Alle Beiträge
Studium
Leichter lernen #15: Lernstrategien am 17. Januar 2021
ungefähr 12 Minuten
Themen: Digitale Lehre , Digitales Studieren , Leichter lernen , Lernstrategien

Leichter lernen #15: Lernstrategien

Lernstrategien sind so gefragt wie nie zuvor! Die Prüfungszeit steht bevor, der Lernstoff ist umfangreich und die Motivation überschaubar. Erfolgreiches und gutes Lernen ist kein einfaches Unterfangen und in der gegenwärtigen Situation besonders herausfordernd. Das Center for Teaching and Learning (CTL) gibt euch Tipps für die Prüfungsvorbereitung und stellt euch verschiedene Lernstrategien und Lesetechniken vor.

Tipps für die Prüfungsvorbereitung

Vor dem Lernen

  • Lernunterlagen und Arbeitsmaterialien zusammenstellen. Beschaffe dir alle notwendigen Lernunterlagen (Mitschriften, Texte, Folien, Skripten). Auch mit Lernstrategien ist es wichtig, einen guten Überblick über die Stoffmenge zu haben.
  • Informationen über Prüfung und Prüfende einholen. Versuche bei Kolleg*innen und/oder der Studienrichtungsvertretung Informationen darüber zu erhalten, wie die Prüfung ablaufen wird und welche Art von Fragen gestellt werden. Informiere dich insbesondere bei mündlichen oder praktischen Prüfungen auch darüber, worauf die Prüfenden Wert legen. Versuche aber, diese höchst individuellen Einschätzungen nicht absolut zu sehen.
  • Arbeitsplatz vorbereiten. Gestalte deinen Arbeitsplatz so, dass du möglichst ungestört lernen kannst. Damit du dich gut auf den Lernstoff fokussieren kannst, räume alle Unterlagen weg, die du nicht zum Lernen brauchst. Lege die benötigten Materialien in Reichweite bereit. Du kannst auch ein Lernplakat mit einer Zusammenfassung des Stoffes an die Wand hängen und es mit bunten Stichwortzetteln bestücken. Ein sichtbarer Arbeitszeitplan hilft dir, den Überblick zu bewahren.
  • Arbeitszeitplan für das Lernen erstellen. Es kann hilfreich sein, rückwärts zu planen – also vom Prüfungstermin zur Gegenwart hin. Dabei solltest du auch Zeit für Wiederholungen sowie Zeitpuffer für Unvorhergesehenes einplanen. Keine Frage – Zeitpläne stellen einen gewissen Aufwand dar, ohne Zeitplan muss das Lernen jedoch täglich neu geplant und überlegt werden. Eine gute Planung und ein realistisches Zeitmanagement ermöglichen hingegen einen guten Überblick und geben jedem Lerntag eine klare Struktur.
  • Den Lernstoff bewältigen. Vor allem bei großen Stoffmengen ist die Aufteilung in überschaubare Häppchen hilfreich für die Bewältigung des Lernstoffs. Damit die inhaltlich zusammenhängenden Portionen vom Umfang her übersichtlich bleiben, kann die Stoffmenge so aufgeteilt werden, dass sie in relativ kurzen Zeitabschnitten (maximal in ein paar Tagen) gelernt werden kann.

