Selbsttest: Eine Woche ohne Internet an der Uni am 26. März 2014
ungefähr 4 Minuten
Themen: Internet , Recherche , Studierende

Selbsttest: Eine Woche ohne Internet an der Uni

Das Internet kann im schnelllebigen Zeitgeist der letzten Jahrzehnte wohl nicht mehr als wirklich neue Technologie bezeichnet werden. Und die Errungenschaft des tragbaren Internets in Form von Smartphones und Co., welche zu stetigen Begleitern in unseren Hosensäcken und Handtaschen geworden sind, hat sich auch schon längst zu Alltagsgeräten entwickelt. Sicherlich bringt das viele praktische Erleichterungen im Leben. Morgens in der U-Bahn kann man mal schnell die Mails checken. Mittels WhatsApp ist es einfach und kostengünstig geworden, mit Freunden über die ganze Welt in Kontakt zu bleiben. Möchte ich abends spontan etwas unternehmen gebe ich einfach die Zieladresse bei Quando ein und schon kann ich losbrausen. Aber gibt es nicht auch eine Kehrseite? Wird die ständige Erreichbarkeit nicht zwangsläufig irgendwann zu einer Belastung? Vergeudet man nicht viel zu viel Zeit damit sinnlos auf Facebook herum zu scrollen? Und wie abhängig ist man eigentlich schon vom Internet geworden?

Der Gedanke, eine kleine Auszeit von dieser pausenlosen Verbundenheit zu nehmen, beschäftigt mich schon länger. Vergangene Woche entschloss ich mich schließlich, die unendlich vielen Ausreden nicht mehr gelten zu lassen und für eine Woche ein kleines Selbstexperiment zu starten. Also kappte ich die Internetverbindung auf meinem Handy und beschwor mich auch von meinem Laptop aus, die Finger von Facebook und Co. zu lassen.

Internet und Studium

Wie abhängig ich eigentlich vom Internet bin, wurde mir zum ersten Mal bewusst, als ich nach meiner ersten Vorlesung im neuen Semester einige Bücher ausleihen wollte. Normalerweise kann ich binnen weniger Minuten über die Website der Universitätsbibliothek herausfinden, ob das gewünschte Buch gerade verfügbar ist, in welcher Bibliothek ich es finde und was für eine Signatur es hat.

Da ich jedoch über diesen Luxus die nächsten Tage nicht verfügen sollte, machte ich mich mit meiner Pflichtliteraturliste bewaffnet auf den Weg zu der kleinen Bibliothek der Kultur- und Sozialanthropologie in der Universitätsstraße 7. Dort angekommen versuchte ich zunächst mein Glück beim Handapparat. Vielleicht hat der Professor ja die meiste Pflichtliteratur da bereitgestellt. Leider Fehlanzeige. Als nächstes kam mir der Gedanke, dass ich durch die Themen der Bücher meine Suche einschränken würde können. Das richtige Thema war schnell gefunden. Jedoch stand ich nun vor drei riesigen Bücherkästen mit hunderten von Büchern. Schade, dass es keine Bücherlisten mit Signatur mehr gibt, dachte ich mir. Aber für wen auch? Ungefähr 20 Minuten später hielt ich das erste gesuchte Buch in der Hand. Top! Immerhin eines von fünfen habe ich schon. Mit diesem verließ ich die Bibliothek in Richtung meiner nächsten Vorlesung.

Weitere Erkenntnisse

Durch diese Erfahrung zum Nachdenken angeregt wurden mir noch einige andere Abhängigkeiten vom Internet bewusst. Beispielsweise bei Seminaren, in denen man einer Forschungsgruppe zugeteilt wird. Üblicherweise gründet man dann erst einmal eine Gruppe zum Thema auf Facebook oder Moodle bzw. erstellt einen Emailverteiler zur Kommunikation. Das Seminar fiel dann doch aus, ansonsten wäre mir wohl nichts anderes übrig geblieben, als meine GruppenpartnerInnen die Situation zu erklären und auf nächste Woche zu vertrösten.
Außerdem wollte ich mich innerhalb meines Experiments einmal abends mit einem Freund spontan auf ein Bier treffen. Er nannte mir am Telefon nur die Adresse der Bar und ich kam auch nicht mehr dazu mir genau die Lokalität erklären zu lassen. Da musste ich also meinen Stadtplan zücken, den ich mir ganz zu Beginn meiner Zeit in Wien gekauft hatte und schaute so nach. Ein Glück kenne ich die Gegend doch einigermaßen und musste nicht allzu lange suchen.

Die andere Seite der Medaille

In diesen wenigen Tagen ohne Internet mit ein paar Entbehrungen machte ich jedoch auch eine ganz gegenseitige Erfahrung. Ich kam mehr zur Ruhe. Ich konnte mich selbst nicht quälen, indem ich ununterbrochen mit Freunden chattete, die neuen Reisebilder von Bekanntschaften aus Facebook durchklickte oder noch einen neuesten Artikel über die Krimkrise gleich lesen musste. Als ich einige Tage nach dem Beginn des Experiments morgens auf dem Weg zur Uni war, empfand ich tatsächlich ein Stück weit mehr Ausgeglichenheit, einfach weil ich mal eine viertel Stunde ins dunkle des U-Bahn Tunnels blickte und an nichts besonderes dachte.

Ein Satz ist mir in meiner kleinen Recherche zum Thema „Leben ohne Internet“ besonders in Erinnerung geblieben: „Man darf sich langweilen“. Keine Frage, das Internet ist eine großartige Erfindung in vielen Belangen und ich möchte jetzt auch nicht zum permanenten Aussteiger werden. Aber wenn ich mir nun morgens in der U-Bahn das Meer an gesenkten Köpfen betrachte, die hektisch auf ihren Smartphone herum klicken und sich beim Aussteigen fast umrennen, möchte ich persönlich in Zukunft mein Handy öfter mal in der Hosentasche lassen und mich mit Blick in den dunkeln Tunnel langweilen.



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1 Kommentar

  1. Man könnte es ja so machen: Nur Internetseiten nutzen, die man wirklich für’s Studium bzw. für Leben braucht. Facebook kann man auch so nutzen, dass man es nur für’s Studium verwendet. Man bräuchte nicht mal was bei Facebook posten.

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