Mein Auslandspraktikum – Warum ich lieber im Ausland arbeite, als dort zu studieren von Nadja Riahi
am 5. Januar 2018
ungefähr 6 Minuten
Themen: Auslandsaufenthalt , Auslandserfahrung , Erasmus , International , Studierende , Tipps und Tricks , uni international

Mein Auslandspraktikum – Warum ich lieber im Ausland arbeite, als dort zu studieren

Tipps und Tricks wie ihr zu einem Praktikum im Ausland kommt, teilt Nadja Riahi in ihrem Blogpost mit euch. Sie selbst schreibt für ihr Leben gerne und hat im Zuge eines zweimonatigen Auslandspraktikums in München Inspiration für diesen Beitrag gefunden.

„Auslandserfahrung ist heutzutage wichtiger denn je!“ Egal, mit wem ich worüber spreche, diesen Satz höre ich von allen Seiten, aus aller Munde. Zugegeben: Es ist verlockend, ein halbes Jahr ins Ausland zu gehen, dort zu studieren, Party zu machen und neue Leute kennenzulernen. Was aber ist zu tun, wenn du nicht im Ausland studieren, sondern arbeiten willst?

Wo will ich überhaupt arbeiten?

Diese Frage wirft gleich eine andere auf: Wo KANN ich überhaupt arbeiten? Dank der Personenfreizügigkeit, einer Grundfreiheit des europäischen Binnenmarktes, kannst du in allen EU- Ländern ohne Visum oder zusätzliche Erlaubnis arbeiten, also auch ein Praktikum absolvieren. Die Arbeitnehmerfreizügigkeit erlaubt dir den uneingeschränkten Zugang zu einer Beschäftigung. Du kannst dich um eine Stelle im Ausland bewerben, dich zu diesem Zweck innerhalb der EU frei bewegen und dich für die Ausübung der Tätigkeit im Zielland aufhalten. Letzteres zählt auch zu der Niederlassungsfreiheit, die es EU- BürgerInnen ermöglicht, den Wohnsitz innerhalb der EU zu verlagern oder zu reisen.

Die aktuell 28 Mitgliedstaaten der EU bieten Praktikum-Suchenden ein breites Angebot. Zusätzlich kannst du noch in Island, der Türkei, Liechtenstein und der ehemaligen Jugoslawischen Republik Mazedonien ein Erasmus + Praktikum absolvieren. Meine Favoriten sind Berlin, Paris und München. Letzteres wurde auch meine Wahl für die letzten Monate.

Wie komme ich an ein Praktikum im Ausland?

Zielland und –stadt sind ausgewählt? Super! Eine geeignete Stelle zu finden stellt sich oft nicht als superleicht heraus. Mein ultimativer Tipp: Nutze das breite Netzwerk der Universitäten. Viele Unis haben mittlerweile eine Jobbörse mit ausgeschriebenen Praktika oder Links zu Unternehmen, die auf der Suche nach PraktikantInnen sind. An der Uni Wien ist Uniport der zuständige Karriereservice.

Wenn du weißt, in welcher Branche oder Position du arbeiten möchtest, kannst du einfach auf Google nach entsprechenden Unternehmen zu suchen. Es ist für deine Wunschposition keine Praktikumsstelle ausgeschrieben? Dann einfach eine Initiativbewerbung hinschicken! Für mich war das ausschlaggebende Argument für ein Praktikum im Ausland die Tatsache, dass ich in Österreich nichts gefunden habe. Also warum nicht von der Wirtschaft anderer Länder profitieren? Einziger Haken: Manche Unternehmen verlangen ein persönliches Bewerbungsgespräch. Da mal eben nach Paris jetten nicht nur zeit- sondern auch kostenintensiv ist, bitte deine AnsprechpartnerInnen gleich bei deiner Bewerbung um ein Skype- oder Telefoninterview. Initiative kommt immer gut an!

Kennst du Erasmus +?

