am 9. Juni 2015
ungefähr 9 Minuten
Themen: Nebenjob , Studierende

Vollzeitstudent & -mitarbeiter: Der richtige Nebenjob während des Studiums

Denise Steiner ist Studentin an der Uni Wien und schreibt zu diversen Themen auf ihrem Blog over the top. Vor kurzem hat sie sich des Themas „studieren und arbeiten“ angenommen und hier zusammengefasst, was es für Studierende zu beachten gilt:

Für mich war von Anfang an klar, dass ich neben meinem Studium, das ich im Wintersemester 2010 angetreten habe, arbeiten werde. Ich habe das Glück, dass mich meine Eltern unterstützen – dennoch will und wollte ich nie “nur” aus ihrer Tasche leben, wollte mein eigenes Geld verdienen und mir somit auch das ein oder andere neben meinem Studium leisten können. Mein Studium war anfangs immer der Hauptakteur in meinem Leben, der Job wirklich nur dazu da, um Geld daneben zu verdienen. Heute hat sich diese Tatsache komplett geändert – ich musste jede Menge Entscheidungen diesbezüglich treffen und Dinge in meinem Leben verändern. Aufgrund dieser Veränderungen weiß ich inzwischen auch, worüber ich mir eigentlich bereits im Vorhinein Gedanken machen hätte können. Beispielsweise ob ein Nebenjob beim Studium überhaupt möglich ist, welche passenden Arten von Nebenjobs es gibt und vor allem auch welcher Job der richtige für die aktuelle Lebenslage ist.

Ferienjob oder Nebenjob?

Zu Beginn solltest du dich vor allem fragen: Habe ich die Zeit und Möglichkeit neben meinem Studium zu arbeiten?

Es gibt das ein oder andere Studium, das so aufgebaut ist, dass man schlichtweg keine Zeit für eine Arbeit nebenher findet. Zu viele prüfungsimmanente Kurse (was bedeutet prüfungsimmanent überhaupt? ), zu viele Prüfungen mit zu viel Stoff – und zwischendurch hättest du doch gern auch Zeit für dein soziales Umfeld. Oder du möchtest dich einfach komplett auf deine Ausbildung konzentrieren, um so wenig Semester wie möglich investieren zu müssen. Meiner Erfahrung nach lassen jedoch sehr viele Studiengänge einen Nebenjob zu. Sollte es für dich aber nicht möglich sein neben deinem Studium zu arbeiten, bietet sich vor allem die Ferienzeit an, um Geld nebenher zu verdienen. Glücklicherweise sind Studenten mit nicht ganz so wenig Ferien gesegnet – du könntest dir die Arbeit beispielsweise auf Juli, Februar und/oder auch den Dezember aufteilen. Dazu musst du aber noch bedenken: Im Schnitt verdienst du in einem “normalen” Ferienjob etwa € 1500,- Brutto im Monat. Im Vergleich dazu steht das Jahreseinkommen einer geringfügigen Beschäftigung (etwa € 400/Monat), was sich am Ende auf über € 5000,- beläuft.

Geringfügige Beschäftigung oder Teilzeit?

Eine geringfügige Beschäftigung bedeutet, dass du im Monat nicht mehr als € 405,98 (Stand 2015) verdienen darfst. Bist du geringfügig angestellt, ist dein Gehalt/Lohn “brutto wie netto” (sprich, du musst dein Einkommen nicht versteuern). Dazu kommt aber auch, dass du “nur” unfallversichert bist – da du aber noch studierst, sollte es eigentlich ohne Probleme möglich sein, dich bis zu einem gewissen Alter über deine Eltern versichern zu lassen. Ein weiterer Vorteil einer geringfügigen Beschäftigung ist die Tatsache, dass du bzw. deine Eltern bis zu deinem 24. Lebensjahr in Österreich die Familienbeihilfe bzw. das Kindergeld bekommen. Das war beispielsweise für mich entscheidend, als ich mich zwischen einer geringfügigen und einer Teilzeit Beschäftigung entscheiden musste. Meistens arbeitest du geringfügig etwa 10 Stunden pro Woche, du bekommst also für 40 Stunden im Monat etwa € 400,-. Teilzeit beläuft sich oft auf 20-30 Stunden in der Woche und zusätzlich kommen hier Steuer & Versicherung hinzu – das heißt “brutto wie netto” spielt sich hier leider nicht mehr, man verdient aber natürlich auch anders. Ich habe also die Milchmädchen-Rechnung gemacht “geringfügiger Verdienst & Kindergeld mit 10h pro Woche” oder “Teilzeit Verdienst mit min. 20 Stunden pro Woche”. Beim Kindergeld musst du außerdem noch die Jahresgrenze beachten, die sich aber auf mehr als € 10.000 beläuft – die aktuellen Grenzen ändern sich jedoch jährlich. Somit besteht hier auch die Möglichkeit im Sommer auch noch zusätzlich zu arbeiten.

