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Forschung
Eine Open-Access Zeitschrift für Kinder, die über die aktuellste Wissenschaft berichtet von Didone Frigerio
am 1. Juli 2019
ungefähr 5 Minuten

Eine Open-Access Zeitschrift für Kinder, die über die aktuellste Wissenschaft berichtet

Wie sieht eine sogenannte Outreach-Aktion – also die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Gesellschaft – in der Praxis aus? Didone Frigerio, Verhaltensbiologin an der Universität Wien, berichtet von ihren Erfahrungen mit einem ausgezeichneten Vorzeigeprojekt der Open-Access Fachzeitschriftenreihe Frontiers.

Die Begeisterung von jungen Menschen für naturwissenschaftliche Themen ist für mich von großer Bedeutung. Mit meiner Tätigkeit als Autorin und Editorin bei der Zeitschrift Frontiers for Young Minds möchte ich grenzenlos ein junges Publikum erreichen und Verständnis und Leidenschaft für die Naturwissenschaften nachhaltig fördern.

Frontiers for Young Minds

Die Zeitschrift „Frontiers for Young Minds“ veröffentlicht wissenschaftliche Beiträge für Kinder zwischen acht und 15 Jahren.

Frontiers ist Herausgeber einer Reihe wissenschaftlicher Fachzeitschriften. Frontiers for Young Minds wird von der frontiers research foundation und weiteren Sponsoren finanziert, es basiert zu dem stark auf der Freiwilligkeit der meisten Beteiligten. Das gilt für die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen, die MentorInnen, die EditorInnen und natürlich auch die AutorInnen, die den jungen Menschen ihr Wissen zur Verfügung stellen.

Im Journal Frontiers for Young Minds werden wissenschaftliche Artikel explizit für Kinder und Jugendliche zwischen acht und 15 Jahren publiziert. Diese sind online frei zugänglich und befassen sich mit neuesten Erkenntnissen zu verschiedenen Themen, wie Biodiversität, Mathematik, Neurowissenschaften oder Gesundheit. Um die Verständlichkeit der Artikel für die jungen Leserinnen und Leser sicherzustellen, ist das Journalteam um eine umfassende Aufbereitung bemüht. Wesentlich ist, dass – entsprechend dem Motto „Science for Kids. Edited by Kids“ – die Zielgruppe direkt in den Editierungsprozess der Artikel miteingebunden wird. Wer sich zum Jung-Editor (als Gruppe oder einzeln) bereiterklärt, wird dabei vor Ort mit einer/einem wissenschaftlich erfahrene/n MentorIn betraut, die gleichzeitig als Vermittler zwischen Kindern und AutorIn dient.

Der Austausch von AutorIn und Reviewer

Didone Frigerios wissenschaftlicher Fachartikel rund um Graugänse wurde von jungen LeserInnen für die Zeitschrift „Frontiers for Young Minds“ überarbeitet.

Ich teile das Anliegen des Journalteams und finde es wichtig, junge, interessierte Menschen an meiner Forschung teilhaben zu lassen und ihnen einen direkten Zugang zu neuen wissenschaftlichen Entdeckungen zu ermöglichen. Mein Artikel , in ursprünglicher Fassung unter dem Titel „Social and environmental factors modulate leucocyte profiles in free-living Greylag geese (Anser anser)wurde nach einer Erstbearbeitung von SchülerInnen der achten Klasse der Lake Road Elementary School (Alter 14) review-gelesen. Diese konnten mir Fragen stellen, beurteilten die Relevanz der Erkenntnisse, gaben mir Rückmeldung zur Verständlichkeit usw. Auch der „Science Mentor“ gab ein Feedback zu seinen Beobachtungen während seiner Zeit mit den jungen Reviewern ab. Die Neufassung „How Having a Partner and a Family Changes the Stress Levels of Greylag Geese“ beinhaltet nun genauso den Hintergrund, die Methodik und das Resultat, also das, was dem Originalartikel an Informationen im Großen und Ganzen auch zu entnehmen ist. Den Unterschied machen ein vereinfachter Sprachgebrauch, ein Glossar mit Schlüsselbegriffen, animierte Graphiken und eine nette Animation, die eine Mitarbeiterin des Journalteams passend zum Thema kreiert hat, aus. Der Artikel erschien im Mai online auf der Journalseite und ist weiterhin verfügbar.

