Herbst am 19. April 2016
ungefähr 2 Minuten
Themen: textwettbewerb , uni international

Herbst

Dicke Regentropfen trommeln hart aber herzlich in gewohnter schottischer Manier an mein Fenster, arktischer Wind weht von der nahen Küste in unser kleines Studentendorf und verwandelt feurig rote Blätter in fliegende Teppiche. Wabernde Nebelschwaden kriechen gemächlich über Asphalt und müde Gräser, hüllen den Tag in wogende Watte. Die Sonne bleibt um diese Jahreszeit nicht lange wach, nur selten verlässt sie ihre wohlige Liegestätte aus Bettzeug in den Farben aberdonischer Bauten. Bisweilen gleicht die Außenwelt einem Gemälde aus Grautönen von silbern bis kohlefarben, durchzogen von Blätterparaden in allen Schattierungen der Sommersonne.

Und wir hocken hier drinnen, in unserem Kokon aus Wärme, eingeheizt durch Tee und die Nähe zu Körpern, die uns gerade noch fremd waren. Hier drinnen, eingehüllt in Behaglichkeit und Verständnis, leichtsinniges Geplänkel und tiefgreifende Gespräche, sitzen wir bis in die Morgenstunden. Vier mickrige Wände haben selten solche Freude beherbergt, solche Zufriedenheit. Sich zuhause und angekommen zu fühlen ist selten so plötzlich geschehen.

Vier Nationen, drei Muttersprachen, zwei Geschlechter, ein Raum. Ein winzig kleiner Raum, irgendwo im hohen Norden Schottlands, mit einem noch kleineren Bett, zum Sofa umfunktioniert, überfüllt von Decken, Polstern, Menschen. Kanada, Österreich, die Slowakei und Deutschland haben noch nie so perfekt harmoniert wie hier in unserem kleinen Nest. Doch es ist kein Nest. Denn obgleich es bloß vier von uns gibt, bilden wir eine Armee. Obgleich es nur ein kleiner Raum ist, sitzen wir in einer Festung. Und obgleich unsere Zeit limitiert ist, werden wir ein Leben lang davon zehren.

Hier in Aberdeen, herausgerissen aus unserem realen Alltag auf verschiedenen Kontinenten, sind wir zusammengewachsen und zusammen gewachsen. Während draußen langsam die Natur ihrem ewigen Kreislauf folgend stirbt, blüht drinnen das Leben. Du sagst, es ist so einzigartig, so wunderbar als wäre es ein Traum. Und so wird Aberdeen zum Aberdream. Und wir alle leben ihn gemeinsam.

Sandra Liebherr
Sandra Liebherr

 

Zur Übersicht des uni international Textwettbewerbs geht’s hier.

 



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