Vom Studierenden zum Autor von Lukas Pellmann
am 15. Mai 2018
ungefähr 5 Minuten
Themen: AbsolventInnen , Alumniverband , Autor , instawalk , Krimi , Lukas Pellmann

Vom Studierenden zum Autor

Lukas Pellmann ist Alumnus der Universität Wien und Autor. Neben seinen interaktiven Kriminalromanen versorgt er seine Leserschaft zusätzlich mit täglichen WhatsApp-Nachrichten und Kurzgeschichten auf derstandard.at. In diesem Blogbeitrag lest ihr über seinen Werdegang vom Studierenden zum Autor.

Ein Autor mit Faible für Geschichte

Lukas bei einer seiner Lesungen (© Erick Knight)

Das Jahr 1998 war voller bewegender Ereignisse: Frankeich feierte dank Zinedine Zidane seinen ersten Fußball-Weltmeistertitel, die Uni Wien eröffnete ihren Campus und Lukas Pellmann begann sein Studium auf ebenjener Universität. Um ehrlich zu sein, fing ich ja eigentlich erst 1999 an. Da ich jedoch im Sommersemester ’99 zu studieren begann, trägt meine Matrikelnummer bis heute eine „98“. Und das macht aus mir quasi einen 98er.

Dass ich mal studieren werde, war immer irgendwie klar. Die Frage war lediglich, ob es in die eher naturwissenschaftliche (Geographie) oder in die rein geisteswissenschaftliche Richtung (Geschichte) gehen sollte. Da wie dort lauerten Stolpersteine. In der Geographie die Anwendung der mir bis heute großteils unverständlichen Mathematik. In der Geschichte wartete auf den Absolventen eines Realgymnasiums eine Latein-Ergänzungsprüfung.

Ehrenrunde dank Latein

Die Wahl fiel auf Geschichte in Kombination mit Politikwissenschaft, da man damals Geschichte noch nicht allein studieren konnte. Wie auch den nächsten Besuch beim Zahnarzt oder ein unangenehmes Gespräch mit der Chefin schob ich die Gedanken an die Latein-Ergänzungsprüfung so lange vor mir her, wie es nur irgendwie ging. Zumal ich das Latinum als ziemlich unnötig empfand, schließlich lag mein inhaltlicher Fokus immer auf der Epoche der Zeitgeschichte. Und mir ist bis heute kein zentrales Ereignis zum Beispiel in den 1960ern bekannt, bei dem Latein eine tragende (oder auch nur untergeordnete) Rolle gespielt hätte. Dementsprechend schwer fiel es mir, den nötigen Ehrgeiz an den Tag zu legen, wenn es darum ging, mich auf die Prüfung vorzubereiten. Folgerichtig rasselte ich beim ersten Versuch durch (genauso wie bei meiner Führerscheinprüfung, aber das ist ein anderes Thema). Doch ich schaffte die Ergänzungsprüfung im zweiten Anlauf, dank viel Fleiß während eines Sommers und wahrscheinlich auch dank des nötigen Kännchens Glück.

Vieles war anders …

Der Anfang meines Studiums fiel in eine Zeit, als man seine Bücher in der Universitätsbibliothek noch vor Ort (immerhin schon am Computer) bestellen musste. Das Buffet beim Audimax war damals noch ein feines, in die Jahre gekommenes, Beisl und vor Beginn des Semesters wartete man sehnsüchtig auf die gedruckte(!) Version des kommentierten Vorlesungsverzeichnisses. Das Institut für Osteuropäische Geschichte, wegen dessen Lehrveranstaltungen ich damals oft am Uni Wien Campus unterwegs war, hatte erst kurz zuvor seine Räumlichkeiten bezogen. Zwischen den Seminaren hatten es mir – insbesondere in den Sommersemestern – die Innenhöfe mit ihren Rasenflächen angetan.