Freelancer oder fixe Anstellungen?

Als Freelancer zu arbeiten bedeutet oft auch ein weitläufiges Feld der Arbeitswelt zu betreten. Meist geht die Arbeit als Freelancer mit Stichwörtern wie “flexibel, unabhängig & eigenständig” einher. Hier gibt es viele Jobs, die auf Honorarnote & einem Werkvertrag basieren, aber auch die Möglichkeit, dass man über eine Agentur angestellt wird und dennoch die Freiheiten besitzt, sich die Arbeitstage und -zeit nach Absprache flexibel und unterschiedlich einzuteilen. Sollte das selbstständig über eine Honorarnote laufen, musst du immer auch bedenken, dass du sozusagen als Selbstständige/r agierst & es auch hier Gesetze und Grenzen gibt, die zu beachten sind. Ein Teil deiner Einnahmen ist steuerfrei – aber nicht alles & du musst dich auch selbst versichern (oder wieder über deine Eltern, bis zu einem gewissen Einkommen & Alter)! Dazu kommt, dass ein regelmäßiges Einkommen nicht immer garantiert ist. Einfacher ist deswegen die Anstellung über eine Freelancer-Agentur – hier werden die beiden Möglichkeiten “Freelancer & Fixanstellung” verbunden.

Foto: Denise Steiner
Bildquelle: Denise Steiner, Over the top by Chris

Wenn du dich dafür entschieden hast, einen Job neben dem Studium in Angriff zu nehmen, solltest du dir in erster Linie darüber im Klaren sein, was du für eine Arbeit ausüben möchtest. Welchen Mehrwert soll die Arbeit für dich bereithalten?

Eine beliebte Tätigkeit neben dem Studium ist es beispielsweise zu kellnern. Selten überschneiden sich die Arbeitszeiten mit den Kursen auf der Universität und generell lernt man jede Menge tolle (und leider auch nicht so tolle) Menschen dabei kennen. Oft verdient es sich zusammen mit dem Trinkgeld auch nicht so schlecht. Irgendwann habe ich mich zum Beispiel dafür entschieden, einen Job zu suchen, der mir mehr für meine Zukunft bringt – mehr Praxis & mehr Erfahrung in dem Bereich, in dem ich mich grundsätzlich karrieretechnisch bewegen möchte. Dieser Wunsch war nicht so einfach umzusetzen, wie es sich möglicherweise gerade liest:

Die Bewerbung

Jeder erstellt früher oder später ein Bewerbungsschreiben und einen Lebenslauf. Fast jeder greift dabei auf die standardisierten Vorlagen der Berufswelt zurück, woran an sich nichts auszusetzen ist – je nachdem welchen Job du dir erhoffst. Generell gilt immer: Umso attraktiver das Angebot, umso mehr Bewerber. Bei einem meiner Jobs habe ich beispielsweise im Nachhinein erfahren, dass innerhalb von wenigen Stunden über 100 Bewerbungen eingegangen waren. Wichtig ist es also unter diesen 100 Bewerbern aufzufallen – bestenfalls mit den eigenen Stärken & dem angelernten Know-How. Sympathiepunkte können im persönlichen Vorstellungsgespräch gewonnen werden, zu diesem musst du aber auch erst eingeladen werden! Aus diesem Grund habe ich penibel darauf geachtet, mein Bewerbungsschreiben etwas außergewöhnlicher zu gestalten – sodass schon beim ersten Lesen auffiel, dass ich mit Worten recht gut umgehen kann. Du musst dich selbst verkaufen & deinem zukünftigen Arbeitgeber klar machen, warum du die beste Besetzung für die ausgeschriebene Stelle bist!

Die Details

Beinahe jede Anzeige lässt die angebotene Stelle zum Traumjob werden. Deswegen kann es durchaus auch vorkommen, dass du beim Vorstellungsgespräch oder auch während der Probezeit merkst, dass diese Arbeit eigentlich nichts für dich ist. Damit du das auch wirklich in dieser Zeit merkst und bei einer Umentscheidung nicht an die Kündigungsfrist gebunden bist: Stell alle Fragen, die dir in Sinn kommen. Lerne deine Kollegen kennen & versuche den Arbeitsalltag kennenzulernen. Erkundige dich also auch vorher, welches Gehalt passend für die Arbeitsstelle und deine Berufserfahrung ist (und besteh auch darauf). Eine Sache, die ich (unter anderem) leider auch lernen musste: Nur weil es sich bei deiner Arbeit um einen Nebenjob und nicht unbedingt um eine Vollzeittätigkeit handelt, heißt das noch lange nicht, dass du nicht dieselben Rechte wie die anderen hast und ein vollwertiger Mitarbeiter bist. Und wenn du am Ende feststellst, dass alles passt & es sich genau richtig anfühlt, kommt der dritte Schritt.

