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Die Gezeiten von Sylt am 17. Juni 2014
ungefähr 6 Minuten
Themen: Biologie , Exkursion , Studierende , Sylt

Die Gezeiten von Sylt

Das Leben ist eine Insel

Wie soll man nur sachlich über Erlebtes berichten, in dem mehr Poesie und Einsicht steckt als Arten in der Sandlückenfauna des täglich zweifach überspülten Watts?! So divers bestückt der Meeresboden ist, so unterschiedlich waren die elf Teilnehmer der biologischen Exkursion nach Sylt, die sich in zwölf erlebnishungrigen Maitagen aufeinander einspielen mussten. Der Zweck der in der handgroßen Ortschaft List am Alfred-Wegener-Institut durchgeführten Projekte lag arbeitseifrig in der Lehre, und wurde doch gekrönt vom Entdecken der atemberaubenden Umgebung, die das Studentenleben in eine schillernde Seifenblase auf Zeit hüllte. Man könnte von Kaninchen, Lämmern und sprintenden Schafen berichten. Es gab derer sehr viele. Man könnte Tolkien zum Tee bitten, und die mit Reet gedeckten Häuser, die bunt bepflanzten Gärten, mit dem Wesen von Auenland vergleichen. Man könnte vom Wunsch erzählen, sich Flügel wachsen zu lassen, wenn man an der Westküste nur noch dem Ozean gegenübersteht. Oder über den Verlust des Gefühls für Zeit berichten, das sich einstellt, wenn man am Bug eines Schiffes stehend die Wasseroberfläche nach Rückenfinnen von Schweinswalen scannt. Delphinähnliche Meeressäuger ohne gesellige, zeigefreudige „Hier-bin-ich-Mentalität“. Die charakteristischen Rufe der Austernfischer lockten ans Meer, um den rotschnabeligen, rotbeinigen, schwarzweiß gefiederten Zugvögeln beim Plantschen im Eulitoral zuzusehen. Man könnte vieles, aber aller Anfang war kalt. Sehr nass und sehr rau. Wäre da nur nicht die Neugierde, die bereits in den Erörterungen der Leads, eines Biologen der Integrativen Zoologie der Uni Wien, Gerhard Steiner, und einer Ornithologin und Mitarbeiterin des AGES Inspektorats, Marlis-Konstanze Forcher, bei der Vorbesprechung ihren Anfang fand.

Auf Schiene und Kurs

4Vom Westbahnhof ging es mit dem Nachtzug „Hans Albers“ Richtung Hamburg-Altona. Eine unvergessliche Zwölfstundenfahrt in je zweimal sechs Mann fassenden Liegeabteilen plus Frühstück mündete in einem stressfreien Umstieg in die Nord-Ostsee-Bahn. Die Schlafliegen erwiesen sich als erstaunlich komfortabel, doch die ungewöhnliche Fahrtbewegung schüttelte uns stoppweise aus dem zaghaften Schlummer. Drei weitere Stunden in der NOB zeigten, dass die typisch österreichische Kuhkultur einer prächtigen Pferde- und Schafhaltung wich. Schleswig-Holstein ist ein sehr ebenes, rurales Gebiet mit namhaften Orten, wie Glückstadt. In Niebüll findet das Auffahren der PKWs auf den Zug statt, der die einzige Möglichkeit zur Querung des Hindenburgdammes ist. So nah an der dänischen Grenze lohnt es sich, das Radio am Smartphone einzuschalten. Der unverständliche Sprachschwall dänischer Sender bringt einen zum Schmunzeln. Ab der Endstation Westerland brauchte es noch eine kleine Busfahrt bis List, dem Ort, an dem die Wattenmeerstation 1924 als Austernlabor gegründet wurde. An sich wechselnden, baulichen Standorten entwickelte sie sich zu einer Außenstelle der Helmholtz-Gemeinschaft für Polar-und Meeresforschung. Benannt ist das Institut nach dem Geophysiker und Polarforscher Alfred Wegener, der 1912 seine Hypothese zur Kontinental-verschiebung publizierte und während einer Grönlandexpedition im Alter von nur 50 Jahren starb. Untergebracht waren wir im neu errichteten, geräumigen und sehr gut ausgestatteten Haus Möbius, das einen lieblichen Fußmarsch von der Station entfernt lag. Ein multimedialer Kursraum samt Bibliothek und Mikroskopen, Nassräume und eine Kaffeeküche stehen den Studenten zur Verfügung.

