Was sollen wir lernen, wenn sich alles ändert? Obwohl Chatbots wie ChatGPT erst seit 2022 öffentlich sind, nutzen meine Studiumskolleg*innen und ich künstliche Intelligenz fast täglich. Dabei zeigt die Nutzung von künstlicher Intelligenz aus meiner Sicht vor allem eines: Darum schnell die richtige Antwort “auszuspucken” oder eine nach formalen Kriterien gute Seminararbeit “abzuliefern”, kann es beim Lernen wohl wirklich nicht mehr gehen. Warum sollten wir also überhaupt noch irgendetwas lernen oder schreiben?
Die Fridays For Future-Proteste
Diese Frage mag neu klingen, kommt mir aber bekannt vor. In meinem Maturajahr wurde diese Frage nämlich auch gestellt, wenngleich aus einem anderen Grund. 2019 gingen Schüler*innen freitags nicht mehr zur Schule, um stattdessen gegen das fahrlässige (nicht-)Handeln der Regierung in Bezug auf die Klimakrise zu protestieren. Wenn es keine lebenswerte Zukunft auf dem Planeten gibt, wieso sollten wir dann überhaupt in die Schule gehen?
Die vier Säulen der Bildung
Nach meiner Matura war ich davon überzeugt, dass unser Schulsystem (wie auch unser Wirtschaftssystem) dringend geändert gehört, um den Krisen unserer Zeit gerecht zu werden. Daher habe ich mich auf die Suche nach Ideen für alternative Schulsysteme gemacht. So bin ich schnell bei den vier Säulen der Bildung der UNESCO gelandet: Lernen zu wissen, zu handeln, zusammenzuleben und zu sein.
Lernen wie man lernt
Künstliche Intelligenz führt eine am Ergebnis orientierte Bildung ad absurdum. Stattdessen zeigen die vier Säulen der Bildung, dass es darum gehen muss, zu lernen, wie man lernt. In der Psychologie forscht man daher am sogenannten Selbstregulierten Lernen. Mir fällt dabei immer das Gedicht von Rainer Maria Rilke “Die Fragen lieb haben” ein. Die vier Säulen der Bildung zeigen aber auch, dass es beim Lernen nicht nur um Wissen gehen kann. Darauf fokussiert unser Bildungssystem aber nach wie vor.
Psychische Gesundheit und kollektives Handeln
Krise bedeutet in der Psychologie, mit gewohnten Problemlösungsmethoden nicht mehr weiterzukommen. Gesellschaftliche Krisen wie die Klimakrise, aber auch die Entwicklung der KI können Menschen in persönliche Krisen stürzen. Gleichzeitig erfordert sowohl die Klimakrise als auch der Umgang mit KI kollektives Handeln. Daher zeigen diese Krisen eindrücklich, dass neben dem Lernen, wie man lernt, die psychische Gesundheit und die Frage nach kollektivem Handeln in den Mittelpunkt der Bildungsdebatte gestellt werden müssen.
Leonhard Ditachmair studiert Psychologie im Master, ist Mitglied bei den Psychologists4future Österreich und arbeitet am Bildungswissenschaftlichen Institut beim Erasmus+ Projekt “Connecting School, Community and Universities for social change”.
Lernen und Unsicherheiten meistern, darum geht es in diesem Blogbeitrag.
Super spannender Beitrag! Ich finde es großartig, wie du wissenschaftliche Erkenntnisse direkt in die Praxis bringst – besonders die Verbindung von gesunder, nachhaltiger und gleichzeitig leistbarer Ernährung in der Mensa ist ein wichtiges Thema. Die Tipps für den Studienalltag sind echt alltagstauglich – danke fürs Teilen!
Finde es super, dass man bei uniorientiert schon so viel über die verschiedenen Studienrichtungen erfährt! Ich studiere selbst an der Uni Wien (Juridicum) und hab mich damals auch erst nach der Messe für Recht und das juristische Studium entschieden sowie den Plan Rechtsanwalt zu werden – das juristische Umfeld hier ist echt spannend und vielseitig.
Toller inspirierender Beitrag. Liebe GrĂĽĂźe!