von Pia Patricia Hofstättner
am 13. Juni 2018
ungefähr 6 Minuten

Prämiertes Bildungsprojekt: Der UniClub des Kinderbüros

Studentin Pia Patricia Hofstättner bloggt darüber, wie wichtig die Verbindung von Nachhaltigkeit und Bildung ist. Im Projekt UniClub des Kinderbüros der Universität Wien wirkt sie seit einem Jahr mit. Zusammen mit dem restlichen Team hilft sie, Maßnahmen zu setzen, um Jugendliche mit den unterschiedlichsten Geschichten auf ihrem Bildungsweg zu unterstützen, Hürden gemeinsam zu überwinden und auch voneinander etwas zu lernen.

„Was ist denn ein Sustainability Award?“ fragte ich mich, als ich die Einladung in Händen hielt. Ich recherchierte und fand heraus, dass er alle zwei Jahre vom Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus und dem Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung unter dem Motto „Wir agieren nachhaltig“ verliehen wird. Mein Team und ich waren für unsere Freiwilligenarbeit bei dem Projekt UniClub des Kinderbüros der Universität Wien eingeladen – und haben schließlich auch im Bereich „Studentische Initiativen“ gewonnen. Juhuuu!

Mich freut das, da mir unser Projekt sehr am Herzen liegt. Im UniClub lernen Jugendliche von 13 bis 19 Jahren mit Migrations- und Fluchterfahrung gemeinsam mit Studierenden der Universität für die Schule, haben aber auch die Möglichkeit, nachhaltig voneinander zu lernen. Viele der Studierenden sind zukünftige Lehrerinnen und Lehrer und können sich bei uns in der pädagogischen Praxis üben, die ihnen vielleicht im normalen Studierendenleben fehlt.

Das Projekt UniClub war aber vor einigen Jahren anders, damals konnten unsere Jugendlichen alle zwei Wochen Workshops und Ausflüge zum Thema Wissenschaft und Forschung besuchen, um die Universität näher kennen zu lernen. Im Herbst 2015 bemerkte unser Team, dass sich die Bedürfnisse und Wünsche veränderten und so wurden der LernClub und das StudyBuddy-Programm geschaffen. Jetzt kann man zwei Mal pro Woche nachmittags in unseren Räumlichkeiten mit Studierenden und anderen Jugendlichen lernen. Regelmäßig werden durch Ausflüge auch weiterhin Einblicke in das Wissenschaftssystem der Uni gegeben und ein StudyBuddy bietet unter der Woche, ganz flexibel, individuelle Lernunterstützung bei uns.

Am 7. Juni erhielten wir mit dem UniClub den Sustainability Award in der Kategorie „Studentische Initiativen“.

Mein Werdegang im UniClub

Als Studierende des Lehramts für Deutsch, Psychologie und Philosophie kam ich über ein Seminar zum UniClub. Dort sollte ich mich für eine gewisse Stundenanzahl engagieren. Schnell habe ich gelernt, dass es völlig egal ist, woher die Jugendliche kommen. Ob Migrationsbiographie oder Fluchterfahrung, ob Oberstufe oder Lehre mit Matura, das steht nicht im Fokus des UniClubs. Jeder der dort ist, möchte lernen und sich näher mit den Thematiken auseinandersetzen. Und ich bin da, um ihnen dabei zu helfen, die Hürden zu überwinden – so gut, wie ich kann.

Ein typischer LernClub-Termin beginnt damit, dass ich mir die Englischbücher in der Bücherei genauer ansehe. Mit einigen der Jugendlichen arbeite ich in einem Englisch-Club zusammen, obwohl es eigentlich nicht mein Studienfach ist. Viele wollen ihr Englisch verbessern und ich möchte sie fördern und fordern. In den anderen Räumen sehe ich, dass bereits fleißig mit den Studdybuddies gelernt wird – vor dem eigentlichen LernClub!