Der Win-Win-Aspekt

Das Resultat: Eine vereinfachte Sprache sowie Animationen und Illustrationen zum besseren Verständnis.

Es stellt offensichtlich eine Herausforderung dar, seine Entdeckungen so zu formulieren, dass sie für Menschen in dem jungen Alter bereits nachvollziehbar sind, verglichen mit der Art des (Be-)schreibens, wie man sie in wissenschaftlicher Form gewohnt ist. Es ist allerdings in keinem Fall verschwendete Energie, sich mit einer solchen Formulierung genauer auseinanderzusetzen. Denn das eröffnet die Chance, eine interessierte Jugend für den eigenen Wissenschaftsbereich zu begeistern.

Neben dem Wissenserwerb der Leserinnen und Leser des Journals, sollte man den Mehrwert der Tätigkeiten der jungen Reviewer nicht außer Acht lassen: Nachweislich, gibt es kaum effizientere Lernmethoden als die, direkt an etwas beteiligt zu sein. Die Kinder und Jugendlichen kommen ohne Beisein von Lehrperson oder Lehrbuch mit der Forschung in Kontakt und sind im Zuge ihrer Position dazu aufgefordert, kritische Fragen zu stellen. Wenn es die Distanz erlaubt, können sie sogar den Forschungsort direkt besuchen und den/die AutorIn dort persönlich zur Publikation befragen.

Für mich persönlich war das Feedback der jungen Reviewer sicherlich eine Bereicherung, die meine Fähigkeit, meine eigene Forschung auf verständlicherweise zu erklären, gestärkt hat. Auch habe ich daraus gelernt, wie gewisse Wörter, die seit Jahren zu meinem Alltag gehören, für andere komplett fremd sein können und wie wichtig es ist, sie rechtzeitig und ausführlich zu definieren bzw. zu erklären.

 

💡 Die Idee von Third Mission: Mit verschiedensten Outreach-Initiativen kommt die Universität Wien ihrem „dritten Auftrag“, der sogenannten Third Mission, nach, nämlich jenem, mit der betriebenen Wissenschaft einen Beitrag für die österreichische Gesellschaft zu leisten. Die einzelnen Programme sind für die Universität vorteilhaft, weil dadurch viele Menschen eine bessere Vorstellung von der Wissenschaft bekommen und sich persönlich mit Themen vertraut machen, mit denen die Universität aktuell zu tun hat. Dadurch wird für viele der Involvierten auch nachvollziehbar, wenn in einem Bereich der Forschung eine finanzielle Unterstützung nötig ist. Es gibt außerdem genügend Herausforderungen in der Gesellschaft, bei dessen Bewältigung die Wissenschaft mit neu entwickelten Konzepten und Technologien eine zentrale Rolle spielt. Der gegenseitige Austausch zwischen einer Universität und ihrem gesellschaftlichen Umfeld ist wichtig, er bringt neue Anregungen und hilft, gegenseitige Bedürfnisse zu stillen. Ein Interesse an diesem Austausch ist weitgehend vorhanden und eine große Bandbreite an relevanten Themen ebenso.

Didone Frigerio

Didone Frigerio ist promovierte Biologin und Lektorin der Universität Wien und arbeitet an der Core Facility KLF für Verhaltens- und Kognitionsbiologie in Grünau im Almtal (OÖ). Dort leitet sie mehrere Projekte, welche nach den Ansätzen von Citizen Science, Bürgerinnen und Bürger in die Forschung direkt miteinbeziehen.


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