von Maria Wielscher
am 12. Juli 2018
ungefähr 3 Minuten
Themen: Didaktik , Diplomarbeit , Lehramtsstudium , Projekt , Studium

Lebensraum Alpen: Freilanddidaktik im Naturpark Kaunergrat

Tutorin Maria Wielscher hat ihr Lehramtsstudium in Biologie und Mathematik abgeschlossen. Im Uni Wien Blog erzählt sie von einer fünftägigen Exkursion, in der sie SchülerInnen der vierten Klasse den Lebensraum Alpen näherbringen konnte. Das Projekt entstand im Rahmen ihrer Diplomarbeit zum Thema Freilanddidaktik in Kooperation mit dem Naturpark Kaunergrat, dem Wiedner Gymnasium, dem AECC Biologie und dem Departement für Integrative Zoologie der Uni Wien.

Als Biologin ist es mir besonders wichtig mit Jugendlichen in der freien Natur zu arbeiten und Lebensräume, wie die Alpen, vor Ort zu erkunden. Denn: Viele Faktoren machen den Unterricht im Freien attraktiv und sinnvoll. Die Freilanddidaktik stärkt das biologische Zusammenhangs- und Anwendungswissen (Smith & Mostenbocker, 2005) und erhöht die Lernmotivation (Liebermann & Hoody, 1998). Außerdem haben die im Freiland erfahrenen Lehrinhalte für die Schüler und Schülerinnen einen höheren Stellenwert.

Eine interdisziplinäre Exkursion in die Alpen im Rahmen einer Lehrveranstaltung und eine Vorlesung über Biologie und Ökologie der Alpentiere inspirierten mich zu meiner Diplomarbeit mit dem Titel „Außerschulischer Lernort „Lebensraum Alpen“: Konzept für eine Projektarbeit für die Sekundarstufe“. Mit Hilfe meiner Betreuerin Frau Dr. Barbara-Amina Gereben- Krenn konnte ich fünf botanische und zwölf zoologische Freilandmodule für eine einwöchige Exkursion mit SchülerInnen erstellen. Das Programm soll die Einzigartigkeit der Bergwelt aufzeigen sowie die Flora und Fauna der Alpen näherbringen. In den erstellten Modulen wende ich vorwiegend die Methode des „Forschenden Lernens“ an. Dadurch können die SchülerInnen – selbstständig oder dezent angeleitet – einfache biologische Erhebungs- und Auswertungsmethoden ausprobieren.

Vogelbeobachtung im Naturpark Kaunertal. (c) Phillip Kirschner
Vogelbeobachtung im Naturpark Kaunergrat.

Wiener SchülerInnen erforschen die Alpen in Tirol

Die SchülerInnen lernten beispielsweise Punkt-Stopp Kartierungen von Singvögeln über der Waldgrenze, Murmeltierbeobachtungen, Tagfalter- und Hummelbestimmung sowie Untersuchungen verschiedener Entwicklungsstadien des Grasfrosches kennen.

Freilanddidaktik: Auslegen von Barberfallen im Naturpark Kaunteral
Freilanddidaktik: Auslegen von Barberfallen im Naturpark Kaunergrat.

Zusätzlich führten wir rund um die Berghütte (Gepatschhaus) einen Standortvergleich mittels Barberfallen durch, den die Schülern und Schülerinnen sehr professionell und ernsthaft ausgewertet haben. Durch das Eingraben von Joghurtbechern wurden auf einfachstem Weg die Tiere der Bodenoberfläche gefangen und untersucht. Besonders imposant für die Jugendlichen war die Begehung der Gletscherzunge des Gepatschferners. Dieser Programmpunkt war ein zusätzlicher abenteuerlicher Aspekt.

Gletscherbegehung im Rahmen einer Exkursion zum Thema „Lebensraum Alpen“.

Freilanddidaktik: Potenzial für SchülerInnen aus Ballungsräumen

Dies war die erste Kooperation mit einer Schule aus dem städtischen Bereich. Die LehrerInnen des Wiedner Gymnasiums haben bereits Interesse bekundet, den Naturpark erneut mit einer Klasse zu besuchen. Das Feedback der TeilnehmerInnen war durchwegs positiv und das biologische Interesse wurde erheblich gestärkt.
Die MitarbeiterInnen des Naturparks Kaunergrat sehen für dieses Programm ein besonderes Potential für Schulen aus Ballungsräumen, da die Szenerie für die Jugendlichen aus Wien sehr eindrucksvoll war.

Ich hoffe natürlich, dass der Naturpark das Projekt nun regelmäßig mit Schulen durchführt und dadurch möglichst viele Jugendliche die Chance bekommen, die Alpen auf diese abenteuerliche Weise kennenzulernen. Ich bin auch sehr froh über meine solide Basis an Wissen aus dem Diplomstudium. Ohne dieses Fachwissen und ohne die Mithilfe von Barbara-Amina Gereben- Krenn (Department für Integrative Zoologie), Philipp Kirschner (Naturpark Kaunergrat) und Peter Lampert (Mitarbeiter im AECC Biologie und Lehrer am Wiedner Gymnasium) wäre die Durchführung des Projekts nicht möglich gewesen.


Maria Wielscher

Maria Wielscher hat im April das Lehramtsstudium in Biologie und Mathematik abgeschlossen und arbeitet seit 3 Jahren als Tutorin bei Frau Dr. Barbara-Amina Gereben-Krenn. Ihr besonderes Interesse gilt dem Arbeiten im Freiland, insbesondere im Hochgebirge.



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