Die Projekte

3Ausgestattet mit Gummistiefeln, Ferngläsern und wasserfester Bekleidung, lernten wir das Watt kennen. Es ist jener Bereich, der zweimal täglich gezeitentreu trockenfällt und der sich von den Küsten Dänemarks bis zu den Niederlanden streckt.

Bei Ebbe sieht man am Meeresboden spaghettiartige Kothaufen des u-förmig im Boden hausenden Arenicola marina (Wattwurm), Herz- und Miesmuscheln, Strandkrabben oder pazifische Austern. Aber auch zwischen dem Sand, im Mesopsammon, findet sich eine Gemeinschaft aus Fadenwürmern, Ruderfußkrebsen, Bärtierchen und vielen anderen. Ihnen allen gemeinsam ist, dass sie sehr klein, eher lang, schmal und gut beweglich sind. Viele besitzen Haftorgane, um nicht mit dem Wasser aus dem Sandlückensystem hinausgespült zu werden. Das „Cirripedien-Projekt“ (Rankenfußkrebse) befasste sich unter anderem mit dem Nahrungserwerb typischer Seepocken. Die „Vogelgruppe“ untersuchte das Nahrungsverhalten der Limikolen (Wattvögel) anhand von Beobachtungen, Filmaufnahmen und Fotografien. Charles Darwin zeigte, dass Seepocken Crustacea (Krebstiere) sind. Die Larven haften sich an einen Untergrund wie Gestein, Gehölz, Muscheln fest und zementieren sich ein. Pulsartig schlagen sie ihre rankenartigen Füße ins Wasser, um Nahrung zu filtern. Der Seepockenaufwuchs wurde per Hand und mit Kübeln im Watt beziehungsweise mit einem Schleppnetz (Dredge), an Bord des im Juli 2013 getauften Forschungsschiffes MYA II, vom Meeresboden gesammelt. Der Name ist eine Anlehnung an die im Watt lebende Mya arenaria (Sandklaffmuschel). Die Fahrt durch die Königsbucht führte uns auch zu Sandbänken der dänischen Küste, die von Seehunden als Ruheplätze zur Aufzucht der Jungen oder für den Fellwechsel genutzt werden. Bei einer Dünenwanderung lernten wir das Naturschutzgebiet kennen und beobachteten, inwiefern sich die Fauna der West- von der Ostküste unterscheidet. Die Dünen dürfen nur auf ausgewiesenen Wegen begangen werden, die zum Teil mit schönen Holztreppen bebaut sind. Da die Witterung Dünen „wandern“ lässt, wurden sie großflächig mit Strandhafer bepflanzt. Seine Wurzeln reichen tief in den Grund und verleihen ihnen Festigkeit.

Helgoland

1Die Region Sylt und das gut 70km entfernte Helgoland gelten als Drehscheibe des Vogelzugs. Der Lummenfelsen und die „Lange Anna“, ein etwa 50 Meter hoher freistehender Felsen, dienen Trottellummen, Basstölpeln, Dreizehenmöwen, Eissturmvögeln oder Tordalks als Brutstätte oder Rastplatz. Im späten Frühling kann man den Vögeln bereits beim Schnäbeln zusehen, und es heißt, dass sich Basstölpelpaare ein Leben lang treu seien. Unsere Ornithologin freute sich vor allem über die Tordalks, die an Minipinguine erinnern, da es nur wenige Brutpaare vor Ort gibt. Eine spiegelglatte, offene See ohne Wellengang bei prächtigen Wetter machte die Überfahrt mit dem „MS Adler-Express“ vom Hafen Hörnum zum Helgoländer Felswatt zu einem kurzweiligen Erlebnis. Gleich zu Beginn ließen sich auf einer Sandbank liegende Kegelrobben beobachten. Einigen von uns war auch eine der seltenen Schweinswalsichtungen geglückt. Die scheuen Tiere fühlen sich im Wattenmeer heimisch, sind allerdings durch Schifffahrt und Fischerei bedroht. Tausende sterben pro Jahr als Beifang in Schleppnetzen. Ein idyllisch gestalteter Rundweg führt über das Plateau der Insel, auf der nach der Vogelschau ein Quäntchen Zeit bleibt, sich in einem der taxfree Geschäften umzusehen oder die kunterbunten Häuser zu begutachten, bevor das Schiff zur Rückfahrt auffordert.



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