Du hast ein Praktikum bei deinem Wunsch-Unternehmen ergattert? Glückwunsch! Leider ist ein mehrmonatiger Auslandsaufenthalt in einem nicht oder schlecht bezahlten Praktikum nicht so einfach zu finanzieren. Um ordentliche Studierende zu unterstützen, bietet Erasmus + eine Förderungsmöglichkeit für ein „selbst organisiertes Praktikum im europäischen Ausland“. Der ERASMUS Zuschuss ist hier allerdings kein Vollstipendium, er dient zur Deckung der erhöhten Lebenshaltungskosten während des Auslandsaufenthalts. Je nach Gastland variiert die Höhe des Zuschusses zwischen € 400,00 und € 450,00. Du musst dir das Praktikum nicht in Form von ECTS anrechnen lassen, die Voraussetzung ist, dass das Praktikum studienrelevant ist. Die Studienrelevanz wird mit der jeweiligen Studienprogrammleitung abgeklärt. Teilnehmende Bachelor-Studierende müssen beim Praktikumsantritt mindestens im 3. Semester an der Uni Wien inskribiert sein. Anderes gilt für den Master: Hier kann bereits ab dem 1. Semester ein Praktikum im Ausland mit Förderung absolviert werden. Wichtig ist, dass während des Praktikums, das Studium noch nicht abgeschlossen wurde. Das Praktikum muss mindestens zwei und darf maximal zwölf Monate dauern.

Wo soll ich wohnen?

Für eine kurze Zeit in einem anderen Land eine erschwingliche Wohnmöglichkeit finden? Wenn du mich fragst, war das auf jeden Fall die größte Hürde. Mein Tipp: Suche bei den „Referaten für Bildung“ der gewünschten Stadt. Es gibt auch viele Wohnheime für Studierende, die für eine kurze Zeit Zimmer vermieten oder eigene Vereine mit Wohnheimen für junge Leute in der Ausbildungsphase. Privat suchen geht auch immer, ist aber meistens mit höheren Kosten verbunden. Bei einer Gastfamilie zu wohnen ist auch eine Option, natürlich bist du dann nicht so frei. Egal für welche Wohnmöglichkeit du dich entscheidest, fang so früh wie möglich mit der Suche an. Es gilt: Der frühe Vogel fängt den Wurm…oder in diesem Falle das Nest.

Natürlich gibt es noch viel mehr zu beachten, wie Sprachnachweis oder Versicherung. All das und viele weitere Infos findest du hier.

Tipps & Tricks

Zu guter Letzt noch ein paar persönliche Tipps:

  • Plane eine Anreise, wenn möglich, per Zug oder Bus, andernfalls bist du in puncto Gepäck sehr eingeschränkt. Ich fand es schon sehr tricky, meine Kleidung (samt Business Outfits) für zwei Monate in einen Koffer zu quetschen.
  • Damit du Wochenend-Ausflüge und Fahrten zurück in die Heimat besser planen kannst, rufe schon vor Beginn deine/n ArbeitgeberIn an und erkundige dich nach Arbeitszeiten und Urlaubstagen.
  • Ohne WLAN geht nichts mehr. Sollte es in deiner Unterkunft kein WLAN geben, so wie es bei mir der Fall war, dann kannst du zumindest noch dein Handy benutzen. Seit Juni 2017 gibt es nämlich keine Roaming Gebühren mehr, das heißt du kannst deine Freieinheiten teilweise auch im EU-Ausland nutzen. Ansonsten Surf-Stick zulegen oder ins nächstgelegene Café schauen!

Nun noch mein allerwichtigster Tipp: Nicht zu viel denken! Koffer packen und auf geht’s!

Und jetzt noch ein paar wichtige Infos von den Profis von Uniport – das Karriereservice der Universität Wien

  • Der monatliche Newsletter informiert über interessante Praktika, gerade auch im Ausland.
  • Beratung für eure Bewerbungen bekommt ihr hier
  • In zahlreichen Workshops könnt ihr eure Personal Skills verbessern

„Ein Praktikum im Ausland zu machen, stattet Dich mit vielerlei Kompetenzen aus. Neben fachlicher Praxis Kulturelle Offenheit zeigen, sich selbst proaktiv um den Aufenthalt kümmern, die eigene Kommunikationsfähigkeit ausbauen und Horizonte erweitern: all das erweitert Dein Skill-Set. Nach Deiner Rückkehr bist Du jedenfalls reich an Erfahrungen die sich in jedem Fall gut in die Bewerbungsunterlagen einbauen lassen. So wird Dein Bewerbungsschreiben bunt und lebendig.“ – Sarah Kohlmaier arbeitet beim Uniport in der Beratung. Sie hat schon mal für uns gebloggt: „SUCHEN kommunikativen Teamplayer mit Unternehmergeist“- bin ich gemeint?

 


Nadja Riahi

Nadja studierte Transkulturelle Kommunikation, spricht Deutsch Englisch und Französisch und schreibt für ihr Leben gerne. Momentan studiert sie Wirtschaftswissenschaften an der Universität Wien. Ihr zweimonatiges Auslandspraktikum in München bei einer PR Agentur war die Inspiration für diesen Beitrag. 
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