am 27. November 2014
ungefähr 5 Minuten
Themen: AbsolventInnen , Stockholm , studierendenalltag , Wien

Zwei Stunden Sonne und trotzdem glücklich

Johanna hat letztes Jahr ihren Bachelor in Publizistik und Spanisch an der Uni Wien abgeschlossen. Inzwischen absolviert sie ihren Master in Stockholm und schreibt selbst einen student blog für die Uni dort (KTH): https://www.kth.se/blogs/johanna/ Da sie das Studierendenleben sowohl in Wien als auch in Stockholm kennt, hat sie die unterschiedlichen Erfahrungen für uns beschrieben.

Fast drei Monate lebe ich nun schon in diesem Land, wo die Farben blau und gelb überall auftauchen und „Köttbullar“ Nationalgericht ist: Schweden! Wie lebt es sich hier so als Studentin? Und was vermisse ich an Wien?

Schweden026


Mein Schwedischer Studentenalltag

8.00 –Media Management

Los geht’s mit dem ersten Kurs. Nachdem ich in Wien meinen Bachelor in Publizistik und Spanisch abgeschlossen habe, fand ich den für mich perfekten Master an der KTH, der technischen Uni in Stockholm: Media Management (https://www.kth.se/en/studies/master/kth/mediamanagement/master-s-programme-in-media-management-1.8554).

Im Uni-Alltag gibt’s einige Unterschiede für mich: Publizistik wird oft als das Massenstudium schlechthin genannt, hier sind wir nur ca. 15 StudentInnen in meinem Master. Group work wird groß geschrieben in Schweden. Sogar Arbeiten können teilweise zu zweit oder zu dritt geschrieben werden! Generell habe ich das Gefühl, dass es weniger ums Auswendiglernen und mehr ums Anwenden, Umsetzen und Projekte machen geht.


10.00 – Freak unter Geeks

Wenn ich Zeit zwischen den Kursen habe, verbringe ich sie meistens in der Bibliothek um zu lernen oder meinen Blog (https://www.kth.se/blogs/johanna/), den ich für die Uni schreibe, zu aktualisieren.

Titelbild meines Blogs mit Blick auf die südliche Insel Södermalm
Titelbild meines Blogs mit Blick auf die südliche Insel Södermalm

Die Bibliothek ist sehr gemütlich, aber viel kleiner als die Wiener Universitätsbibliothek und ihre unzähligen Fachbereichsbibliotheken, mit dem großen „Harry Potter“-Lesesaal mit seinen grünen Lampen und den knarrenden Holzstühlen, den ich übrigens sehr vermisse.

Erst seit ich hier studiere ist mir klar, wie riesig die Uni Wien ist, wenn man die StudentInnen-Zahlen anschaut. Laut Wikipedia sind es rund 92.000! Hier an der KTH gerade mal 14.000. Während meine FreundInnen an der Uni Wien Geschichte, Englisch oder Politikwissenschaften studierten, bin ich hier, einer technischen Uni, von angehenden Ingenieuren und Informatikern umgeben. Ich bin sozusagen der freak unter den geeks ;-) Das sehe ich durchaus sehr positiv, da ich spannende neue Perspektiven kennenlerne. Es gibt zahlreiche internationale StudentInnen in Stockholm, wodurch ich nicht nur die Schwedische, sondern viele verschiedene Kulturen kennenlerne.

Außer Kebab gibt’s in Stockholm auch "tunnbrödsrulle", ein Wrap mit Kartoffelpüree und Wurst.
Außer Kebab gibt’s in Stockholm auch „tunnbrödsrulle“, ein Wrap mit Kartoffelpüree und Wurst.

12.00 – Mikrowellenschlangen

Die Schweden sind sehr pünktlich, besonders beim Mittagessen. Um 12 bilden sich lange Schlangen vor den zwei Restaurants und den Mikrowellen am Uni-Campus. Die Mikrowellen sind sehr beliebt, denn eigenes Essen bringen ist ein guter Tipp, um Geld zu sparen (und das muss man hier). Am Kebab Stand lässt man schnell mal 7€ und mehr liegen! Wie ihr euch vorstellen könnt, vermisse ich die Wiener Bäckereien und Würstelstände sehr. Nach einiger Zeit lernt man aber zum Glück genügend Lokale kennen, wo man günstiger durchkommt.

 

Kannelbular
Kanelbullar – Schwedische Zimtschnecken

15.00 – Fika statt Melange

Nach weiteren Kursen an der Uni wird es

Zeit für einen Koffeinschub! Geht man in Wien auf eine Melange, dann macht man hier fika. Das heißt so viel wie Kaffeepause und ist ein wichtiges soziales Ereignis in Schweden. Kürzlich habe ich gelesen, eine Einladung zur fika abzulehnen sei sozialer Selbstmord. Zum Kaffee gibt’s kanelbullar, leckere Zimtschnecken, von denen ich nie genug kriegen werde.

15.30 – Nachts um halb vier

Jetzt, im November, ist es um vier Uhr nachmittags stockdunkel. Wegen der Dunkelheit und der Kälte haben mich viele für verrückt erklärt, als ich beschlossen habe, nach Schweden zu kommen. Ja, das Wetter ist momentan nicht so erquickend. Laut den Meteorologen gab es in der ersten Novemberhälfte nur zwei Sonnenstunden!

Bis jetzt habe ich aber keine Depressionen, für mich gibt es ganz einfache Gegenmittel: Trotzdem etwas unternehmen, FreundInnen treffen, Sport machen (darum sind wohl viele Schweden SportfanatikerInnen) und fredagsmys, die „Freitagsgemütlichkeit“. Das heißt so viel wie ein angenehmer Freitag Abend mit Familie und FreundInnen im warmen Heim.

Bucht im Stockholmer Zentrum am Abend
Bucht im Stockholmer Zentrum am Abend

17.30 – Vom „hoi“ zum „hej“

Zeit für den Schwedisch Kurs. Mein Vorarlberger „hoi“ habe ich inzwischen durch das Schwedische „hej“ ersetzt. Unbedingt brauchen wird man Schwedisch als StudentIn aber nicht. Von den Uni-ProfessorInnen, über SupermarktkassierInnen bis hin zu den HausmeisterInnen sprechen alle perfektes Englisch!

Großer Andrang am ersten Tag des Schwedisch Kurses auf der Uni.
Großer Andrang am ersten Tag des Schwedisch Kurses auf der Uni.

Meine Abende enden meist mit Salsa tanzen (das ist unglaublich beliebt in Stockholm), Abendessen mit FreundInnen (z.B. das Nachos-Buffet mit Bier um 4€ – ja so was gibt’s tatsächlich hier!) oder Einkaufen gehen (Supermärkte haben bis 22.00 Uhr und auch Sonntags offen).

Obwohl ich meine Studententage in Wien vermisse, bin ich trotz Kälte und Dunkelheit sehr glücklich in Stockholm und würde es als Studien- oder Erasmusdestination auf jeden Fall weiterempfehlen. Mehr über das Studentenleben in Schweden könnt ihr auch auf meinem Blog lesen: www.kth.se/blogs/johanna



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