„Een zakske misschien?“ – Sprecht ihr einen Dialekt?

Ich unterrichte Sprachwissenschaft an der Nederlandistik in Wien. Neben Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaft lernen meine Studierenden Niederländisch. Offiziell lernen sie Standardniederländisch, oder besser gesagt Standardniederländisch in der Variante der jeweiligen Sprachdozenten – je nachdem, aus welchem Teil des Sprachgebiets sie kommen. Welches Niederländisch also? Das von Holland? Das von Belgien? Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass fast alle Niederländisch-Lehrbücher sich auf das „holländische“ Niederländisch konzentrieren und Belgien links liegen lassen.

Dreimal Niederländisch: Niederlande, Belgien und Surinam

Außer in den Niederlanden und Belgien wird Niederländisch auch noch in Surinam und auf den ehemaligen niederländischen Antillen gesprochen. Es ist wie Deutsch eine sogenannte plurizentrische Sprache mit mehreren nationalen Standardvarietäten.

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Quelle: http://taalunie.org/organisatie/wat-is-de-taalunie

„Een zakske misschien?“  Sprache im Alltag

Im Grunde genommen sind die Unterschiede zwischen den Standardvarietäten des Niederländischen nicht sehr groß. Sie sind mehr „Flavour“ als „Substance“ – machen gefühlsmäßig einen Unterschied, aber betreffen eine recht überschaubare Zahl von Aussprache- und Wortschatzmerkmalen.

Das Problem ist nur: in Belgien spricht (fast) niemand Standardniederländisch. Im Café und in Geschäften wird tussentaal („Zwischensprache“) gesprochen. Auch am Arbeitsplatz und in der Schule nimmt der Gebrauch dieser stark regional gefärbten Umgangssprache zu.

Dutch++ Examples and new models for learning and teaching pluricentric languages

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Meine Studierenden sind oft überrascht, wenn sie im Austauschsemester in Leuven manchmal nur Bahnhof verstehen – trotz Niederländischkenntnissen auf B2-Niveau. Zum Beispiel, wenn sie im Supermarkt in tussentaal gefragt werden: „Een zakske misschien?“ („Brauchen Sie ein Sackerl?“). Damit die Überraschung nicht ganz so groß ist, hat die Nederlandistik Wien, gemeinsam mit der FU Berlin, der Uni Tilburg (NL) und der Thomas More Hochschule (B) im Rahmen eines Lifelong Learning Projekts die Website Dutch++  erstellt: mit praktischen Übungen und informativen Texten über „Alltagssprache“ in Belgien, den Niederlanden und Surinam, mit denen sich Lernende auf den sprachlichen Alltag in den Zielländern vorbereiten können.

Sprecht ihr einen Dialekt?

Ganz so überraschend sollte es für österreichische Studierende eigentlich gar nicht sein, schließlich sprechen sie ja auch kein Standarddeutsch im Alltag. Das ist zumindest mein Eindruck von den Wiener Studenten. Vorläufige Ergebnisse meiner Fragebogenstudie zum Thema „Attitudes to language learning“ zeigen, dass sich immerhin 56% der (bis jetzt) befragten Studierenden der Uni Wien als Sprecher eines Dialekts sehen: sie beantworten die Frage „Do you speak a dialect“ mit „ja“.

Auf näheres Nachfragen geben sie zum Beispiel an „Mostviertlerisch“ oder „Wiener Durchschnittsdialekt“ zu sprechen, und meist auch noch „die meisten österreichischen Dialekte zu verstehen“. Von den befragten Studierenden an belgischen Unis (Gent, Antwerpen und Leuven) geben auch immerhin 47% an, Dialekt zu sprechen.

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Lernt ihr einen Dialekt?

Mehr als die Hälfte der bis jetzt befragten Studierenden gibt an, mehr als zwei Fremdsprachen zu sprechen. Dabei hat mich überrascht, dass Studierende manchmal auch „Dialektkenntnisse“ (oder besser gesagt, Kenntnisse in einer spezifischen Varietät) in anderen, fremden Sprachen angeben: zum Beispiel „Sizilianisch“ oder „Tunesisches Arabisch“ oder „Chilenisch“.

Fragebogenstudie: „Attitude to language learning“

Sprecht ihr auch mehrere Sprachen oder Dialekte? Warum lernt ihr eine Fremdsprache? Was bedeutet Sprachenlernen für euch? Möchtet ihr an meiner Studie teilnehmen? Dann füllt bitte hier meinen Fragebogen zum Thema „Attitudes to language learning“ aus.

Das Ausfüllen des Fragebogens dauert etwa 15 bis 20 Minuten. Die Fragen sind auf Englisch, ihr könnt offene Fragen aber auch gerne auf Deutsch beantworten. Bitte füllt den Fragebogen bis spätestens 15. Mai.2015 aus.

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Wenn ihr Fragen zu meinem Projekt oder zum Fragebogen habt, könnt ihr mich gerne unter ulrike.vogl@univie.ac.at kontaktieren.



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1 Kommentar

  1. Sehr interessant! Ich habe übrigens oft erlebt, dass Deutsche das Standarddeutsch Österreichs für einen Dialekt halten. Das wird sicher eine sehr wichtige Studie.
    Viele Grüße von Christine (Kasper)

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