Mein Studium als Fahrt auf der Autobahn am 24. Oktober 2013
ungefähr 3 Minuten
Themen: Ausfahrten , Autobahn , Studierende , Studiumsbeginn

Mein Studium als Fahrt auf der Autobahn

Das Quietschen der Zugbremsen signalisiert mir die Ankunft …

Gerade bin ich mit der U2 vom Karlsplatz bis zum Schottentor gefahren. Ich trete aus der U-Bahn heraus, wende mich nach links, schreite am Fahrbahnrand entlang, steige die zahlreichen Treppenstufen hinauf und dann stehe ich vor dem Hauptgebäude der Universität Wien. Es ist der 5. März 2012, 10 Uhr in der Früh und zugleich mein erster Tag an der Universität Wien. Nur fünf Tage zuvor saß ich noch in Kathmandu, Nepal, am Esstisch meiner Gastfamilie und feierte eine kleine Abschiedsfeier.

Ich frage den erst besten Passanten, der ausschaut wie ein Student, nach dem Weg zur Studienzulassung. Dort angelangt ziehe ich schnell eine Wartenummer und lasse mich auf dem Boden nieder.
Was ging mir damals durch den Kopf? Ich war zunächst einmal aufgeregt, was nun alles auf mich zukommen würde. Studienzulassung, die ersten Vorlesungen, Wohnungssuche, die ersten Prüfungen. Würde ich überhaupt Anschluss in Wien finden? Schaffe ich das Studium und ist Studieren überhaupt das Richtige für mich? Wäre eine Ausbildung nicht die bessere Entscheidung? Diese ersten Anflüge von Unsicherheit und Nervosität versuchte ich zu bezwingen, indem ich mich an meine Zeit in Nepal erinnerte. Ich habe ja schließlich vier Monate in Nepal gelebt und gearbeitet. Dann werde ich ja wohl meinen Studieneinstieg in Österreich auch bewältigen können.

Denke ich heute an damals zurück, ist mir dieser Mix von Gefühlen noch sehr bewusst. Überforderung und Sorgen trafen auf Vorfreude und Neugier über meinen neuen Lebensabschnitt. Ich glaube, dass viele StudentInnen sich so, oder ähnlich fühlen an ihren ersten Tagen an der Universität. Zwar ließen das Interesse und die Freude an meinem Studium die Sorgen längst in den Hintergrund rücken, jedoch sind diese auch nicht ganz verschwunden. Besonders, wenn ich an den straff gestrickten Studienplan im Bachelor/-Master-System denke, überfallen mich hin und wieder leichte Anflüge von Überforderung.
Den Entschluss diesen Text zu schreiben, fasste ich vor ca. drei Wochen. Ich sah die lange Schlange von StudentInnen vor dem Hauptgebäude, die zur Zulassung gekommen waren, und ich fühlte mich schlagartig in Gedanken an meine Anfangszeit an der Universität zurückversetzt. Ich fragte mich, ob sich auch andere so fühlen, wie ich mich nicht vor allzu langer Zeit gefühlt habe, und was sich denn geändert hat, dass ich nun doch eine viel entspanntere Sicht auf das Studium habe. Ich muss dabei oft an eine Metapher aus dem Film „13 Semester“ denken:

„Ein Studium ist wie eine Fahrt auf der Autobahn. Man kann mit 180 km/h auf der linken Spur ‚durchrasen‘ oder man entscheidet sich die eine oder andere Ausfahrt zu nehmen und dafür etwas später ans Ziel kommen.“

Ich bin mir nicht sicher, ob es nicht doch manchmal vorteilhafter ist, etwas schneller zu fahren, aber ich glaube, dass ein Studium sich nicht ausschließlich auf der Überholspur abspielen sollte. Studieren bedeutet aus meiner Sicht auch, Erfahrungen zu sammeln, bezogen auf das Studium selbst und auch für die eigene Persönlichkeit. Ich denke gerne an die eine oder andere Ausfahrt zurück und bin fest davon überzeugt, dass es sehr wichtig war, diese zu nehmen. Nur zwischen Vorlesungssaal, Seminarräumen und dem eigenen Schreibtisch ein Studium zu verbringen, kann nach meiner Überzeugung auch überhaupt nicht zielführend sein. Ich freue mich daher nicht nur auf das Ziel meiner Studienfahrt, sondern auch auf alle Ausfahrten, Umwege, Raststätten und Zwischenstopps …



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2 Kommentare

  1. Hello, Felix.

    I am a Colombian journalist from EL TIEMPO newspaper (THE TIME). I am writing an article about the best student cities and Vienna is the 5TH , according to the ranking. I would like you to tell me why do you think Vienna is a good city for students. I would really appreciate your help.

    Nicolás.

    1. Hello Nicolas,

      How long are you staying in vienna?
      I will help you, of course. Suggestion: Either we meet nearby the university and I tell you about my impressions while wandering around or I can send you my answers via mail. I would prefer wandering around. I could show you some places..s.o.
      You can send a mail to felix.herzer@univie.ac.at. Wishes Felix

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