… manches blieb bis heute gleich

Das dürfte auch heute nicht anders sein, wenn ich zwanzig Jahre nach Beginn und fünfzehn Jahre nach Ende meines Studiums über den Uni Campus schlendere und die zahlreichen – im Vergleich zu mir – jungen Menschen sehe, die die Wiesen und Bänke in Beschlag nehmen. Und auch sonst ist manches seit damals gleich geblieben. Die Hörsäle im Hauptgebäude sind immer noch mit denselben Zahlen durchnummeriert. Und die Lesesäle der Hauptbibliothek und der Fachbibliothek Germanistik bieten nach wie vor eine phantastische Atmosphäre.

Vom Studierenden zum Autor

Lesung im Freien (© Lukas Pellmann)

Während meines Studiums war ich bereits mehr als drei Jahre berufstätig, der Übergang ins Arbeitsleben war also ein fließender. Das hatte nicht nur Nachteile. Um einen Historiker, der zwar sein Studium in Mindeststudienzeit aber ohne jede Berufspraxis absolvierte, rissen sich schon damals die Arbeitgeber nicht besonders. Ein Umstand, der in meinen Augen weniger den Studierenden, als vielmehr unseren gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen anzukreiden ist. Eine möglichst schnelle Absolvierung der Ausbildung und eine möglichst stolperfreie Eingliederung der Studierenden in den ökonomischen Kreislauf – das ist das, was heutzutage mehr zählt, als zum Beispiel eine fundierte humanistische Ausbildung. Es folgten zwei länger andauernde Jobs, die beide nicht gerade für das klassische Anforderungsprofil eines Historikers maßgeschneidert waren. Doch bei beiden profitierte ich zweifellos von den Fähigkeiten, die ich mir während meines Studiums angeeignet hatte. 2015 erschien schließlich mein erster interaktiver Wien-Krimi „Mord im Zweiten“.

Was vom Studium blieb …

Was von der Uni bis heute geblieben ist, sind der Durst und die Neugier nach Wissen und wahrscheinlich auch die Fähigkeit zur Selbstorganisation, die ein grundsätzlich chaotischer Mensch wie ich absolut nötig hat. Es blieb die Freude an der Auseinandersetzung mit der deutschen Sprache sowie die Fähigkeit, Projekte langfristig zu planen und umzusetzen, anstatt lediglich auf das schnelle Ergebnis zu setzen. Was ebenfalls geblieben ist, sind die Fähigkeit, sich abseits des Internets Wissen anzueignen sowie ein kritischer Geist, der dafür sorgt, dass nicht alles Vorgesetzte automatisch für Gegeben gehalten wird. Und noch auf einer anderen Ebene habe ich von meinem Studium profitiert: Denn den Taufpaten für meinen im Vorjahr auf die Welt gekommenen Sohn hätte ich ohne Vorbereitungskurs auf die Latein-Ergänzungsprüfung nie kennengelernt.

(© Universität Wien)

 

Lukas gestaltet im Rahmen um unseren #Instawalk 2018 am Campus der Universität Wien eine Kurzgeschichte auf derstandard.at, bei der IHR mitschreiben könnt.

Drama oder Happy End? Ihr entscheidet! :)

 

 

 


Lukas Pellmann

Lukas Pellmann ist Autor und lebt in Wien. 2015 erschien sein erster interaktiver Kriminalroman „Mord im Zweiten“, bei dem man dem Ermittler-Duo Vera Rosen und Moritz Ritter via Instagram, WhatsApp & Co folgen und selbst Teil der Handlung werden konnte. Es folgten „Hängende Spitze“, „Instamord“ und „Ehrenrunde“. Im Juni 2018 erscheint im Verlag text/rahmen „Prater – Ein dystopischer Heimatroman“. Lukas Pellmann ist das Autorenpseudonym von Philipp Schneider, der 1979 geboren wurde und zwischen 1999 und 2004 an der Universität Wien studiert hat.
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