Beim Lernen

  • Rituale können eine gute Lernstimmung unterstützen. Beim Lernen ist es herausfordernd, regelmäßig und zuverlässig in eine lernbereite Haltung zu kommen. Rituale wie z.B. ein bestimmter Tagesablauf, eine Tasse Tee oder Kaffee, das angezündete Teelicht, die spezifische Musik usw. können diesen Prozess unterstützen.
  • Motivation schaffen und erhalten. Motivation ist keine Persönlichkeitseigenschaft, sondern beantwortet die Frage nach dem Warum und Wozu einer Handlung. Halte dir deshalb immer wieder dein Ziel vor Augen! Motivation baut nicht nur auf dem persönlichen Wert deines Ziels auf, sondern auch auf deiner subjektiven Erwartung, das gesetzte Ziel zu erreichen. Schau dir genau an, was nicht gut klappt und hole dir gegebenenfalls Hilfe. Hinterfrage dein möglicherweise kritisches Selbstbild und überlege, was genau du brauchst, um an den eigenen Erfolg zu glauben.
  • Belohnung nicht zu kurz kommen lassen. Belohne dich selbst für dein Dranbleiben am Lernen. Das ist nämlich nicht selbstverständlich! Belohnungen verschiedenster Art verstärken nachweislich die Motivation.
  • Wiederholungen festigen das Wissen. Ein großer Teil des gelernten Stoffes wird kurz nach dem erstmaligen Lernen tendenziell vergessen. Wissen soll jedoch im Langzeitgedächtnis gespeichert werden, damit es nachhaltig abrufbar bleibt. Dafür sind Wiederholungen essentiell, die am besten mehrfach und in immer größeren Abständen stattfinden. Plane unbedingt genügend Zeit dafür ein.
  • Lernstand-Check. Evaluiere regelmäßig und seriös unter Heranziehung des Arbeitszeitplans, wie weit du mit dem Lernstoff bist. Müssen deine Lernzeiten (in vertretbarem Ausmaß) erhöht werden? Musst du den Prüfungsantritt verschieben oder liegst du gut im Zeitplan?
  • Mentale Prüfungsvorbereitung. Mentale Vorbereitung hilft dabei, in einem bestimmten Moment die gewünschte Leistung abzurufen. Versuche dich geistig zu stärken, indem du negative Gedanken beiseite schiebst, dir Mut zusprichst und dir deinen Prüfungserfolg mental vorstellst.
  • Gemeinsam lernen erhöht die Erfolgschancen. Last but not least ist gemeinsames Lernen zu empfehlen. Das kann vom gemeinsamen Zusammensitzen und Lernen bis hin zur Erstellung und Abprüfung von Prüfungsfragen reichen. Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Gemeinsames Lernen erhöht die Motivation und unterstützt auch in Krisenzeiten. Durch den Austausch vervielfältigen sich die Perspektiven auf den Prüfungsstoff und komplexe Lernstoffe lassen sich miteinander besser erschließen. Vernetzung unterstützt!

Nach dem Lernen

  • Evaluiere dein Lernen. Nach der Prüfung ist vor der Prüfung. Was jetzt gut geklappt hat, wird auch das nächste Mal gut funktionieren. Du kannst deine Techniken und Lernstrategien aber noch weiter verfeinern. Überlege, womit du nicht ganz zufrieden warst (Zeitmanagement, Präsentation, deine Reaktionen auf Fragen oder Stress während der Prüfung) und was du konkret verändern könntest. Nimm dir vor, es beim nächsten Mal auszuprobieren – die nächste Lernphase kommt bestimmt!
  • Belohne dich für die geleistete Arbeit. Plane das Danach und vergiss nicht, dich selbst zu belohnen und dir für deine Erfolge innerlich auf die Schulter zu klopfen. 💪

Lernstrategien: Studentin lernt am Laptop

Lernstrategien effektiv einsetzen

Lernstrategien werden zur Steuerung des Lernens genutzt. Alle Menschen verfügen über verschiedene Lerntechniken, die bewusst wie auch unbewusst angewendet werden. Die folgende Auflistung und Nennung einiger Beispiele ist nach Anwendungsbereichen strukturiert.

Wiederholungsstrategien

Wiederholungen dienen dazu, das Wissen vom Arbeitsgedächtnis in das Langzeitgedächtnis zu überführen. Häufig hierbei angewandte Tricks sind:

  • Texte abschreiben
  • Wiederholtes Aufsagen
  • Gelerntes in eigenen Worten formulieren

Lernkartei

Diese Lernstrategie eignet sich für das Aneignen von umfangreichem und in isolierte Informationseinheiten gefassten Stoff (Begriffsdefinitionen, Formeln, Merksätze oder Vokabeln).

  • Halte kleine Informationseinheiten auf Karteikarten fest. Auf der Vorderseite wird die Frage oder ein Begriff notiert, auf der Rückseite die Antwort.
  • Um bestimmte Informationen zu einer Kategorie zusammenzufassen, ist es hilfreich, Karten mit derselben Farbe zu verwenden.
  • Nimm zu Beginn des Lernens die Lernkarten und arbeite diese durch. Lege in den weiteren Durchgängen jene, die du bereits beantworten kannst, beiseite und konzentriere dich auf die restlichen Karten. Auf diese Weise kannst du deinen Lernfortschritt realistisch evaluieren.

Akustisches Lernen

Diese Technik eignet sich für Personen, die gehörte Informationen gut aufnehmen.