Die Entscheidung

Erst vor kurzem war es bei mir soweit, dass ich an einem Punkt angelangte, an dem ich meine Prioritäten ändern musste. Während der ersten Jahre und bis zum Abschluss meines Bachelorstudiums stand meine Ausbildung immer an erster Stelle, der Job diente nur dem Zweck des Geldverdienens. Mit den wachsenden Aufgaben und dem Wechsel ins Masterstudiums hat sich das jedoch geändert: Genau genommen würde ich sogar soweit gehen, dass ich inzwischen berufsbegleitend studiere – das Studium steht jetzt also offiziell an 2. Stelle. Eine Entscheidung, mit der ich mir sehr schwer getan habe, wollte ich doch stets mein Studium erfolgreich und schnell zu Ende bringen. Dennoch gilt aber: Das Studium rennt dir nicht davon. Wichtig ist nur, dass du es nicht schleifen lässt, wenn du eigentlich die Zeit dafür hättest. Ein passender Job in deinem bevorzugten Karrierebereich bringt dir aber auch vor allem eines: Das Erproben deines Könnens in der Praxis & Berufserfahrung. Die verlangt nämlich eigentlich jeder, will aber selten ohne gegeben werden.

 

Blog: http://c-overthetop.net

Arbeiterkammer Grenzen: http://www.arbeiterkammer.at/Suchergebnis.html?filter=true&searchTerm=geringf%C3%BCgigkeitsgrenze&cats[]=Beratung|Steuer+%26+Einkommen

 

Originale Posts:

http://c-overthetop.net/nebenjob-beim-studium/

http://c-overthetop.net/der-richtige-nebenjob/

 

Denise, Masterstudentin Komparatistik Uni Wien & Bloggerin auf Over the top by Chris. Sie ist gebürtige Vorarlbergerin und wohnt, studiert und arbeitet in Wien. Im Grunde genommen gilt: Sie ist Landei mit Großstadtherz und einem leichten Hang zur Dramatik. Modeliebhaberin, Tagträumerin & Teilzeit-ironisch.

Storyteller & Traveller: Leidenschaftliche Geschichtenerzählerin, die mit Leidenschaft an Fernweh erkrankt ist.

Do schribt a Gsibergerin in Wian!



FAQs zu Deutschkenntnissen, VWU Vorstudienlehrgang, Ergänzungsprüfungen und Zulassung an der Universität Wien

Jüngste Änderungen bei den Anerkennungen von Sprachzertifikaten (ÖSD, Goethe, etc.) für die Zulassung zur Universität Wien haben Fragen aufgeworfen. Wir haben die wichtigsten FAQs im Zusammenhang mit dem Anerkennungsprozess von Deutschkenntnissen und anderen fehlenden Kenntnissen hier gesammelt.   Brauche ich Deutschkenntnisse, um an der Uni Wien zugelassen zu werden? Ja, um an der Universität Wien … Continued


Erfahrungen mit dem Erweiterungscurriculum Naturwissenschaftliches Denken

Erweiterungscurricula (EC) und ihre Lehrveranstaltungen sind Angebote für alle Studierenden, die sie im Studienplan nutzen können.  Eines davon ist das EC Naturwissenschaftliches Denken. Es soll den Studierenden aus anderen Disziplinen Einblicke und Verständnis für grundlegende Gebiete und Methoden der Naturwissenschaften bieten. 2015 wurde es erstmals innerhalb eines Semesters durchgeführt. Inzwischen hat sich das Format bewährt, … Continued


Aus sieben wird acht: Matrikelnummern werden achtstellig

Am 12. Mai 2017 erweitert die Universität Wien die bestehenden Matrikelnummern aller Studierenden auf acht Ziffern. Ab diesem Zeitpunkt sind nur noch achtstellige Matrikelnummern gültig. Wir erklären, warum das passiert, was das genau heißt und welche Änderungen diese Umstellung mit sich bringt. Wieso werden die Matrikelnummern verändert? Bisher hatten Matrikelnummern sieben Stellen. Dieses Matrikelnummernsystem ist … Continued

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Back to top