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Leichter lernen #9: Wie begegne ich Schreibblockaden? am 14. September 2020
ungefähr 7 Minuten
Themen: Digitales Studieren , Leichter lernen , Schreibblockade , Schreiben

Leichter lernen #9: Wie begegne ich Schreibblockaden?

Die leere Seite zu Beginn einer Schreibarbeit – für niemanden ein schönes Gefühl.
Zum Problem wird es dann, wenn die weiße Seite für Tage oder sogar Wochen zurückstarrt. Das Center for Teaching and Learning (CTL) verrät euch einige Tipps, wie ihr solche Schreibblockaden lösen könnt.

„Das Anfangen fällt mir immer schwer.
Ich habe jedesmal Angst, dass ich nicht schaffe, was ich möchte;
Zweifel daran, dass ich es überhaupt kann.“

Herta Müller, Schriftstellerin

Die meisten Personen, die Texte schreiben, kennen das: es geht nichts weiter, Frust macht sich breit, das Blatt ist immer noch weiß und unbefüllt. Stockende Phasen gehören in den meisten Fällen zu einem Schreibprozess dazu. Sie entstehen oft, wenn neue Gedanken in Worte gefasst werden wollen oder neue Arbeitsschritte anstehen. Von einer Schreibblockade im wörtlichen Sinn wird erst dann gesprochen, wenn es mit dem Schreiben über lange Zeiträume nicht klappt und die betreffende Person darunter leidet. Ansonsten bezeichnet man zum Beispiel Probleme beim Anfangen, Weitermachen oder Finalisieren als „Schreibschwierigkeiten“. Bei Schreibarbeiten kommt schließlich auch das klassische Aufschieben häufig vor.

Viele Studierende werden zu Beginn des Studiums damit konfrontiert, dass wissenschaftliches Schreiben implizit als Voraussetzung angesehen wird, zudem erhalten sie oft unzureichende Anleitungen. Das kann frustrierend sein und dazu führen, dass man sich selbst die Schuld gibt, wenn es nicht auf Anhieb klappt. Mit steigender Semesterzahl kann diese Situation immer schwieriger bewältigbar erscheinen. Der Schreibforscher Otto Kruse spricht in diesem Zusammenhang von verfestigten Anfangsproblemen.

Wichtig ist dabei: Nicht verzweifeln! Wissenschaftliches Schreiben kann nicht einfach vorausgesetzt, sondern muss wie jede andere Kompetenz erst erlernt werden. Es ist daher wichtig, nicht von sich selbst zu erwarten, auf Anhieb so schreiben zu können wie etablierte Wissenschafter*innen und sich auch die Zeit zu geben, das wissenschaftliche Schreiben erstmal zu lernen. Vertraue auf deine eigenen Fähigkeiten: Behalte die Techniken und Vorgehensweisen bei, die bei deinen bisherigen Schreibarbeiten wie Essays oder Seminararbeiten gut funktioniert haben. Suche für jene Aspekte, die nicht so gut klappen, neue Strategien. Hier findest du verschiedene Tipps dafür. Nimm dir jene Teile heraus, die dich ansprechen, und vergiss nicht: Meist führen mehrere Wege zum Ziel!

6 Tipps für das Schreiben-Lernen

  • Schreiben braucht Routine. Lege ein Arbeitsjournal an, in welches du regelmäßig fachbezogene Fragen, wissenschaftliche Ideen, Hinweise aus Lehrveranstaltungen oder Gedanken zu Texten notierst. Weitere hilfreiche Strategien für das Entwickeln von Schreibkompetenzen sind beispielsweise Morgenseiten oder Freewriting. Durch das regelmäßige Verschriftlichen von (wissenschaftlichen) Gedanken wird so dein „Schreibmuskel“ trainiert.
  • Schreiben braucht Austausch. Suche regelmäßigen Austausch mit anderen Studierenden, sowohl über deine Texte als auch über die Herausforderungen, denen du beim Schreiben begegnest. So wird bald deutlich, dass du nicht allein bist. Selbstorganisierte oder vom CTL angebotene Schreibgruppen sind gute Möglichkeiten hierfür.
  • Schreiben braucht Feedback. Hole dir von Kolleg*innen wie auch von Lehrenden Rückmeldungen zu deinen Texten ein und bitte um eine genaue Besprechung. Frage nach, was gut funktioniert hat und versuche zu erfassen, warum etwas kritisiert wird.
  • Schreiben braucht Bestärkung. Die meisten Menschen lernen am besten, wenn die positiven Ansätze verstärkt werden. Mach dich deiner Stärken bewusst und fokussiere nicht auf die Schwächen. Belohne dich selbst oder hole dir Bestärkung aus Peer-Schreibgruppen.
  • Schreiben braucht Selbstbeobachtung. Beobachte, unter welchen Bedingungen du gut schreiben kannst, und wie lange du für einzelne Arbeitsschritte benötigst. Dieses Wissen kannst du für weitere Schreibprojekte nutzen. Oft tauchen beim Schreiben Gefühle auf, die für den Schreibprozess vordergründig nicht unterstützend sind. Die Gefühle können sich zum Beispiel auf die Erfahrung des Schreibens beziehen, auf die Qualität des Textes, auf die Arbeitsbedingungen oder auf die Bedeutung, die der Text für das eigene Leben bzw. die eigene Zukunft hat, wie bei Abschlussarbeiten. Versuche zu erkennen, worauf sich die unangenehmen Gefühle beziehen und nimm diese gegebenenfalls als Hinweis darauf wahr, was du überdenken solltest. Nimm auch die positiven Gefühle wahr und ernst, zum Beispiel wenn dir etwas gefällt, das du geschrieben hast.
  • Schreiben braucht Zeit. Otto Kruse spricht davon, dass es einige Jahre Übung braucht, um sicher wissenschaftlich schreiben zu können. Habe also Geduld mit dir selbst! Du kannst auch die Angebote des CTL wie Schreibmentoring oder Schreibberatungen nutzen, um dich intensiv mit dem Schreiben zu befassen.

