Laudatio von Daniela Strigl auf Ingeborg-Bachmann-Preisträger Tex Rubinowitz am 8. Juli 2014
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Themen: Auszeichnung , Daniela Strigl , Forschende , Ingeborg-Bachmann-Preis , Literatur , Tex Rubinowitz

Laudatio von Daniela Strigl auf Ingeborg-Bachmann-Preisträger Tex Rubinowitz

Daniela Strigl ist seit 2007 am Institut für Germanistik der Universität Wien tätig. Von 2003 bis 2008 sowie seit 2011 ist sie Jurorin beim Ingeborg-Bachmann-Preis.

Auszeichnungen:

Österreichischer Staatspreis für Literaturkritik 2001.
Max Kade Essay-Preis 2007.
Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik 2013.

Der Ingeborg-Bachmann-Preis gilt als eine der bedeutendsten literarischen Auszeichnungen im deutschsprachigen Raum und ist mit 25.000 Euro dotiert.

Daniela Strigl hielt die Laudatio auf den Autor und Preisträger Tex Rubinowitz:

Votum für Tex Rubinowitz, „Wir waren niemals hier“ – Begründung

Ich stimme für eine merkwürdige Liebesgeschichte, in der der Kampf zwischen Pragmatik und Charisma mit verzweifelter Komik ausgetragen wird, für einen Text, der mit großer Lässigkeit und zugleich großer Zärtlichkeit über die wichtigen Dinge des Lebens redet, als gäbe es kein Morgen und dabei das Heute des Erlebens grundsätzlich in Frage stellt: also für den Text von Tex – Rubinowitz.

Laudatio

Das ist eine wunderschöne und seltsame Liebesgeschichte. Sie, Irma, aus Litauen, ungreifbar und unangreifbar, treibt die Forderung nach dem Unkonventionellen in eroticis neurotisch auf die Spitze, eine Schneekönigin im tristen Wien der achtziger Jahre, gewiß keine Madame Butterfly (die kommt auch vor), schließlich lernt Irma Koreanisch und sagt nicht „Ich liebe dich“, sondern „Anjong“: „Guten Tag“.

Und er, der Ich-Erzähler, der von Irmas forciertem Pragmatismus auf eher komische als tragische Weise überfordert ist.

Tex Rubinowitzs auf irgendwie verschlafene Weise intelligente Geschichte ist eine Studie über die Mühen der Verständigung zwischen Mann und Frau, bei der Codes die gemeinsame Sprache ersetzen. Wenn man seine Liebe erklärt, indem man für die Geliebte ein Brathuhn stiehlt, dann ist das eine zeitgemäße Form des Minnedienstes. Tex Rubinowitz erzählt mit sorgsam verborgenem Raffinement von einem jugendlichen Leben im Wartesaal, das nie in der Gegenwart ankommt. In „Wir waren niemals hier“ ist die Poesie nicht poetisch , und die Rätsel bleiben Rätsel – wie im wirklichen Leben.

Meinen herzlichen Glückwunsch, Tex Rubinowitz!



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