Der Übergang vom Studium ins Berufsleben ist selten geradlinig. Für viele beginnt er mit Fragen und Unsicherheit – und mit dem Gefühl, vieles zu können, aber noch keine klare Richtung zu haben. Im alma Mentoring-Programm der Universität Wien hat Mentee Chau im Austausch mit ihrem Mentor Manuel einen Gesprächsraum gefunden, in dem genau diese Themen Platz hatten. Im Interview erzählt sie von ihrem Weg ins Mentoring, von Erwartungen an sich selbst und von der Balance zwischen Leistung und Selbstfürsorge. Ein Gespräch über Mut, neue Perspektiven und darüber, warum Mentoring manchmal genau dort wirkt, wo man es nicht erwartet.
Liebe Chau, was waren deine Beweggründe, Manuel als Mentor auszuwählen?
Ich war neu als Mentee im alma Mentoring und hatte ein recht klares Ziel: Ich wollte den beruflichen Einstieg in die Industrie finden. Manuel hatte genau diesen Hintergrund – Industrie und Wissenschaft – und erfüllte damit zunächst ganz sachlich meine Kriterien.
Als ich dann sein Mentoren-Profil auf der Website gelesen habe, kam die persönliche Ebene dazu. Die Art, wie er sich ausdrückt, hat sehr gut zu meinen eigenen Vorstellungen gepasst. Als wir uns schließlich persönlich bei einem alma Mentoring-Event kennengelernt haben, hat sich dieses Gefühl bestätigt. Er war sehr offen und hat von Beginn an viele seiner Erfahrungen geteilt Es hat sich nie so angefühlt, als wäre er der „Lehrende“, der mir sagt, was richtig oder falsch sei. Es war von Anfang an ein Austausch auf Augenhöhe. Die Gespräche sind einfach geflossen.
Ich hatte anfangs große Angst, wie das erste Treffen tatsächlich ablaufen würde aber es kam nie zu unangenehmen Momenten. Wir reden beide sehr gerne und sind einfach ins Gespräch gekommen.
Wie bist du auf das alma Mentoring-Programm aufmerksam geworden und hast dann einen Mentor gefunden?
Als ich mit der Uni angefangen habe, habe ich schnell gemerkt: Lernen an sich ist kein Problem für mich. Aber Uni soll ja auch auf das Leben und den Beruf vorbereiten – und genau da war ich überfordert. Ich hatte eine grobe Vorstellung davon, wohin ich beruflich möchte, aber ich wusste nicht, wie ich dort hinkomme. Also habe ich recherchiert und bin auf alma Mentoring gestoßen.
Manuel über die alma Mentoring-Website zu kontaktieren habe ich erst ewig aufgeschoben, weil mir schriftlicher Erstkontakt generell schwer fällt. Einige Zeit später kam dann der Newsletter des Mentoring-Programmes mit der Einladung zu einem alma Mentoring-Event. Ohne zu wissen, dass Manuel dort sein würde, habe ich mich entschieden hinzugehen. Vor Ort war ich erst etwas eingeschüchtert: Ich war zu spät, der Raum war voll, alle waren bereits miteinander im Gespräch. Ich stand im Türrahmen und habe überlegt, einfach wieder zu gehen. Dann habe ich das Essen gesehen und dachte mir: „selbst wenn ich mit niemandem rede und mich total blamiere – immerhin werde ich eine Kleinigkeit zu Essen abstauben“ und bin reingegangen. Bei diesem Event bin ich dann persönlich mit Manuel ins Gespräch gekommen.
Viele Mentees berichten, dass diese erste Kontaktaufnahme die größte Hürde ist, genau wie es dir ja auch ging. Hast du einen Tipp für Studierende, die sich nicht trauen?
Alles, was ich meinem damaligen Ich sagen würde, ist: Mach es einfach. Das klingt banal, aber mir hat geholfen zu verstehen, dass es eigentlich keine negativen Konsequenzen gibt. Selbst wenn das Worst-Case-Szenario eintrifft, man mit niemandem spricht oder sich unwohl fühlt – das hat keine nachhaltigen Nachteile. Was man aber definitiv bereut, ist, es gar nicht versucht zu haben. Ohne anzufangen, kommt man zu keinem Ergebnis.
