Climb Up, Head Up! – Sportklettern mit Morbus Parkinson von Lucia Gaßner
am 26. September 2017
ungefähr 5 Minuten
Themen: Dissertation , Forschende , Sportwissenschaften , USI

Climb Up, Head Up! – Sportklettern mit Morbus Parkinson

Lucia Gaßner arbeitete als Trainingstherapeutin und Prozessmanagerin in der Rehabilitation. Zusammen mit der Medizinischen Universität Wien forscht sie am Institut für Sportwissenschaften im Rahmen ihrer Dissertation. In ihrem Forschungsprojekt CLIMB UP, HEAD UP! geht es um Verbesserung der Lebensqualität von Parkinson-PatientInnen. In diesem Blogbeitrag berichtet sie von ihrem Forschungsprojekt:

Mit Climb Up, Head Up! geht es nicht nur an der Kletterwand in die Höhe. Das Projekt zielt v.a. darauf ab die Lebensqualität der PatientInnen zu verbessern. Mit Climb Up, Head Up! geht es nicht nur an der Kletterwand in die Höhe. Das Projekt zielt v.a. darauf ab die Lebensqualität der PatientInnen zu verbessern. (© Lucia Gaßner)
Mit Climb Up, Head Up! geht es nicht nur an der Kletterwand in die Höhe. Das Projekt zielt v.a. darauf ab die Lebensqualität der PatientInnen zu verbessern. (© Lucia Gaßner)

Ich möchte dir in diesem Blog mein Dissertationsprojekt vorstellen, an welchem ich an der Uni Wien in Kooperation mit der Medizinischen Universität Wien arbeite. CLIMB UP, HEAD UP! ist ein innovatives Projekt, welches untersucht, ob sich die Lebensqualität von Parkinson-PatientInnen durch Sportklettern verbessert. Morbus Parkinson ist eine der häufigsten neurodegenerativen Erkrankungen, von der jeder betroffen sein kann. Da es weltweit keine wissenschaftlichen Untersuchungen zum Thema Sportklettern mit Morbus Parkinson gibt, habe ich mir dies zu meiner Aufgabe gemacht. Ich habe bereits im Kindergartenalter zu klettern begonnen, da mein Vater eine Alpinschule besitzt. Wir sind aber immer am Fels in den Bergen geklettert. In der Halle bin ich erst vor einigen Jahren das erste Mal geklettert. Es ist für mich sehr komisch den vorgegebenen Routen, welche mit Farben markiert sind, zu folgen.

 

 

Von der Idee zur wissenschaftlichen Umsetzung

Als symbolträchtige Erfahrung vermittel das Klettern den PatientInnen, dass sie trotz der Parkinson Erkrankung "alles überwinden können". (© Lucia Gaßner)
Als symbolträchtige Erfahrung vermittel das Klettern den PatientInnen, dass sie trotz der Parkinson Erkrankung „alles überwinden können“. (© Lucia Gaßner)

Die Idee zu diesem innovativen Projekt, wurde auf Basis eines Patientenberichts geboren. Ein Patient mit Morbus Parkinson, der an der Medizinischen Universität Wien in der Ambulanz für Bewegungsstörungen in Betreuung steht, begann im Alter von 77  Jahren – auf Anraten der ihn betreuenden Ärztin, Frau Dr. Zach – trotz seiner Vorbehalte zu klettern. Zwei Jahre danach (immer noch regelmäßig kletternd), berichtete er mir von höchst positiven Effekten, die immer noch vielfältig in sein tägliches Leben einfließen und dieses deutlich verbessern konnte. Nicht nur die körperlichen und seelischen Symptome sowie seine sozialen Kontakte verbesserten sich. Sondern auch die symbolträchtige Erfahrung, trotz der Parkinsonerkrankung „alles überwinden zu können“, geben ihm weiterhin Kraft seine Krankheit zu meistern. Fasziniert von seinen Berichten, möchte ich in Kooperation mit der Medizinischen Universität Wien diese Effekte in einer größeren Gruppe von Menschen mit Morbus Parkinson wissenschaftlich untersuchen. Dadurch haben Parkinson-PatientInnen weltweit Zugang zu einer neuen wissenschaftlich geprüften trainingstherapeutischen Rehabilitationsform. Wenige neurologische Rehabilitationszentren bieten Sportklettern für Parkinson-PatientInnen bereits an. Wenn ich wissenschaftlich untermauere, dass diese Bewegungsform ganzheitliche Verbesserungen der Lebensqualität bringt, werden viele Parkinsonerkrankte davon profitieren.

