2 Städte – 1 Jahr Erasmus

Nach zwei Erasmus-Semestern ist Politikwissenschaft-Studentin Edwina Al-Khalil nach Wien zurückgekommen und hat dabei auch einige Tipps für euch mitgenommen. Im Beitrag erzählt sie über ihre Erfahrungen und beschreibt do’s and don’ts bei Auslandsaufenthalten.

Seit Beginn meines Studiums wollte ich ein Jahr im Ausland studieren. Da es jedoch beim Erasmusprogramm so viele interessante Destinationen gibt und ich mich einfach nicht entscheiden konnte und wollte, entschloss ich mich kurzerhand dazu, das Jahr auf zwei verschiedene Gastuniversitäten aufzuteilen.

Gesagt – Getan.

Liege – Montagne de Bueren

Erstes Semester: Liège, Belgien

Mein erstes Semester verbrachte ich in Liége, einer Stadt an der Maas in der französischsprachigen Region Wallonien in Belgien. Hier besuchte ich die Université de Liège und hatte meine Kurse an der Fakultät für Politikwissenschaft und Recht. Die Leistungsanforderungen waren höher als gedacht, auch deshalb, weil ich nur Masterkurse belegte. Obwohl ich sehr viel zu tun hatte, genoss ich es doch sehr, so gefordert zu werden . Dabei haben sich mir viele neue Blickwinkel auf verschiedenste Themen aufgetan, von denen ich zuvor nur wenig bis kaum etwas gelernt hatte. Erfrischend war auch, junge internationale StudentInnen aus aller Welt kennenzulernen, mit denen ich abends oft bei einem Bier die gelernten Themen diskutieren konnte. Das Leben in Liège war anders als in Wien, da die Stadt um einiges kleiner ist.

Ostende in Belgien

Gelebt habe ich mit fünf anderen internationalen KollegInnen in einem „Kot“, so nennt man dort die Wohnungen oder Häuser, die von Studierenden bezogen werden. Durch einige praktische Facebook-Gruppen habe ich leichter eine Wohnung gefunden, als am Anfang befürchtet. Die Stadt ist voller StudentInnen und obwohl sie relativ klein ist, ist am Abend immer viel los. Das Le Carré bietet eine riesige Auswahl an Clubs und Bars für jeden Geschmack. Aus akademischer Sicht war Belgien bei weitem die beste Wahl, denn obwohl das Unileben dort sehr anspruchsvoll und die Professoren fordernd waren, habe ich erst hier mein Studium lieben gelernt. Im Gegensatz zu den Kursen, die ich in Wien belegte – meist sehr theoriebezogen -, lag der Fokus hier auf praktischer Umsetzung.

 

 

Zweites Semester: Krakau, Polen

Krakau Old Town

Für mein zweites Auslandssemester – in Krakau – war die Wohnungs- bzw.  Zimmersuche dann doch eine Spur aufwendiger. Als ich von meiner Gastuniversität für ein Zimmer im Studentenheim abgelehnt worden war (angeblich aufgrund begrenzter Anzahl an Betten), hatte ich nur mehr eine Woche Zeit einen anderen Schlafplatz für die nächsten Monate zu finden. Nach langem Suchen rettete mich Facebook ein weiteres Mal und so zog ich am Tag meiner Ankunft in Krakau mit 4 jungen, internationalen StudentInnen zusammen in eine WG.

Die Stadt war nun etwas größer als Liège und auch von der Architektur und den Vibes erfrischend anders. In Bezug auf das akademische Leben, hatte ich mich – um ehrlich zu sein – schon im Vorfeld darauf eingestellt, dass es im Vergleich zu Belgien etwas „lockerer“ ablaufen würde. Verwundert war ich dennoch von dem unglaublich guten Englisch meiner ProfessorInnen, da mir einige Freunde zuvor erzählt hatten, dass das in Krakau nicht immer der Fall ist.

Czorzstyn in Polen

An der Universität Jagiellonski, die übrigens als beste Universität des Landes gilt, war ich an der Fakultät für European Studies eingeschrieben worden. Leider hatte ich jedoch nach meiner Ankunft massive Probleme mit meinem Learning Agreement, da es viele Kurse plötzlich entweder doch nicht gab, sie abgesagt wurden, weil sich zu wenige angemeldet hatten oder sie sich mit anderen Kursen, die ich ebenfalls belegen wollte, überschnitten. Die Suche nach neuen Kursen, die ich mir für mein Studium anrechnen lassen konnte, gestaltete sich dann etwas schwierig und auch das Abändern der Dokumente war für mich mit sehr großem Zeitaufwand verbunden. Mein Fazit: Krakau war mit Sicherheit die größte Überraschung des ganzen Jahres. Die Stadt besticht mit der wunderschönen Altstadt und dem jüdischen Viertel. An jeder Ecke gibt es kleine Cafés, die an Omas Wohnzimmer erinnern und auch kulinarisch ist für jeden etwas dabei. Gerade als StudentIn mit begrenztem Budget kommt man in Polen voll und ganz auf seine Kosten.

