Pazienza alla Sapienza am 13. Dezember 2013
ungefähr 5 Minuten
Themen: Erasmuns Staff Exchange , Erasmus , Erfahrungsaustausch , La Sapienza , MitarbeiterInnen , Öffentlichkeitsarbeit

Pazienza alla Sapienza

Im September bekamen wir Besuch von Christian Benenati. Er arbeitet als Press Agent an der Universität Sapienza in Rom, die größte Universität Europas und die älteste der Stadt Rom. Christian verbrachte im Rahmen des ERASMUS Staff Exchange Programms einige Tage an der Universität Wien um sich verschiedene Bereiche der Öffentlichkeitsarbeit (Presse, Online-Zeitung, Publikationen, Social Media, Web, usw.) genauer anzusehen.

Wir konnten ihm einen guten Einblick in die Aufgaben und Projekte der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit geben und erfuhren, wie die Dinge an der Sapienza ablaufen. Der Austausch war sehr spannend und bereichernd für beide Seiten.

Ein gemeinsames Mittagessen gab es auch:

Christian Benenati_Staff Exchange

 

Da die Sapienza auf jeden Fall auch einen Besuch wert ist, machte sich unsere Mitarbeiterin Ursula Wagner auf den Weg nach Rom. Empfangen wurde sie gleich von Christian Benenati, der sich ein Programm für die nächsten Tage überlegt hatte

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Ein Bericht von Ursula über ihre Tage an der La Sapienza

Tangoklänge in der Metro Richtung Termini, ein strahlend blauer Dezemberhimmel in Kontrast mit bunt verfärbtem Herbstlaub, gemischt mit dem hoffnungsvollen Grün einzelner Palmen, und ein Heer frisch polierter Vespas vor den Toren der Cità Universitaria – soweit meine allerersten Eindrücke am Weg zu meinem Erasmus Staff Exchange an der altehrwürdigen Universität Sapienza in Rom. Und nicht zu vergessen, Staunen darüber, dass der Kommunikationsfluss an der größten Universität Europas wunderbar funktioniert. So wusste man im Willkommenscenter „Ciao“, in das ich beim Suchen meines temporären Arbeitsplatzes hineinschneite, bereits über meinen Aufenthalt Bescheid. In der Presseabteilung empfing mich Christian Benenati, der selbst im Herbst im Rahmen des Erasmus-Programms eine Woche an der Uni Wien war und der nun dankenswerterweise mein Programm an der Sapienza organisiert hatte. Von ihm und der Leiterin des Bereichs Kommunikation, Alessandra Barberis, lernte ich in zahlreichen Gesprächen Themen wie Brandbuilding (das schöne Sapienza-Weinrot!), die preisgekrönte Website der Uni, den Einsatz von Social Media und die brennenden Themen in dieser Universität kennen. Mein Rundgang führte mich dabei zu Teams verschiedener Einrichtungen, von den Internationalen Beziehungen über Forschungskooperationen bis zur Forschungsförderung, zum Technologietransfer und zu Kooperationen mit der Wirtschaft. Die neuen Herausforderungen am neoliberalen Bildungsmarkt und Budgetknappheit sind die wiederkehrenden Themen in den Gesprächen, denn die Uni muss nach der letzten Universitätsreform einen nicht unbeträchtlichen Teil des Budgets mittels Kooperationen und Vermarktung aufstellen. Glücklicherweise ist die Marke Sapienza – auf Deutsch „Weisheit – eine starke. So spricht nicht nur der Name für sich, auch die imposante Geschichte der ältesten Universität Roms, gepaart mit der Größe und einer starken naturwissenschaftlichen Ausrichtung mit wichtigen Forschungserkenntnissen und einigen Nobelpreisträgern sorgen dafür, dass der Ruf ein guter ist.

Als „Stadt in der Stadt“ ist die Sapienza ein Mix von Gebäuden, der dominiert wird von der faschistischen Architektur der 1930 Jahre. Die Universitätsstadt wurde 1935 unter Mussolini errichtet, nachdem die Innenstadtgebäude aus allen Nähten platzten. Vor dem zentralen Rektoratsgebäude thront die Statue der griechischen Minerva, die bereits seit Jahrhunderten das Wahrzeichen dieser altehrwürdigen Einrichtung ist.

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Angehende ArchitekturstudentInnen studieren im kunstsinnigen Ambiente des Museo dell’Arte Classica – einer Gipsothek mit imposanten Gipsskulpturen von Statuen aus der griechischen Antike. Doch dieses Museum ist nur eines neben 20 weiteren, in denen die Geschichte verschiedener Disziplinen dokumentiert ist. All diese Orte stehen mit nur einer einzelnen Genehmigung auf einen Schlag zur Verfügung. So kommt es, dass jährlich ein paar Filme in der Sapienza gedreht werden.

UrsulaWagner3Die Administration von 140.000 Studierenden, 8.000 Lehrenden, zweier Polykliniken und einer Vielzahl von Gebäuden außerhalb der Universitätsstadt führt jedoch auch dazu, dass so manch bürokratischer Vorgang längere Zeit in Anspruch nimmt, somit nennen die MitarbeiterInnen der Sapienza diese auch gern „Pazienza“ (Geduld). Diese Geduld ist in Italien auch für meinen Kernarbeitsbereich – Gleichstellung und Diversität – vonnöten, gilt es hier noch einiges zu entwickeln. Von Bildungsgerechtigkeit, die in mittel- und westeuropäischen Universitäten in den letzten Jahren zum Schlagwort avancierte, ist hier noch lange keine Rede. Studieren können in Italien ohnehin nur die, die es sich leisten können. Denn staatliche Unterstützung gibt es kaum, Studierenden aus sozial schwachen Familien kommt man mit einer Reduktion der Studiengebühren entgegen. Der Gleichstellungsbereich hat hier mehr Entwicklungspotenzial. Es ist ermutigend zu sehen, mit welchem Elan sich die arriverte Soziologie-Professorin Maria Occhionero als Gleichstellungsbeauftragte des Rektors und die Vorsitzende der neu eingerichteten Kommission für Gleichstellung, Daniela Magrini, ihren Agenden widmen. Als eine der ersten Taten steht die Aktualisierung der Frauen- und Männeranteile unter Personal und Studierenden an, wo die Uni Wien ja seit Jahren mit gutem Beispiel vorangeht. Weiterem Austausch von Wissen und Best Practices wurde mit diesem Aufenthalt also Tür und Tor geöffnet.

In den Pausen geselle ich mich zu Studierenden und MitarbeiterInnen, die sich in Vielzahl vor und in der Cafetaria tummeln. Pizza und der schnelle Espresso an der Theke sind die Renner, und der Kellner schafft es trotz des Andrangs, sich nach dem Befinden des mich begleitenden Kollegen zu erkundigen. Ich bin überwältigt von der Offenheit, die man auch mir entgegenbringt. Selbst dem Rektor habe ich so im Vorbeigehen die Hand geschüttelt, und alle sind bereit, mir ihre Zeit zu widmen. Reich beschenkt mit Wissen und Eindrücken und meinen beiden Trophäen – einer Sapienza-Tasse und einer aus einem Forschungsprojekt stammenden CD mit italienischer Tangomusik – lasse ich nach einer Woche das Gelände der Sapienza hinter mir. Bella, ciao!



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