In diesem Video erzählt dir ein Parkinson-Patient, 81 Jahre (!), über seine Erfahrungen mit Sportklettern und die Verbesserungen seiner Lebensqualität. Er berichtet über tolle Effekte von Sportklettern hinsichtlich der körperlichen, seelischen und sozialen Gesundheit. Was ich persönlich besonders wertvoll finde, ist, dass Sportklettern offensichtlich Spaß und Freude macht. Da ich einige Jahre in der Rehabilitation gearbeitet habe, weiß ich, wie wichtig es ist, Therapien oder Bewegungsformen langfristig auszuführen, um Ergebnisse zu spüren. Wer etwas gerne macht, bleibt dabei! Und nur wer dranbleibt, kann die Lebensqualität langfristig und nachhaltig verbessern.

 

Mehr als körperliche Betätigung

Neben den Effekten auf den Körper wirkt sich das Klettern ebenso positiv auf die seelische und soziale Gesundheit der PatientInnen aus. (© Lucia Gaßner)
Neben den Effekten auf den Körper wirkt sich das Klettern ebenso positiv auf die seelische und soziale Gesundheit der PatientInnen aus. (© Lucia Gaßner)

Du fragst dich wahrscheinlich, was genau sich nun beim Klettern verbessert. Also: Neben der gesteigerten körperlichen Fitness, werden durch Sportklettern, die bei Morbus Parkinson reduzierte Flexibilität, Rumpfstabilität, Balance, Haltung und der Bewegungsumfang verbessert. Es werden neue Bewegungsmuster aufgebaut und somit die kognitive Fähigkeit gefördert.

Aus seelischer Sicht führt Sportklettern zu einer Steigerung der Stimmung und der Überzeugung, schwierige Situationen aus eigener Kraft erfolgreich bewältigen zu können. Aufgrund der herausfordernden Aufgaben beim Klettern und der sichtbar überwundenen Problemstellungen wird die Motivation an der Bewegung nachhaltig gefördert.

Das Trainieren in Klettergruppen unterstützt das Knüpfen sozialer Kontakte und die soziale Unterstützung. Durch den entgegengebrachten Respekt der anderen wird das Selbstwertgefühl gesteigert. Dadurch fällt es den PatientInnen leichter im täglichen Leben wieder an der Gesellschaft teilzunehmen und ein aktives Leben zu führen. Die Erfahrung der Unabhängigkeit und Selbstkontrolle wird durch die übertragene Verantwortung beim Sportklettern gefördert, was zu einer Verbesserung der Lebensqualität beiträgt.

 

Forschung mit dem Ziel: Lebensqualität verbessern

Die Ergebnisse meiner Dissertation sollen als Anstoß zu einer neuen, effektiven und in Zukunft weit verbreiteten Therapieform bei Morbus Parkinson dienen. Sportklettern stellt eine äußerst vielversprechende Strategie zur nachhaltigen und ganzheitlichen Verbesserung der Lebensqualität bei PatientInnen mit Morbus Parkinson dar. Ich möchte weltweit erstmals beweisen, dass auch Parkinson-PatientInnen in der Lage sind, Barrieren zu überwinden und die Effekte des Sportkletterns zu genießen.

Ich denke, nicht nur aufgrund des demographischen Wandels ist es wichtig neue Therapieformen für Parkinson wissenschaftlich zu prüfen. Sondern auch, um die Lebensqualität von Parkinson-PatientInnen zu verbessern!

 


Lucia Gaßner

Mag. Lucia Gaßner, Bakk., geb. am 15.08.1985 in Salzburg, hat Sportwissenschaft und Pädagogik an der Universität Wien studiert. Sie arbeitete als Trainingstherapeutin und Prozessmanagerin in der Rehabilitation. Aktuell forscht sie in Kooperation mit der Medizinischen Universität Wien an ihrem Projekt CLIMB UP, HEAD UP!, um die Lebensqualität von Parkinson-PatientInnen zu verbessern. Ihre Leidenschaft zum Klettern und den Bergen entdeckte sie bereits im Kindergartenalter.
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