Von der Wissenschafts- zur Architekturforschung

Modell von Bethan Watson

Bernhard Böhm ist Absolvent der Universität Wien. Wie sein Studium der Soziologie und Science-Technology-Society an der Universität Wien seinen Weg prägen, erzählt er im Blog:

Mein Name ist Bernhard Böhm, seit September 2015 bin ich wissenschaftlicher Assistent und Doktorand an der ETH Zürich und beschäftige mich aus sozialwissenschaftlicher Perspektive mit Architektur.

Bevor ich in die Schweiz ging, schloss ich an der Universität Wien ein Bachelorstudium der Soziologie und das Masterstudium der Wissenschafts-und Technikforschung (Science-Technology-Society) ab.

Für das Studium der Wissenschafts- und Technikforschung entschied ich  mich aus zwei Gründen. Einerseits haben mich die Inhalte der Soziologie begeistert. Ich war fasziniert davon zu lernen, wie komplex alltägliche soziale Interaktionen ablaufen und wie sich unser Zusammenleben sozial strukturiert. Andererseits habe ich ein Interesse für Kunst entwickelt und während, zwischen und nach meinem Studium immer wieder im Bereich der neuen Medienkunst gearbeitet. Im Rahmen dieser Tätigkeit fand ich vor allem all jene Projekte spannend, in denen es nur mehr schwer möglich war zwischen Kunst, Technologieentwicklung und Wissenschaft zu unterscheiden.

Ein fließender Übergang

Die Wissenschafts- und Technikforschung hat mir ermöglicht, beide Interessen zu verbinden. Während meines Masterstudiums konnte ich mein sozialwissenschaftliches Wissen weiter vertiefen. Darüber hinaus haben mir die Ansätze der Wissenschafts- und Technikforschung geholfen, die verschwimmenden Grenzen zwischen Wissenschaft und Kunst besser zu verstehen bzw. eine hinterfragend-analytische Haltung dazu einzunehmen.

In der Schweiz habe ich nun die Möglichkeit bekommen, meinen Forschungsinteressen in einem interdisziplinären Umfeld nachzugehen.

Im von der ETH Zürich finanzierten Projekt „Akademisierte Architektur: Entwurf als Forschungspraxis“ – das gemeinsam vom ETH Wohnforum, dem Institut für Geschichte und Theorie der Architektur und der Professur für Wissenschaftsforschung durchgeführt wird – beschäftige ich mich mit der Frage, wie in der Architektur geforscht wird. Ich betreibe also sozialwissenschaftliche Forschung über Forschung in der Architektur. Dabei interessiert mich vor allem wie Wissenschaftspolitik und die Veränderung von künstlerisch-ästhetischen Disziplinen an Hochschulen und Universitäten miteinander in Verbindung stehen.

Warum Architektur?

Architektur ist in diesem Zusammenhang ein besonders interessantes Feld, da sie sich weniger als forschungsbasierte Disziplin an Universitäten institutionalisiert hat, sondern als professionelle, berufsorientierte Ausbildung, in der v.a. visuelle Praktiken des Entwerfens eine zentrale Rolle spielen.

Diese Struktur befindet sich aber im Wandel. An Universitäten wird es immer wichtiger, Gelder über die Durchführung von Forschungsprojekten einzuwerben und wissenschaftliche Publikationen zu veröffentlichen. Für Architekturdepartments bedeutet diese verstärkte Forschungsorientierung, dass Forschungsstrukturen aufgebaut werden müssen.

Clay Robotics von Guan Lee © Vicente Soler

Clay Robotics von Guan Lee © Vicente Soler

Vor diesem Hintergrund interessiere ich mich für folgende Fragen:

1.) Wie gehen ArchitektInnen an Universitäten mit dieser zunehmenden Forschungsorientierung um?

2.) Wie wird Forschung in der Architektur verstanden und praktiziert?

3.) Wie verändert eine zunehmende Forschungsorientierung die Lehre der Architektur?

Da die Debatten über Forschung in der Architektur in Kontinentaleuropa gerade erst beginnen, führe ich meine eigenen Untersuchungen in England und den USA durch; zwei Länder, die sich bereits seit über zehn Jahren mit dem Thema Architektur und Forschung beschäftigen. Bisher habe ich jeweils drei Monate an zwei Architekturschulen in England verbracht und zurzeit bin ich auf Forschungsreise in New York.

Durch Interviews mit ArchitektInnen versuche ich herauszufinden, was an den unterschiedlichen Architekturdepartments unter Forschung verstanden wird und wie architektonische Forschung betrieben wird. Darüber hinaus führe ich Beobachtungen in den Entwurfsstudios der Studierenden durch, um einen Eindruck davon zu bekommen, inwieweit Forschung eine Rolle in der Lehre spielt.

Mein Fundament

Mein Zugang ist dabei stark von meinem Studium der Soziologie und Wissenschafts- und Technikforschung an der Universität Wien geprägt. Im Rahmen meines Bachelorstudiums konnte ich mir Theorien und Methoden der Soziologie aneignen, auf die ich noch heute zurückgreife. Das Masterstudium der Wissenschafts- und Technikforschung erlaubte mir darauf aufbauend ein analytisches Verständnis der vielfältigen Beziehungen von Wissenschaftspolitik, gesellschaftlichen Vorstellungen und Normen und wissenschaftlicher Praxis zu erwerben. Vor allem im Rahmen meiner Masterarbeit zur Forschung in der Kunst konnte ich bereits während meines Studiums am eigenen Leib erfahren, was es heißt, ein kleines Forschungsprojekt durchzuführen. Das hat mir sowohl bei meiner Bewerbung an der ETH Zürich als auch bei der Umsetzung meiner jetzigen Forschung sehr geholfen.

Es ist daher nicht übertrieben zu sagen, dass mein Studium an der Universität Wien das Fundament bildet auf dem meine gegenwärtige Arbeit aufbaut, und das es nach wie vor ein wichtiger Bestandteil meiner eigenen Forschungspraxis ist.

Interesse am Studium geweckt? Hier gibt’s alle Infos zum Studienangebot.

Titelbild: „Modell von Bethan Watson/Foto: Bernard Böhm“

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