Ziemlich genau ein Jahr ist es her

Ziemlich genau ein Jahr ist es her, aber ich erinnere mich noch an jede Kleinigkeit: das Läuten des Weckers ist die Erlösung von einer schlaflosen Nacht, im Radio spielen sie aus unerklärlichen Gründen „Mmmbob“ von den Hansons und mein Gehirn fühlt sich wie undefinierbarer Brei an. Ja, das war er, der große Tag, auf den ich jahrelang hingearbeitet habe und auf den das Studentenleben letztendlich hinausläuft: der Tag der Diplomprüfung und wenn alles gut läuft, der letzte Tag des Studiums.

Ist alles gut gelaufen? Ja! Hat es sich genauso großartig und grandios angefüllt wie ich erwartet hatte? Nein! Jahrelang hatte ich mich um Seminarplätze geprügelt, die Bürokratie auf der Uni verflucht, die Nächte vor Prüfungen und Abgabeterminen auf Schlafentzug verbracht und alles immer in der Gewissheit, das Ende des Studiums würde sich wie ein innerliches Feuerwerk anfühlen. Und da kam sie, leise und unverhofft, absolut überraschend und daher total überwältigend, die Wehmut! Quasi eine Poststudium-Depression. Denn das Ende des Studiums bedeutete nun mal auch, ein Lebensabschnitt war zu Ende gegangen. Das hieß so viel wie den Schoß der Alma Mater zu verlassen um die nächste Etappe anzugehen. Eine Etappe über welche ich mir Gedanken gemacht, über die ich aber dennoch keine konkreten Vorstellungen hatte. Was geholfen hat? Ferien! Ebenso wie die Erkenntnis, dass es vielen anderen ähnlich geht und Übergänge eben auch Herausforderungen sind.

Mittlerweile habe ich mich doch daran gewöhnt Akademikerin zu sein, zur Welt der berufstätigen Menschen zu gehören und keinen Studentenrabatt mehr im Kino zu bekommen. Klar, denke ich trotzdem noch gerne an meine Studienzeit zurück, an damals, zu Beginn des Studiums, als im NIG der Paternoster noch fuhr oder das Audimax auf der Hauptuni wochenlang besetzt war. Natürlich erinnere ich mich auch an die vielen Vorlesungen, denen ich am Boden sitzend lauschen durfte, weil ich keinen Sitzplatz hatte oder an zahlreiche Seminare, für die ich keinen Restplatz ergattern konnte. Ich stelle fest, dass ich kein einziges Semester den Mensasammelpass vollbekommen habe und mein Bedürfnis nach Automatenkaffee für den Rest meines Lebens gestillt ist. Ob ich dann noch immer wehmütig werde? Ein bisschen. Werde ich jemals wieder an die Alma Mater zurückkehren? Klar, im Herbst! Diesmal aber am Post Graduate Center.

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