Vienna Conference on Consciousness – Vision von Wissenschaften, die über ihren Tellerrand schauen am 3. November 2015
ungefähr 4 Minuten
Themen: Forschende , Vienna Conference on Consciousness

Vienna Conference on Consciousness – Vision von Wissenschaften, die über ihren Tellerrand schauen

Am 6. und 7. November 2015 wird die dritte  Vienna Conference on Consciousness (VCC) zu Ehren von John Dittami im Festsaal der Universität Wien veranstaltet. Ein Jahr nach dem frühen Tod des ideenreichen und herzlichen Professors für Verhaltensbiologie wird mit dieser interdisziplinären Tagung zum Thema Bewusstsein und freier Wille einer seiner unerfüllten Pläne Wirklichkeit werden und seine Vision weiter in die Welt getragen.
Im Fokus der Konferenz steht heuer die Frage nach dem „freien Willen“, die von der Psychologie und der Biologie über die Philosophie bis hin zur Informatik und den Rechtswissenschaften beleuchtet und diskutiert wird. Dabei wird es auch viel Raum für Studenten und die interessierte Öffentlichkeit geben, Fragen zu stellen und Kritik und Meinungen zu äußern. Der Eintritt ist frei.

John u. Marlen Dittami
John u. Marlen Dittami

Angetrieben, John jene Ehre zu erweisen, die er sich insgeheim wünschte und von unserer Begeisterung für Themen des alltäglichen Lebens, übernahm Marlen Dittami die administrative Organisation – ehrenamtlich und als Mutter der gemeinsamen Tochter von zuhause aus. In unserem Uni Wien Blog erzählt sie mehr darüber…

Der Hintergrund

Seit jeher von verschiedensten Wissenschaften beforscht, wissen wir heute noch immer nicht, was Bewusstsein eigentlich ist. Allerdings beeinflusst es – bewusst oder unbewusst – jede Sekunde unseres Seins. Da die Definitionen und Zugänge der Wissenschaften zum Thema Bewusstsein sehr unterschiedlich sind, bedarf es dringend einem interdisziplinären Dialog.

Bei einem freundschaftlichen Mittagessen zwischen meinem Mann, John Dittami, dem Traumforscher, Allan Hobson, und dem damaligen Dekan, Christian Noe, entstand somit im März 2007 die Idee zur VCC: Mit Vorträgen internationaler Experten, ergänzt durch Beiträge lokaler Wissenschaftler aus diversen Fachrichtungen und der Einbindung des Publikums, wollten die drei einen Raum schaffen, in dem sich neue Fragen und Ideen für all jene auftun, die sich mit Fragen zum Bewusstseins beschäftigen. John ergriff sofort die Initiative und realisierte kurz darauf die erste VCC, die auf großen positiven Widerhall stieß.

John Dittami war ein kreativer und innovativer Geist. So vielseitig wie sein Leben und seine Talente waren auch seine Forschungsinteressen. Als Amerikaner aus Boston

  • studierte er Chemie und Medizin,
  • schrieb Kurzgeschichten,
  • spielte Theater,
  • war Bass-Gitarrist u.a. für Janis Joplin und
  • lief seine ersten Marathons.

Als er mit einem Freund nach Europa kam, lernte er zufällig seinen Doktorvater Konrad Lorenz kennen. Mit 39 Jahren wurde er als Professor für Verhaltensbiologie an die Universität Wien berufen. Als Physiologe und Endokrinologe (Hormone) für Tiere und Menschen lag seine Expertise u.a. in Sachen

  • innerer Uhr
  • Sexualität und Liebesbeziehungen
  • Schlaf, Traum und Bewusstsein

 

John Dittami
John Dittami

 

Durch die Gabe, sein breites und tiefes Wissen aus unterschiedlichsten Bereichen zu verknüpfen, entsprangen aus ihm die kreativsten Ideen. Kein Wunder also, dass ihm der unzureichende Dialog zwischen den Wissenschaften, bei voranschreitender Spezialisierung ein Dorn im Auge war. Mit interdisziplinären Ansätzen, wie der VCC versuchte er diese Entwicklung zu lenken.

 

Die Initiative

Nachdem John im August 2013 einem Hirntumor erlag, versuchte ich eine Veranstaltung in die Wege zu leiten, die zumindest einen Teil seiner Visionen weiterträgt. Ich kontaktierte seine Freunde und Kollegen, die mit der Idee einer dritten VCC den Stein sofort ins Rollen brachten. Sowohl das Rektorat der Universität Wien, als auch jenes der Medizinischen Universität erkannten die Wichtigkeit dieses interfakultativen Dialogs mit dem Plan einer jährlichen VCC.

VCC 2015

John´s Plänen entsprechend geht es heuer um die Frage nach dem “freien Willen”. Aufgrund von Umstrukturierungen konnte sie im Jahre 2009 nicht realisiert werden. Seit Jahrhunderten in der Philosophie diskutiert, nahm sich seit einigen Jahrzehnten auch die Psychologie der Frage an. Studien über die persönlichen Faktoren, die Entscheidungen beeinflussen, führten zu komplexen Modellvorstellungen der Willensbildung. Jedoch vermitteln seit einigen Jahren neurobiologische Gehirnuntersuchungen den Eindruck, dass unser Verhalten vollständig von nicht-bewussten Gehirnprozessen bestimmt wird. Die Lösung ist noch immer offen.fakultätsbild

  • Lassen sich die Laborstudien wirklich auf unsere alltäglichen Entscheidungen beziehen?
  • Wie frei und sich selbst bewusst kann der Mensch denn nun sein?
  • Können Entscheidungen überhaupt frei und überlegt getroffen werden?
  • Und welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die Rechtsprechung oder bei der Schaffung künstlicher Intelligenz?

 

Diese und andere spannende Fragen werden am 6. November ab 18:30 Uhr und am 7. November ab 8:30 Uhr im Festsaal der Universität Wien beleuchtet und diskutiert.

Eine eher unkonventionelle Tagung mit Grenzgängern der Wissenschaften über Themen, die sicher auch Aufschlüsse auf das eigene Selbst bewirken – bewusst oder unbewusst.

Weitere Infos und Anmeldung unter: vcc.univie.ac.at oder marlen.dittami@univie.ac.at



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