Von Wüsten, Bergen und Gesichtern am 23. Mai 2014
ungefähr 5 Minuten
Themen: Exkursion , Saudi Arabien , Studierende

Von Wüsten, Bergen und Gesichtern

Eine Gruppe von 20 Master-Studierenden, vier MitarbeiterInnen des Instituts für Orientalistik der Uni Wien und zwei Mitarbeitern des saudischen Kulturbüros in Wien ist zurzeit auf Studienexkursion in Saudi Arabien. Die Studierenden schicken uns laufend ihre Erfahrungsberichte (Teil 1: In Anzug und Abaya durch Arabia) direkt von der Exkursion.Lea Müller-Funk beschreibt parallel die Reise aus ihrer Sicht, den Beitrag findet ihr hier.

Dscheddah ist jetzt schon eine Woche her.
Ab der Hälfte verging die Zeit auf unserer Exkursion wie im Flug. Auch wir flogen oft: Von Dscheddah nach Abha (im Südwesten), dann nach Tabuk im Norden (in der Nähe der jordanischen Grenze) und wieder zurück nach Dscheddah. Schließlich von dort aus über Kairo nach Wien.

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Kurze Buspause auf dem Weg nach Dammam (Foto: Natanja Faschinger).

 

Konferenzen und ihre Schattenseiten

Der erste Teil unserer Reise hatte einen sehr offiziellen Charakter. Wir besuchten als „österreichische Delegation“ eine Menge saudischer Universitäten und anderer kultureller Einrichtungen. Bei allen Konferenzen und Besuchen bekamen wir reichlich Süßigkeiten, Datteln, Säfte, Tee und typischen gelben saudischen Kaffee serviert. Wir erlebten also eine  Gastfreundschaft, bekamen aber auch ihre Schattenseite zu sehen. Bedient wurden wir meist nicht von Saudis, sondern von Asiatinnen oder Äthiopiern. Ähnliches galt bei unseren Taxi- und Busfahrern oder den Hotelbediensteten. Ein Großteil der Dienstleistungen im Land werden von Migrantinnen und Migranten ausgeführt. Ein großer Bereich neben der Gastronomie ist häusliche Arbeit. Auch die florierende saudische Baubranche wird von ausländischen Arbeitskräften getragen. Das Problematische an der Sache sind vor allem die prekären Arbeitsbedingungen dieser Migrantinnen und Migranten und ihr ungenügender rechtlicher Schutz. Es ist uns unangenehm, als Hotelgäste letztendlich am oberen Ende einer Ausbeutungskette zu stehen. Wahrscheinlich tun wir das auch in Österreich öfter als uns bewusst ist, aber weniger direkt und offensichtlich.

Ein Tag in Mekka

Nach diesem offiziellen Teil reisten wir gegen Ende wie eine wie eine „normale“ Touristenreisegruppe durch das Land. Oder eben nicht so normal, da das Land  kaum touristisch ist. Abgesehen vom religiösen Tourismus nach Mekka und Medina.
Auch wir hatten fünf Musliminnen in der Gruppe. Für sie wurde extra eine Fahrt nach Mekka, eine richtige Umra, organisiert. Die Umra ist die kleine Pilgerfahrt nach Mekka und besteht aus dem Umkreisen der Kaaba und dem Hin- und Herlaufen zwischen zwei Hügeln neben der heiligen Moschee. Alles zusammen dauerte einige Stunden. Es war eine ganz besondere Gelegenheit für unsere Kolleginnen,  die heilige Moschee in Mekka zu sehen und vor allem natürlich die Kaaba, das spirituelle Zentrum des Islams. Je nach Frömmigkeitsgrad erlebten sie die Pilgerfahrt unterschiedlich. Für einige war es einfach interessant, die Stätten zu sehen, die man von Bildern und aus dem Fernsehen kennt und die für Millionen von Pilgern eine so große Bedeutung haben. Für andere war es ein sehr emotionales spirituelles Erlebnis.

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Bei der Umra in Mekka (Foto: Nadia Said)

 

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Zu Besuch im Dorf Ridschal Alma im Asir (Foto: Natanja Faschinger)

Gebirgswind

Am Montag, unserem ersten Tag in Abha, besuchten wir noch eine letzte Universität. Die Direktorin war eine ruppige Bergfrau und sehr direkt. Sie fragte uns nach unter anderem, was unser Institut denn für die Verbreitung des Islams täte und war unzufrieden mit unserer Vorliebe für Dialekte. Zumindest war sie ehrlich. In Riad sind wir manchmal ähnlichen Meinungen begegnet, nur halt geschliffener und diplomatischer verpackt.
Am Nachmittag gingen wir auf den traditionellen Wochenmarkt. Wir kauften jede Menge Datteln und probierten den im ganzen Land berühmten Gebirgshonig. Am gleichen Ort allerdings machten wir mit der berüchtigten Religionspolizei Bekanntschaft. Eigentlich unscheinbar durchstreifte ein Vertreter den Markt und rügte einige von uns: Bei einem Mädchen schauten zu viele Haare aus dem Kopftuch, zwei Burschen wurden zurechtgewiesen weil sie laut lachten oder rauchten. Gott sei Dank blieb es aber bei einer Rüge.
Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Bus durch Gebirge und Tihama in das Dorf Ridschal Alma. Seine hohen schmalen Häuser aus Schiefergestein sind nicht mehr bewohnt, wurden aber zum Teil renoviert und bilden jetzt ein recht familiäres Freilichtmuseum. Sowohl zum Mittag- als auch zum Abendessen lernten wir die saudische Gastfreundschaft in einer neuen Dimension kennen: ein halbes Lamm lag auf einem Berg von Reis in der Mitte des Tisches. Mit Augen, Zunge, Magen ect. Es wurde mit Beilagen wie Buchweizen und Gemüse und mit Honig serviert. Dazu bekamen wir einen Einblick in das Brauchtum der Asirregion in Form von Liedern, Tänzen und traditioneller Kleidung.

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Felsengrab in Mada’in Saleh (Foto: Natanja Faschinger)

Zum Abschied Weltkulturerbe

Die nächste touristische Sehenswürdigkeit wartete in Madain Saleh auf uns – und zwar nur auf uns. Wir waren die einzige Touristengruppe an diesem Tag. Und da also nicht die Gefahr bestand, dass wir von irgend jemandem gesehen würden, durften wir die Abayas ausziehen. Eine Erleichterung, nicht in Schwarz durch die Mittagshitze zu wandern! Madain Saleh ist Weltkulturerbe, eine Gräberstadt der Nabatäer aus dem ersten Jahrhundert. Faszinierende in den Stein gehauene Fassaden verteilen sich auf den Felsen, die gelb-orange aus der saudischen Wüste ragen. Am nächsten Tag begann die Heimreise.

Hat diese Reise unseren Blick auf Saudi-Arabien verändert? Unser Bild ist sicherlich vollständiger und ausgewogener geworden. Es war viel wert, dieses Land  als „ganz normales Land“ kennen zu lernen – seine Sehenswürdigkeiten, seine Menschen, seine Bildungslandschaft, seinen Alltag und seine dynamischen Veränderungsprozesse. Ein kritischer Blick bleibt. Aber gleichzeitig haben wir jetzt einen persönlichen Bezug, der unser Bild vollständiger macht.
Abgesehen von vielen Referaten waren wir auch künstlerisch kreativ in Saudiarabien: Hier unser „Happy in Jeddah, KSA. Austrian Version“ – Video: https://www.youtube.com/watch?v=NchzLtel3eY




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