Recht Engagiert – Juridicum trifft Zivilgesellschaft von Forum kritischer Jurist*innen
am 30. November 2017
ungefähr 4 Minuten
Themen: AbsolventInnen , Engagement , Juridicum , Studierende , Veranstaltung

Recht Engagiert – Juridicum trifft Zivilgesellschaft

Die Aula des Juridicums öffnet am 6. Dezember 2017 ab 12:00 Uhr ihre Tore für NGOs und zivilgesellschaftliche Plattformen. Das Forum kritischer Jurist*innen lädt zum Infotag „Recht Engagiert“. Hier können sich Studierende und Absolvent*innen mit erfahrenen Praktiker*innen aus dem Bereich der Menschenrechte, des Umweltrechts, des Diskriminierungsschutzes und vielem mehr über alternative Berufsmöglichkeiten sowie über zivilgesellschaftliches Engagement durch Recht austauschen.

Wie kann man sich als Jurist*in für die Gesellschaft engagieren? Als wir im Herbst 2014 das Forum kritischer Jurist*innen gegründet haben, hat uns genau diese Frage beschäftigt. Denn ein wesentlicher Teil des Studiums der Rechtswissenschaften ist auf eine künftige Tätigkeit in den klassischen juristischen Berufsfeldern in Anwaltskanzleien, der Justiz oder der Privatwirtschaft ausgerichtet. Da sich aber nicht alle im Business Chic junger Anwältinnen oder im Talar honoriger Richter wiedererkennen konnten, suchten wir – teilweise selbst noch Studierende, teilweise bereits Absolvent*innen – nach alternativen „Role Models“ für Jurist*innen. Diese fanden wir in zivilgesellschaftlichen Institutionen, aber auch bei den konventionellen Karrierewegen: Denn auch hier braucht es Jurist*innen mit kritischer Wahrnehmung und der Perspektive, dass Recht auch als emanzipatorisches Instrument eingesetzt werden kann. Bald erkannten wir, dass es nicht bloß uns so geht. Viele der Studierenden am Juridicum fühlen sich mit ihren beruflichen Vorstellungen nicht ausreichend repräsentiert und gefördert. Genau diesen Mangel möchten wir mit unserem Forum und dem von uns veranstalteten Infotag ein wenig ausgleichen.

Solidarität statt Wettbewerb

Studiernde in der Diskussion (© Forum kritischer Jurist*innen)
Studiernde in der Diskussion (© Forum kritischer Jurist*innen)

Neben unserem Projekt steht bei uns vor allem die gegenseitige Unterstützung während des Studienalltags im Mittelpunkt: Aus dem anfänglichen Austausch über die persönlichen Schwierigkeiten einiger frisch inskribierter Jus-Student*innen entwickelten sich Freundschaften und das Forum kritischer Jurist*innen. Unser Ziel war es immer auch, die Uni zu einem Ort zu machen, an dem wir nicht nur Prüfungen ablegen, sondern gemeinsam diskutieren und lernen können – und uns schlussendlich wohl fühlen. Umso mehr hoffen wir, dass am Infotag Studierende nicht nur Kontakt zu zivilgesellschaftlichen Organisationen und Akteur*innen knüpfen, sondern auch neue Bekanntschaften mit Kolleg*innen abseits der leistungsorientierten Lehrveranstaltungen und Prüfungen schließen.

Raum für Diskurs schaffen

Vielen Studierenden fehlt zudem der kritische Austausch. Recht schafft Lebenswirklichkeiten. Es ist nichts Statisches oder Naturgegebenes, vielmehr wird es bewusst und gezielt erzeugt. Und wer sollte wohl mehr Interesse daran haben, die dahinterliegenden (Macht-)Verhältnisse und politisch wirkenden Kräften zu analysieren als Jus-Studierende? Das rechtswissenschaftliche Studium legt den Fokus auf die Anwendung positiver Rechtsnormen, was für die zukünftige Tätigkeit von Jurist*innen auch relevant ist. Genauso wichtig ist es jedoch, sich kritisch mit dem Entstehungsprozess sowie den sozialen, ökonomischen und kulturellen Kontexten von Recht auseinanderzusetzen. Für diesen Diskurs besteht leider nur beschränkt Raum am Juridicum. Wir sehen es daher auch als unsere Aufgabe an, kritisch über Recht nachzudenken und auch andere Studierende dazu zu animieren.

Infotag „Recht Engagiert“: Fragen und Antworten. Und Fragen.

Recht Engagiert Banner vor dem Juridicum (© Forum kritischer Jurist*innen)
Recht Engagiert Banner vor dem Juridicum (© Forum kritischer Jurist*innen)

Der Infotag „Recht engagiert“ soll am Mittwoch, 6. Dezember 2016 ab 12 Uhr in der Juridicum Aula den Studierenden nicht nur alternative Tätigkeitsbereiche aufzeigen, sondern auch Möglichkeiten für (ehrenamtliches) Engagement im Recht näherbringen. Zahlreiche Teilnehmer*innen aus den verschiedensten Rechtsbereichen versprechen interessante Gespräche und Einblicke in spannende juristische Tätigkeitsfelder. Darunter sind Organisationen wie Asyl in Not, die Caritas, das Ökobüro, Transparency International, ZARA, der VKI, das Ludwig Boltzmann Institut für Menschenrechte und viele mehr.

Ab 18:30 Uhr diskutieren wir dann im Dachgeschoß des Juridicums mit Irmgard Griss (Nationalratsabgeordnete und ehem. Präsidentin des Obersten Gerichtshofs), Sandra Konstatzky (Stv. Leiterin der Gleichbehandlungsanwaltschaft), Nadja Lorenz (Rechtsanwältin) und Alexander Somek (Professor am Institut für Rechtsphilosophie) zum Thema:

„Recht & Ver[Antwort!]ung: With Great Power Comes Great Responsibilty?“.

Danach gibt es noch einen Austausch bei Speis‘& Trank.

Studierende und Absolvent*innen aller Studienrichtungen und Universitäten sind herzlich eingeladen, unseren alternativen Berufsinfotag und die anschließende Podiumsdiskussion zu besuchen und mitzudiskutieren. Schließlich sollten wir alle gemeinsam über die Rolle des Rechts nachdenken und zivilgesellschaftliches Engagement fördern.

Die Podiumsdiskussion wird in Kooperation mit der Wochenzeitung „Der Falter“ veranstaltet. Weitere Sponsoren der Veranstaltung sind: ngojobs.at, Stroeck, ÖH Uni Wien, Bundes ÖH, Österreichischer Bundesverband für Mediation, Arbeiterkammer.

Forum kritischer Jurist*innen

Das Forum kritischer Jurist*innen wurde 2014 gegründet und ist eine unabhängige Plattform engagierter Jus-Studierender und AbsolventInnen. Das zentrale Anliegen des Forums besteht im Einbringen kritischer Perspektiven auf das Recht und seine Vermittlung im öffentlichen Diskurs.
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