Offenheit und Abgeschlossenheit von Monika Seidl
am 30. Mai 2018
ungefähr 6 Minuten
Themen: Anglistik , Campus der Universität Wien , Erfahrungen , Hörsaal D , Mein Campus , MitarbeiterInnen

Offenheit und Abgeschlossenheit

Monika Seidl vom Institut für Anglistik und Amerikanistik hat am Campus Karriere gemacht. Warum ihre erste Vorlesung im Hörsaal D gar nicht so einfach war, aber es heute ihr Lieblingsplatz ist, verrät die Professorin in ihrem Blogbeitrag zu 20 Jahre Campus.

(c) B. Maly-Bowie

Meine Campusgeschichte reicht an den Beginn der Besiedelung durch die Universität Wien zurück. 1998 war ich im Personalstand der Universität Wien als sogenannte Bundeslehrerin im Hochschuldienst und hatte bereits acht Jahre an der Universität am Standort Neues Institutsgebäude als externe Lektorin und Vertragslehrerin hinter mir. Ich habe das NIG ungern verlassen, weil die Unterrichtsräume diese phantastische Aussicht auf die Votivkirche haben, deren Kalkstein zu unterschiedlichen Tageszeiten so wunderbar leuchten kann.

Am Campus hat sich dann mein institutioneller Aufstieg vollzogen, ich habe habilitiert und die Venia für Anglistik Kulturwissenschaften erworben und bin zur ao.Univ.Prof. ernannt worden. Ich habe mich stark in die curriculare Arbeit eingebracht, versucht die Populärkulturen als Forschungsgebiet salonfähig zu machen und theoriegeleitete Forschung und Lehre in den Mittelpunkt zu stellen. Ich bin mit dem Erreichten mehr als zufrieden: aus meiner ersten Generation an Studierenden wurde unlängst eine Professorin berufen; zwei Studierende aus meiner zweiten Generation haben PräDoc-Stellen bekommen. Mein Engagement für die Cultural Studies hat sich offensichtlich nachhaltig bewährt.

Lieblingsplatz Hörsaal D

Mein Lieblingsort ist der Hörsaal D. Nun ist mir völlig klar, dass der Hörsaal D nur aus Lehrendensicht zu solchen Ehren kommen kann. Aus Studierendensicht ist er sicher der unbequemste Ort auf Erden, da die Reihen kaum Platz zum Sitzen bieten, da sie zum Stehen konzipiert waren, als der Hörsaal D noch der Pathologiehörsaal war und der medizinischen Ausbildung diente.

Angeblich soll dort auch Sigmund Freud doziert haben. Auf solch historischem Boden zu stehen macht Spaß. Auch überkommt einem ein gewisser Schauer, wenn man in Richtung der kleinen Doppeltür blickt, die sich gegenüber dem Rednerpult befindet, durch die Seziertische mit Anschauungsmaterial hereingerollt wurden. Heute sitzt meine E-Tutorin davor.

Mich verbindet sehr Persönliches mit diesem Raum: Dort fand vor vielen Jahren, in der Anfangszeit des Campus, meine erste Vorlesung statt. Und die erste Einheit im noch nicht modernisierten Hörsaal hatte es in sich. Dazu ist es auch notwendig, sich eine Zeit vor PowerPoint und Prezi vorzustellen, als auf Overheadprojektoren gelegte Folien zur Unterstützung des Vortrags dienten und an der Tafel fleißig geschrieben und gelöscht wurde. In der ersten Einheit im Hörsaal D ging alles schief: Der Raum war vollbesetzt, ich war nervös, aber gut vorbereitet. Ich wusste, was ich auf die Tafel schreiben und welche Folien ich auflegen wollte.

Es sollte alles anders kommen: Die Tafel war spiegelglatt, die Kreide rutschte dahin und ich hinterließ keine Schriftzeichen, sondern dünne durchsichtige Phantome ohne Bedeutungspotential. Der Overheadprojektor sollte auch keine Hilfe sein, denn das Einschalten führte umgehend zur Explosion der Birne, worauf der ebenfalls anwesende Blindenhund einer Studierenden zu bellen begann. Da musste ich dann wirklich lachen und seitdem können mich technische Gebrechen kaum mehr aus der Ruhe bringen, was auch wichtig ist, wenn man, so wie ich, viel mit Film und visuellem Material arbeitet.

Derzeit lehre ich wieder im HS D: Der Raum ist nun toll adaptiert, spielt alle technischen Stückerln und ermöglicht auch Streaming. Das kommt wieder den Studierenden zu Gute, die sich nicht mehr unbedingt in die engen Reihen zwängen müssen.

Der Campus als Arbeitsort

Das Besondere am Campus als Arbeitsort sind seine räumlichen Gegebenheiten, die für mich zwischen institutionell und privat changieren: die Offenheit und zugleich Abgeschlossenheit der Höfe erlaubt es, dass man außerhalb der Institutsgrenzen sich zwar „privat“ aufhalten kann, sei es in den Gaststätten oder am Rasen, dass man dabei aber immer auch innerhalb des universitären Rahmens bleibt.