5 Tipps für konkrete Schreibaufgaben

Falls du gerade vor einer konkreten Schreibaufgabe stehst, können folgende Tipps hilfreich sein:

  • Bereite dein Schreiben gut vor. Kläre vor der Schreibarbeit die formalen und inhaltlichen Rahmenbedingungen: welche formalen Regeln und Standards müssen beachtet werden? Ist die Aufgabenstellung mit der Lehrperson abgesprochen? Sind Ziele und Vorgehensweise mit der Lehrperson vereinbart?
  • Fang an! Ein Aufwärmprozess ist oft hilfreich dafür, um gut in das Schreiben einsteigen zu können. Fange mit den Textteilen an, die dir am einfachsten erscheinen – das muss dabei nicht die Einleitung sein! Unterstützend für das Anfangen kann auch ein Inhaltsverzeichnis sein, das unter den jeweiligen Abschnitten schlagwortartig auflistet, worum es gehen soll. Fang an – und schiebe das Schreiben nicht auf.
  • Setze realistische und konkrete Ziele. Das große Ziel der Schreibarbeit wird durch das Formulieren von Teilzielen bewältigbar und überschaubar. Tipps zum Zeitmanagement findest du hier! Vereinbare mit dir selbst konkrete Vorhaben, wie etwa drei Stunden am Kapitel Methoden zu schreiben, zwei Stunden die Einleitung zu skizzieren, und dann eine Seite der Einleitung zu schreiben. Belohne dich, wenn du ein Teilziel erreicht hast!
  • Schalte deine innere Kritikstimme aus. Versuche, dich zu Beginn des Schreibens nicht von Formulierungs- und Grammatiküberlegungen, oder von inhaltlichen Fragen aufhalten zu lassen. Halte deine Zweifel im Text fest, beim Überarbeiten oder Korrekturlesen kannst du später darauf eingehen. Versuche, beim Schreiben immer wieder die Aufgabe im Blick zu behalten, und dich nicht in Details zu verlieren – denn Perfektionismus steht dem Tun im Weg.
  • Tritt einen Schritt zurück. Baue gezielt Pausen ein, in denen du dich nicht mit dem Text beschäftigst. Die Distanz ermöglicht bei einer neuerlichen Annäherung oft andere und produktive Perspektiven auf das bereits Geschriebene.

Das Verfassen einer Schreibarbeit ist zwar jeweils ein singuläres Ereignis, das wissenschaftliche Schreiben ist jedoch ein Prozess, der Entwicklungsschritte beinhaltet und Zeit benötigt. Habe Geduld mit dir, nutze hilfreiche Angebote und tausche dich über das Schreiben und die Begleitprozesse aus – so kommt es zu  Schreiblust statt Schreibfrust!

Falls du weitere Hilfe bei der Umsetzung dieser Tipps brauchst: Die Psychologische Studierendenberatung bietet verschiedene Unterstützungsformen an, von der individuellen Beratung (Telefon, E-Mail, Video, vor Ort) bis hin zu speziellen Angeboten.

Hier noch ein paar Literaturtipps:

  • Helga Esselborn-Krumbiegel: Tipps und Tricks bei Schreibblockaden, Paderborn 2015.
  • Otto Kruse: Keine Angst vor dem leeren Blatt. Ohne Schreibblockaden durchs Studium, Frankfurt am Main 2007.
  • Judith Wolfsberger: Frei geschrieben. Mut, Freiheit und Strategie für wissenschaftliche Abschlussarbeiten, Wien 2010.

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