Eine halbe Stunde vor Beginn bereiten wir als Team, manchmal zu viert, manchmal zu zwölft, die gesunde Jause vor. Äpfel, Aufstriche, Brot, Paprika, Tomaten oder aber auch Pfirsiche sind bei uns mit dabei. Kurz bevor der LernClub startet, besprechen wir, wer heute für welche Fächer eine Ansprechperson sein kann. Bedarf herrscht immer genug, da muss man sich keine Sorgen machen, seien es Naturwissenschaften, Psychologie oder aber auch Sprachen wie Italienisch oder Spanisch.

Hier arbeiten wir gerade zu zweit an einem neuen Lebenslauf für ein Bewerbungsgespräch.

Danach geht es auch schon los, die Jugendliche sprechen mich an und fragen mich, ob ich ihnen bei einem Kreativtext, einer Grammatikerklärung in Englisch oder bei einem Referat helfen kann. Langweilig wird mir im UniClub nie!

Um 18 Uhr gibt es die Pause zur Stärkung, wo ich mit den Jugendlichen fernab des Lernens reden kann. Ich frage nach ihrer Lieblingsband, wie es mit dem Koreanisch lernen vorangeht und, was sich sonst so in ihrem Leben tut. Nach der Pause kommt es manchmal zu Akutfällen, beispielsweise einer wichtigen Biologieprüfung. Zusammen im Team jonglieren wir flexibel, wer welchen Jugendlichen betreut, um ihr oder ihm die bestmöglichste Hilfe bieten zu können. „Eigentlich ist Biologie nicht mein Studienfach und war auch in der Schule nie so mein Favorit, aber ich versuche es trotzdem!“, denke ich, als ich mir das Kapitel über die Sinne des Menschen ansehe.

Im Labor lernen die Jugendlichen und ich Neues über die menschliche DNA.

Bis 19:30 verlassen uns die Jugendliche nach und nach, wir räumen das Geschirr und die Stifte weg, schalten den Geschirrspüler ein und setzen uns auf die bequeme Couch, um die heutigen Erlebnisse zusammen zu reflektieren. Als Studierende werden wir pädagogisch und psychologisch betreut und haben die Möglichkeit, einfach zu berichten, was wir in den letzten Stunden gemacht haben oder aber auch ein bestimmtes Thema anzusprechen, das uns besonders interessiert. Ich sehe auf unsere Liste und bemerke, dass uns heute wieder über 30 Jugendliche besucht haben. „Schön, dass wir ihnen helfen konnten“, denke ich, als ich aus der Tür hinausgehe und mich auf den Heimweg mache.

Wieso ich seit über einem Jahr dabei bin

Nach Absolvierung meiner Stunden im UniClub fällt mir immer wieder auf, wie unheimlich viel ich dazulerne: über mein Studium, über mich und über das Leben. Früher beschwerte ich mich immer, dass mir die Uni zwar schon gefiele, aber einfach zu wenig Praxis vorhanden wäre. Doch dann ging mir endlich das Licht auf: Vielleicht ist es nicht die Aufgabe der Uni, für Praxis zu sorgen, vielleicht war es die ganze Zeit über eigentlich meine. Ich habe auch hier erst endlich realisiert,  wie viel Kraft es mir gibt, wenn ich anderen helfen kann.

Nachhaltig hat mich das Projekt geprägt, weil ich jetzt auch weiß, in welchem Bereich ich mich spezialisieren möchte: Deutsch als Zweit- oder Fremdsprache. Ohne dem UniClub, dem Team und den Jugendlichen hätte ich das wohl nie gemerkt!

Freiwilligenarbeit gibt viel auf den persönlichen Lebensweg mit – viel mehr, als mit Geld jemals aufgewogen werden könnte. Jede Woche freue ich mich auf den UniClub Termin, weil ich ganz genau weiß, dass ich erschöpft und mit einem Lächeln nach Hause gehen werde. Wenn du auch Lust hast, dieses bestimmte Lächeln zu fühlen (ich kann es dir nur empfehlen, es macht süchtig!), dann findest du hier den Link zur Website des UniClubs: http://www.UniClub.at/


Pia Patricia Hofstättner

Ich studiere Lehramt Deutsch, Psychologie und Philosophie im Bachelor an der Universität Wien und engagiere mich seit 2017 beim UniClub. Mehr von mir könnt ihr auch in meinem Blog lesen.



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