Damit ist es viel leichter, Studierende innerhalb des Campus „privat“ zu treffen, denn man befindet sich trotzdem noch im offiziellen Universitätsraum. Das erleichtert Vieles. Allerdings erachte ich dadurch auch den gesamten Campus als Arbeitsplatz, den ich nicht als Privatperson nutze, weder für den Weihnachtsmarkt im Winter noch für Open-Air Veranstaltungen im Sommer.

Wie kann die Zusammenarbeit der Institutionen am Campus weiterentwickelt werden? Ich denke, das gelingt am besten über gemeinsame Veranstaltungen, wie wissenschaftliche Tagungen, Kinderuni oder Programme für die interessierte Öffentlichkeit in den zum Teil wirklich sehr attraktiven Räumlichkeiten des Campus. Ein ganz besonders stimmungsvoller Ort ist meines Erachtens die Alte Kapelle, die auch schöne Aussichten in die Höfe ermöglicht.

Wünsche für die Zukunft des Campus

Für die Zukunft des Campus wünsche mir eine noch intensivere gärtnerische Gestaltung der Grünflächen, wobei ich weiß, dass dieser Wunsch mit Kosten und hohem Pflegeaufwand verbunden ist. Aber es gibt Einzelinitiativen, wie im Hof 3, wo eine Ecke sehr schön gestaltet ist und zu jeder Jahreszeit etwas zu bieten hat. Und dann gibt es ganz beeindruckende Naturdenkmäler, wie den phantastisch rosa blühenden Judasbaum im Hof 2.

Ein sehr utopischer Wunsch ist die Absiedlung des Werkhofs der Nationalbank, der sowohl unsere Unterrichtsräume als auch eine Anzahl unserer Dienstzimmer mit vielfältigsten Geräuschkulissen „beglückt“. Mit viel Geld würde ich hier vor allem den Unterrichtsraumbereich radikal umbauen – die dunklen und je nach Jahreszeit auch zuweilen muffigen Unterrichtsräume nach vor zum Licht des Innenhofs rücken und die Korridore nach hinten zur Nationalbank.

Welche Veranstaltungen des Campus Jubiläums möchte ich jedenfalls besuchen?

Bei dem großen Angebot fällt die Auswahl sehr schwer, daher halte ich mich an die von unserem Institut veranstalteten Beiträge wie beispielsweise Kanada in Wien, Wien in Kanada am 15.6. und 16.6.

Erst vor Kurzem sprach Kulturwissenschafterin Monika Seidl mit uns über die #RoyalWedding. Was hat es mit dem Hype auf sich? Lassen wir uns von Aschenputtel-Fantasien blenden? Lest in uni:view weiter…

 

„Mein Campus“

 

Dieser Blogbeitrag entstand anlässlich des Campus 20-Jahr-Jubiläums. Das Programm zu den  Jubiliäumsfeierlichkeiten gibt es unter campus.unvie.ac.at.

 

 

 


Monika Seidl

Ao.Univ.Prof. Mag. Dr. Monika Seidl, geb. 16.3.1957, kam nach einem 3-Jährigen Aufenthalt an den Universitäten St Andrews (Schottland) und Cambridge (England) im WS 1990/91 an die Universität Wien. In weiterer Folge habilitierte sie sich im Bereich Anglistik Kulturwissenschaften, etablierte die Cultural and Media Studies am Institut und forscht und lehrt vor allem zur Kulturtheorie und Phänomenen der Populärkultur.
[ mehr Artikel von MitarbeiterInnen ]




Prämiertes Bildungsprojekt: Der UniClub des Kinderbüros

Studentin Pia Patricia Hofstättner bloggt darüber, wie wichtig die Verbindung von Nachhaltigkeit und Bildung ist. Im Projekt UniClub des Kinderbüros der Universität Wien wirkt sie seit einem Jahr mit. Zusammen mit dem restlichen Team hilft sie, Maßnahmen zu setzen, um Jugendliche mit den unterschiedlichsten Geschichten auf ihrem Bildungsweg zu unterstützen, Hürden gemeinsam zu überwinden und … Continued


Poe-poe-poe Poetryslam im Arkadenhof!

Seit 2010 veranstalten die Germanist_innen Anna Babka und Peter Clar an der Uni Wien einen Poetryslam. Am Samstag, 9. Juni, findet der inzwischen 8. Slam statt. Grund genug für Anna und Peter, euch darüber am #univieblog zu erzählen. Poetryslam – was ist das überhaupt? Eine Art Dichter_innenwettstreit. Jede_r Slammer_in hat fünf Minuten Zeit, einen selbst … Continued



Vom Studierenden zum Autor

Lukas Pellmann ist Alumnus der Universität Wien und Autor. Neben seinen interaktiven Kriminalromanen versorgt er seine Leserschaft zusätzlich mit täglichen WhatsApp-Nachrichten und Kurzgeschichten auf derstandard.at. In diesem Blogbeitrag lest ihr über seinen Werdegang vom Studierenden zum Autor. Ein Autor mit Faible für Geschichte Das Jahr 1998 war voller bewegender Ereignisse: Frankeich feierte dank Zinedine Zidane … Continued

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Back to top