austrian Centre for Digital Humanities entwickelten wir ein Konzept die Werke in der RA mit allen Werke Gibsons in London durch eine virtuelle Ausstellung zu verknüpfen und sie dem Besucher über eine Website – den Gibson Trail – zugänglich zu machen. Die Umsetzung erfolgte durch das ACDH-ÖAW in Zusammenarbeit mit Daniel Schopper und Barbara Krautgartner.

Der letzte Schliff vor der Eröffnung

Eine Woche vor der Eröffnung arbeiteten wir mit Hochdruck an der Fertigstellung der Ausstellung. Ich habe dabei viel über die praktische Arbeit mit den Kunstwerken gelernt. Ein großes Team von Art Handlers war an der Aufstellung der schweren Skulpturen beteiligt und man brauchte bis zu 7 Personen um die Reliefs an die Wände und die Skulpturen auf die Sockel zu bewegen.

Sir Edwin Landseer, R.A. (1802-1873) Portrait of John Gibson, R.A. ca.1850 Bequeathed by Sir Edwin Landseer, R.A., 1874 92.50 x 72.0 x 2.50 cm Oil on canvas. Photo credit: © Royal Academy of Arts, London; Photographer: John Hammond
Sir Edwin Landseer, R.A. (1802-1873) Portrait of John Gibson, R.A. ca.1850 Bequeathed by Sir Edwin Landseer, R.A., 1874 92.50 x 72.0 x 2.50 cm Oil on canvas. Photo credit: © Royal Academy of Arts, London; Photographer: John Hammond

Einige der Reliefs waren schwerer als erwartet, weshalb sie nicht an den geplanten Wänden des historischen Baus platziert werden konnten. Fast zwei Tage hat es gedauert, die Beleuchtung der Räume bestmöglich anzupassen, da wir sowohl Zeichnungen als auch Skulptur in den Räumen zeigen. Am Tag der Eröffnung wurde auch der Katalog zur Ausstellung publiziert, an dem wir seit Februar mit den RA Publications gearbeitet hatten. Der Druck wurde durch eine großzügige Unterstützung der Universität Wien ermöglicht und bildet zum ersten Mal Fotos von knapp 35 Werke von Gibson ab.

Mein Fazit

Von links nach rechts: Helen Valentine, Anna Frasca-Rath, Annette Wickham
Von links nach rechts: Helen Valentine, Anna Frasca-Rath, Annette Wickham

Die Organisation der Ausstellung war eine wundervolle Erfahrung! Es war schön zu sehen, wie sehr sich die Kollegen aus London für meine Studien an der Universität Wien und für das digitale Projekt an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften begeistert haben. Im Dezember veranstalten wir in Kooperation mit Kollegen von der Tate Britain und der Royal Academy einen internationalen Studientag zu Gibson am Tate Research Centre.

Um die verschiedenen Facetten der internationalen Karriere von Gibson zu erörtern, werden wir mit Kollegen aus England, Österreich, Amerika und Italien diskutieren und die Ausstellung und den Gibson Trail besuchen. Danach geht es für die Werke zurück ins Depot – der Dialog mit den Kollegen und die Kooperationen zwischen der Universität Wien und der Royal Acadmey of Arts in London sind hoffentlich erst am Anfang!

 


Anna Sophie Frasca-Rath


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