 

Nach meinen Erfahrungen mit zwei unterschiedlichen Erasmus-Studienplätzen, habe ich euch hier einige do‘s and don’ts zusammengefasst:

DO‘S

WG suchen: Der Grund, weshalb ich in Krakau anfangs in ein Studentenwohnheim wollte, war rein aus Interesse daran, einmal beide Welten zu erleben. Als ich jedoch nicht angenommen wurde, war ich im Nachhinein sehr erleichtert, da ich nur Horror-Stories darüber gehört hatte. Deshalb empfehle ich generell allen, die die Möglichkeit haben, sich eine WG mit anderen jungen internationalen Studierenden zu suchen. Im besten Fall lernt man dadurch Freunde fürs Leben kennen. Man ist einfach etwas enger beisammen und kann auch am Wochenende bzw. an jedem beliebigen Wochentag in Ruhe schlafen, ohne sich Ohropax besorgen zu müssen, weil 24/7 Partys veranstaltet werden. Zudem durfte ich einladen, wen ich wollte! Familie und Freunde konnten ohne Probleme bei mir übernachten. In den Heimen in Krakau und Liège war das damals nicht der Fall.

Frühzeitig planen: Sei es die Wahl der Kurse oder die Wohnungssuche, je früher man beginnt, desto mehr Stress und Tränen erspart man sich am Ende. Vor allem, wenn man merkt, dass es eigentlich noch so viele andere Sachen zu erledigen gäbe…denn glaubt mir, das gibt es.

Wo suchen: Facebook hat sich bei mir für die Wohnungssuche am besten bewährt. Es gibt allerdings für jedes Land individuelle Internetseiten. Passt dabei aber auf, keinen Betrügern auf den Leim zu gehen bzw. überteuerte Mieten zu akzeptieren. Am besten ist es, sich vorher etwas schlau machen, wie hoch die Mieten im Durchschnitt im jeweiligen Land sind.

Zeit genießen: Niemand versteht besser als ich, dass man auch im Ausland etwas fürs Studium weiterbringen möchte. Trotzdem sollte man, wenn man in einem neuen Land lebt und das Erasmusprogramm nutzt, auch die Kultur des Landes, die Menschen und Orte kennenlernen. Also genieß es! Geh raus, tue was dir Spaß macht, verbringe Zeit mit anderen Studierenden und wachse an der Erfahrung.

Don’ts

Verzweifeln: Alle, die sich für ein Auslandsjahr oder -semester entscheiden, kommen früher oder später an einen Punkt, an dem man der Verzweiflung nahe ist. Du bist also nicht alleine. Wenn du Hilfe brauchst, frag nach! Du kennst dich mit dem Unisystem und den Anmeldungen an der Gastuniversität nicht aus? Frag nach! Du weißt nicht, wo sich dein Kurs morgen befindet? Frag nach! Du hast Stress mit deinem Vermieter? Frag nach! Been there – done that.

Nur unter sich bleiben: Die Spanier tun es, die Italiener tun es, ja sogar die Franzosen. Begehe nicht denselben Fehler und bleibe nur unter Leuten, die deine Sprache sprechen. Du bist auch hier,  um neue internationale Leute kennenzulernen und in andere Kulturen einzutauchen. Sei offen!

Besuch Non-Stop: Für manche wird es das erste Mal alleine im Ausland sein, noch dazu für einige Monate. Da ist es klar, dass manche das Heimweh packt. Man muss sich erst an neue Situationen gewöhnen und wächst mit der Zeit daran. Familie oder Freunde zu Besuch zu haben ist da manchmal eine willkommene Abwechslung und ein Stück Heimat in der Fremde. Aber vergiss nicht: deine Liebsten siehst du in wenigen Monaten wieder, die Erfahrung hier ist aber nur einmalig.


Weitere Erfahrungen, Berichte & Tipps von Erasmus-Studierenden und Absolventen eines Erasmus-Praktikums, könnt ihr auf dem #univie Blog lesen! 🎒📷


Edwina Al-Khalil

Edwina Al-Khalil studiert Politikwissenschaft an der Universität Wien. Sie verbrachte mit dem Erasmus-Programm ein Semester in Belgien und eines in Polen.
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