  • Nimm den Lernstoff in eigenen Worten mit deinem Smartphone oder einem anderen Gerät auf. Damit erfolgt bereits eine erste Auseinandersetzung mit dem Stoff.
  • Achte dabei auf die Betonung, variiere die Lautstärke, wähle ein angenehmes Tempo und lass dir Denkpausen frei.
  • Bereits beim Sprechen des Textes wird gelernt. Jedes weitere Abspielen ist eine Lernwiederholung.
  • Falls du auf gestreamte Vorlesungen zurückgreifst, ist es hilfreich, wenn du dir den Stoff zusätzlich auch schriftlich erarbeitest, z. B. mittels Lernplakat, Lernkartei oder einer simplen Zusammenfassung.

Merkhilfen

Komplexe Bedeutungsinhalte werden durch Tricks auf wenige einfache Inhalte reduziert.

Unter diesem Sammelbegriff finden sich verschiedene Lernstrategien wie z.B. Eselsbrücken oder Merkreime. Allen Techniken ist gemeinsam, dass sie viele Bedeutungsinhalte durch einfache Tricks auf wenige reduzieren, damit sie besser zu merken sind.

  • Mach zu Beginn eine Liste mit den Informationen, die du dir merken musst. Schreibe die Formel auf, formuliere das Modell, liste die Zahlenreihen auf.
  • Überlege, wie du die zu merkenden Informationen am besten „verpacken“ kannst und welche Strategie dir am meisten liegt. Hier findest du einige Links, die die Methoden ausführlich und anschaulich erklären:
  • Loci-Methode sowie einige andere Techniken
  • Weitere Merkhilfen

Elaborationsstrategien

Diese Lernstrategien dienen dazu, bereits vorhandenes Wissen zu aktivieren und mit neuem Wissen zu verknüpfen. Hierbei häufig angewandte Techniken sind:

  • Vorwissen aktivieren
  • Fragen stellen
  • Notizen machen
  • sich Beispiele überlegen

PQ4R-Methode

Diese Methode unterstützt beim sinnerfassenden Lesen und Lenken der Leseaufmerksamkeit. PQ4R steht für Preview – Questions – Read – Reflect – Recite – Review. Sie setzt auf selbstständige Auseinandersetzung mit dem Text mittels Fragen und Verschriftlichung.

  1. Preview. (Vorprüfung) Verschaffe dir einen Überblick und überfliege dafür Inhaltsverzeichnisse, Überschriften, Zusammenfassungen und einzelne Passagen. Gliedere den Text in Abschnitte und wende die vier folgenden Schritte auf jeden Abschnitt an.
  2. Questions. (Fragen) Formuliere Fragen zu den einzelnen Abschnitten. Dadurch wird die Motivation geweckt, Antworten auf die Fragen zu finden.
  3. Read. (Lesen) Lies jeden Abschnitt sorgfältig und hebe dabei wichtige Schlüsselwörter und Zusammenhänge hervor. Versuche, die zuvor gestellten Fragen zu beantworten.
  4. Reflect. (Nachdenken) Versuche, den Text zu verstehen und die Informationen in Bezug zu deinem Vorwissen zu setzen.
  5. Recite. (Wiedergeben) Versuche, die Fragen, die du zuvor an den Abschnitt gestellt hast, zu beantworten. Lies jene Passagen noch einmal, die beim Erinnern Schwierigkeiten bereiten.
  6. Review. (Rückblick) Gehe den gesamten Text noch einmal in Gedanken durch. Rufe dir die wichtigsten Punkte in Erinnerung. Versuche wiederum, die Fragen zu beantworten, die du dir gestellt hast.

Organisationsstrategien

Diese Strategien dienen dazu, einen neuen Wissensbereich zu überblicken. Lernstrategien dazu sind:

  • Zusammenfassungen von Texten schreiben
  • Mindmaps zu einem Themenbereich erstellen

Den Lernstoff strukturieren

Diese Methode zielt auf Überblick und Fokussierung.

  • Verschaffe dir in einem ersten Schritt eine Übersicht über den Umfang des Lernstoffes.
  • Strukturiere im zweiten Schritt den Stoff durch Markieren der wichtigen Punkte (Überschriften, Hauptaussagen) und versuche dabei, dich nicht in Details zu verlieren.
  • Fange mit dem Lernen erst an, sobald du den Stoff strukturiert hast!

Lernplakat

Diese einfache, aber effiziente Technik ist sinnvoll bei Stoffgebieten, die viel Auswendiglernen beinhalten (Formeln, komplexe Strukturen, Vokabeln).

