September 1461: Ulrich, ‚Bummelstudent‘ und Freund Regiomontans

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Immer dieses Knarren der Bretter, bei jeder Bewegung geben sie ein Geräusch von sich! Ulrich fällt es schwer, dieses unbewegliche Verharren in der Bank, eingespannt wie in einem Schraubstock, es macht die Glieder so steif. Meine Beine sind einfach zu lang, denkt er sich. Vielleicht hängt sein Unbehagen auch mit seinem für das Studieren doch schon fortgeschrittenen Alter zusammen. Der frühe Beginn der Vorlesung  publica publica An der Universität Wien wurden in dieser Zeit zwei verschiedene Typen von Vorlesungen angeboten: privata und publica. Während die erstere Form beim Magister bzw. in der Burse stattfand, wurde die zweite im Lehrsaal gehalten. um 6 Uhr ist auch eine Plage. Fast mit Neid denkt er an seinen ehemaligen Sitznachbarn Johannes Johannes Der im fränkischen Königsberg geborene Johannes Müller, genannt Regiomontanus (1436–1476), war der bedeutendste Mathematiker und Astronom des 15. Jahrhunderts. Er hatte am 15. April 1450 an der Artistenfakultät in Wien immatrikuliert, erwarb 1452 sein Bakkalaureat und wurde 1457 Magister der Artistenfakultät. Er lehrte in Wien bis zum Jahre 1461, begab sich nach Italien und betrieb zuletzt in Nürnberg eine Druckerei. http://www.deutsche-biographie.de/sfz10778.html , der sichtlich immer mit Vergnügen dem Magister und dessen instructiones gelauscht hatte. Kein Wunder, dass dieser bei seinem jugendlichen Alter mit seinen viel kürzeren Beinen auch bequemer saß!

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Ptolemaios und Regiomontanus unter der Weltkugel: Titelblatt von Regiomontans bedeutendstem Druckwerk, Epitoma in Almagestu Ptolemei, Venedig 1496 (aus: Ernst ZINNER, Leben und Wirken des Johannes Müller von Königsberg, genannt Regiomontanus, München 1938, S. V)

Und Ulrich selbst musste ja das Studium immer wieder unterbrechen, nach Hause wandern, weil die Großmutter gestorben war oder ihn der Vater in der Schmiedewerkstatt zu Enns brauchte. Aber dann hatte er sich doch aufgerafft, losgerissen und sich wieder dem Studium gewidmet. Nun will er sich selbst aber beim Schopf packen und fleißig sein; das redet er sich zumindest ein, während er in der Bank stillhält und die Vorlesung doch wieder nur an ihm vorbeiläuft. An den tollen Ausflügen der studiosi in die Weinberge will er sich auch nicht mehr beteiligen, um ja nicht in Händel zu geraten, wie sie sich zwischen den Wienern und den Studenten schon so oft mit grausamen Ausgang mit grausamen Ausgang Solche Auseinandersetzungen sind für die Jahre 1387, 1414, 1420, 1451 und 1455 belegt. Im Jahr 1456 kam es außerhalb der Stadtmauern zu einem Zusammenstoß der Studenten mit Weinhauersknechten und bei diesen Kämpfen zum Tod eines Studenten. Bei den weiteren Schlachten bei Nußdorf gab es wieder einen Toten und mehrere Verwundete. Siehe dazu MÜHLBERGER, S. 76 entzündet hatten. Auch sollte er sich die Haare noch rechtzeitig vor der Anmeldung für die Lizentiatsprüfungen Lizentiatsprüfungen Lizentiatsprüfungen bildeten die Voraussetzung für die Zulassung zur Inceptio und zur Lehrbefugnis. Nur ein Bakkalar wurde zur Inceptio zugelassen, auf welche die Magisterpromotion folgte. Für die mündliche Auskunft sei hier Thomas Maisel, dem Leiter des Archivs der Universität Wien, gedankt. schneiden lassen. Denn er hatte gehört, dass einige der studiosi wegen der krausen und langen Haare nicht zugelassen worden waren. Also, jetzt muss er sich wirklich am Riemen reißen. Endlich war Frieden Frieden Der Friede zwischen Erzherzog Albrecht VI. und seinem Bruder Kaiser Friedrich III. wurde am 6. September 1461 im Feld bei Laxenburg durch die Vermittlung der Räte geschlossen. zwischen dem Kaiser und seinem Bruder geschlossen worden. Die drohende Gefahr hatte bisher ja ebenfalls vom Studium abgelenkt. Man hatte sich an der hoen schuel aber gut gewappnet. Mehl, Speck und Salz waren sogar im Haus des Herzogskollegs gehortet worden, damit bei einer allfälligen Belagerung alle durchhalten könnten. Bezüglich des Glockengeläutes war festgelegt worden, dass langsame Schläge (ictus tardi) einen Brand anzeigen, schnelle beständige Schläge (ictus veloces et continui) sich nähernde Feinde ankündigen sollten. Wenn die Glocke anschlug, hatte sich Ulrich jedes Mal zu Tode erschreckt. Nun aber klingen ihm die Glocken wieder harmonisch.

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