Schimmelpilze, Sex und Marie Curie – wie passt das zusammen? am 24. April 2014
ungefähr 3 Minuten
Themen: AbsolventInnen , Marie Curie-Programm , Studiumsabschluss , Systembiologie

Schimmelpilze, Sex und Marie Curie – wie passt das zusammen?

Das Zusammenspiel dieser drei Begriffe bestimmt mein derzeitiges Leben als Early Stage Researcher, doch wie ist es dazu gekommen und wo stehe ich heute?

Meine Studienwahl der Biologie und in der Folge der Genetik und Mikrobiologie resultierte aus meiner Faszination für die Natur, die sich bereits vor meinem Studium während meiner Lehre am Botanischen Garten der Universität Wien entwickelte. Der spannendste Abschnitt meines Studiums war für mich die Zeit am Vienna Biocenter in Sankt Marx, da ich beste Grundlagenforschung und Ausbildung erleben durfte.

Meine Diplomarbeit brachte mich an die Abteilung für Molekulare Systembiologie an der Universität Wien. Während dieser Zeit habe ich mich mit integrativen Analysen in der Systembiologie beschäftigt. In diesem Forschungszweig versucht man, biologische Organismen in ihrer Gesamtheit zu verstehen sowie unter bestimmten Bedingungen zu beschreiben und zum Beispiel daraus Informationen über Einflüsse von geänderten Umweltbedingungen zu erlangen.

Schon während dieser Zeit war mir klar geworden, dass ich nach meinem Abschluss eine Zeitlang ins Ausland gehen möchte um neue Erfahrungen in einer für mich neuen Forschungsgemeinschaft machen zu können. Mein Weg führte mich an die Georg-August-Universität in Göttingen an die Abteilung für molekulare Mikrobiologie und Genetik unter der Leitung von Professor Gerhard Braus. Nach einem kurzfristigen Leonardo da Vinci-Stipendium der Europäischen Union habe ich die einmalige Chance bekommen, in der gleichen Abteilung ein Marie Curie- Fellow im Initial Training Network des kürzlich gestarteten „QuantFung“- Projekts zu werden.

Innerhalb des „QuantFung“- Projekts nutzen 15 Fellows aus verschiedensten Ländern die synthetische Biologie, um auf molekularer Ebene aus Schimmelpilzen neue biologische Wirkstoffe für unterschiedlichste Anwendungen im Bereich der Gesundheit und Ernährung zu gewinnen. Am „QuantFung“- Projekt sind acht akademische Organisationen sowie fünf Biotech- Unternehmen beteiligt, die ein interaktives Netzwerk bilden. Das Projekt wird vier Jahre lang mit rund vier Millionen Euro durch die Europäische Union im Rahmen des Marie Curie-Programms gefördert und wird von Professor Vera Meyer von der TU Berlin koordiniert.

Mein Teil- Projekt in „QuantFung“, das von Professor Gerhard Braus betreut wird, beschäftigt sich mit der Fragestellung, ob man spezielle Zellen des Schimmelpilzes Aspergillus nidulans als Produzenten für neue biologische Wirkstoffe nutzen könnte. Diese Zellen, auch Hülle-Zellen genannt, haben bedeutende Funktionen ausschließlich während des sexuellen Entwicklungszyklus dieses Pilzes, da sie möglicherweise durch Produktion von verschiedenen bioaktiven Substanzen dessen vollständige Ausbildung fördern. Ziel ist es, diese Zellen als Plattform für mögliche neue bioaktive Wirkstoffe nutzen zu können. Dazu muss man diese Substanzen mit Hilfe der Systembiologie kennen und deren Stoffwechsel verstehen lernen. Diese Kenntnisse erlauben uns möglicherweise, unter Zuhilfenahme der synthetischen Biologie neue Wirkstoffe auf industriellem Niveau zu produzieren.

Von der Universität Wien habe ich als Rüstzeug mein Wissen in molekularer Genetik/Mikrobiologie und Systembiologie mitgebracht. Besonders reizvoll für mich ist, dass ich dieses Wissen mit dem für mich neuen Feld der synthetischen Biologie kombinieren kann. Ich bin dankbar, dass das Marie Curie-Programm dieses Forschungsprojekt unterstützt und mir damit diese spannende und herausfordernde Aufgabe ermöglicht.

braus_eu

Bayram et al., PloS Genet (2012) 8: e1002816

Sexuelles Entwicklungsstadium des Schimmelpilzes Aspergillus nidulans

Um den Fruchtkörper sind kleinere runde Zellen angelagert, welche man Hülle Zellen nennt (im Bild beige). Diese Zellen haben eine unterstützende Funktion während der Entwicklung des Fruchtkörpers und produzieren möglicherweise zu diesem Zweck bioaktive Substanzen, welche man wiederum in verschiedensten Bereichen nutzen könnte.

Benedict_Dirnberger_kleinBenedict Dirnberger, Early Stage Researcher im „QuantFung“- Projekt an der Georg-August-Universität Göttingen. Das Projekt wird von der Europäischen Union im Rahmen des Marie Curie-Programms gefördert.


Weiterführende Links

Quant Fung

http://intern.mikrobiologie.tu-berlin.de/

Abteilung für molekulare Mikrobiologie und Genetik an der Georg-August-Universität Göttingen

http://www.uni-goettingen.de/en/424383.html



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