  • Nimm ein großes Plakat zur Hand.
  • Notiere den Lernstoff auf dem Papier möglichst einfach, übersichtlich und strukturiert. Hilfreich können dabei auch Mindmaps, Diagramme oder Zeichnungen sein.
  • Hänge das Plakat an einem Ort in deiner Wohnung auf, den du häufig besuchst (Kühlschrank, Spiegel, Toilette). Halte im Vorübergehen kurz inne, lese und wiederhole innerlich oder laut, was du eben gelesen hast.

Schnelllese-Techniken

Schnelllese-Techniken sind nützlich für einen ersten Überblick und eine Orientierung bei großen Textmengen. Prinzipiell geht es bei dieser Methode darum, das Wahrnehmungsfeld zu erweitern und die Lesegeschwindigkeit zu erhöhen – und das bei gleichzeitigem Erkennen wichtiger Inhalte. Bei einer durchschnittlichen Lesegeschwindigkeit lesen wir etwa 200 Wörter pro Minute. Beim Schnelllesen ist diese Anzahl deutlich höher. Aber: Text ist nicht gleich Text! (Fachsprache, komplexe Satzstrukturen, Fremdwörter, andere Sprachen) Jeder Text erfordert daher ein spezifisch angepasstes Tempo.

  • Verschaffe dir einen inhaltlichen Überblick. Lies das Inhaltsverzeichnis und die Überschriften und versuche, die Textstruktur zu erfassen.
  • Versuche, Relevantes wie Hervorhebungen und visuelle Informationen rasch zu erkennen und von weniger Relevantem zu unterscheiden.
  • Erweitere die Blickspanne. Bei einem Abstand von 30 cm zur Leseunterlage können Ungeübte rund 3-4 Buchstaben erfassen (ca. 1 cm Blickspanne). Versuche bewusst, nicht zu lesen, sondern richte den Blick mittig auf die jeweilige Zeile und nimm den Text wie ein Bild auf. Mit Übung lässt sich die Blickspanne auf bis zu 12 cm erweitern.
  • Photo Reading. Richte Fragen an den Text und lies zügig von rechts oben nach links unten (2-3 Sekunden/Seite). Diese Technik ist nur bei Strukturerfassungen oder sehr genauen Fragestellungen an den Text geeignet.

Hilfreich ist, wenn du bei diesen Organisationsstrategien Folgendes berücksichtigst:

  • Vermeide abzuschweifen: Halte präsent, was du machst und was der nächste Schritt sein wird. Wenn du über etwas nachdenken willst, notiere dies, aber verschiebe das Nachdenken auf später.
  • Lesetechnikfehler vermeiden: Kein Finger am Text, bewege den Kopf nicht mit.

Wissensnutzungsstrategien

Diese Formen der Lernstrategien dienen dazu, das erlernte Wissen auch reproduzieren zu können. Hierbei häufig angewandte Strategien sind:

  • Schreiben von Texten
  • Lösen von Problemen
  • Argumentieren im sozialen Kontext (z.B. Lerngruppe)

Szenariotechnik

Diese Methode ist hilfreich bei Prüfungen, die einen Transfer von Theorien und Konzepten hin zur Anwendung verlangen. Mit dieser Methode wird die Anwendung eines theoretischen Prinzips (Formel, Modell, Konzept) anhand der Praxis reflektiert. Sie wird im Studienalltag oft angewendet, jedoch selten bewusst als Lerntechnik eingesetzt.

  • Erkunde, bei welchen Anwendungsbereichen das zu lernende theoretische Prinzip zur Anwendung kommt. Recherchiere dazu, eröffne eine Moodle-Diskussionsgruppe oder frage Kolleg*innen und Lehrende.
  • Versuche, dir diese Anwendung praktisch und konkret vorzustellen.
  • Fertige unterstützend Zeichnungen, Skizzen und Schemata von Abläufen an.
  • Versuche, das Szenario anderen Personen zu erklären und leite dabei anschließend das dazugehörige Prinzip ab. Dieser letzte Schritt dient auch als Erfolgskontrolle. Hier wird deutlich, ob das Szenario für dich selbst noch unschlüssig ist oder ob du das theoretische Prinzip in die Praxis übertragen konntest.

Mit diesen Lernstrategien kann jetzt nichts mehr schief gehen. Wir wünschen dir viel Erfolg beim Lernen! 🍀



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Back to top