Was war dein Worst-Case-Szenario – und wie war die Realität?
Ich habe gemerkt, dass dieser Gedanke, dass alle mein Verhalten ständig bewerten würden, einfach nicht stimmt. Niemanden interessiert es wirklich, ob ich stottere oder etwas Unperfektes sage. Man ist eine von tausenden Personen, die das Gegenüber im Leben trifft – und genau das ist befreiend. Aber aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich genau, dass die Enttäuschung darüber, es gar nicht versucht zu haben viel größer wäre, als darüber, nicht alles erreicht zu haben, was ich mir vorgenommen habe. Die Realität war kein bisschen wie das Worst-Case-Szenario, sondern ganz großartig. Was, wenn ich gar nicht hingegangen wäre? Ich hätte Manuel nie persönlich kennengelernt und einfach alles verpasst.
Mit welchen Themen bist du ins erste Mentoring-Treffen gegangen – und wie haben sie sich verändert?
Wie viele Studierende kurz vor dem Abschluss hatte ich vor allem eine Frage: Was mache ich als Nächstes? Mein Studiengang ist sehr konkret, die Berufsaussichten klar – aber genau diese haben nicht zu meinen Vorstellungen gepasst. Ich wollte in die Industrie.
Am Anfang ging es also um sehr klassische Fragen: Wie komme ich in die Industrie? Was brauche ich dafür? Wie bereite ich mich vor? Ich habe gelernt, dass ich mir zu starre Ziele setze – nur um später festzustellen, dass es gar nicht das ist, was ich wirklich will. Wir haben viel über Zielsetzung gesprochen, über Flexibilität, über Leben neben Studium und Arbeit. Spannend war, dass Work-Life Balance zu einem zentralen Thema des Mentorings wurde, was ich zu Beginn selbst gar nicht auf dem Radar hatte. Ich arbeite viel und gerne – aber zu viel. Arbeit war für mich lange ein Weg, andere Probleme zu ignorieren. Themen wie Stressmanagement und Selbstfürsorge sind im Laufe des Mentorings mit in den Vordergrund gerückt. Ich habe immer gewusst, dass es das Problem gibt, aber nie wirklich gespürt, wie tiefgreifend es war. Zu erkennen, wie fundamental dieses Ungleichgewicht war, verdanke ich dem Mentoring, auch, wenn es sicher eine Weile dauern wird, bis ich tatsächlich meine Balance gefunden habe.
Übrigens: seit 01.01.2026 ist das alma-Mentoring Programm für Studierende der Uni Wien kostenfrei!
Gab es konkrete Veränderungen in deinem Alltag?
Ja, definitiv. Der erste Schritt war, mir einzugestehen, dass ich zu viel arbeite – und das nicht mehr scherzhaft abzutun. Ich habe angefangen zu akzeptieren, dass nicht alles sofort und maximal erledigt werden muss. Diese Erkenntnis war wichtig.
Hast du ein konkretes Beispiel für eine Veränderung, die im Laufe des Mentorings stattgefunden hat?
Zu Beginn des Mentorings hatte ich eine sehr konkrete Vorstellung davon, wie meine berufliche Zukunft aussehen sollte. In den Gesprächen mit Manuel habe ich gemerkt, dass diese Vorstellung stark davon geprägt war, wer ich zu diesem Zeitpunkt war. Mir ist klar geworden, dass sich das ständig verändert. Durch neue Erfahrungen, Menschen und Perspektiven bin ich vielleicht schon in ein paar Monaten nicht mehr dieselbe Person – und werde andere Wünsche und Prioritäten haben. Diese Erkenntnis hat mir enormen Druck genommen.
Heute ist mir wichtig, meine Optionen offen zu halten und den Blick für das große Ganze zu bewahren. Ich möchte in einem Beruf arbeiten, der mir Spaß macht. Durch das Mentoring habe ich verstanden, dass ich nicht glücklich wäre, wenn ich mein gesamtes Berufsleben in einer einzigen Rolle oder an einer einzigen Stelle verbringen müsste. Zu erkennen, dass es diese Flexibilität gibt und, dass ich von ihr Gebrauch machen darf, war eine der wichtigsten Veränderungen für mich.
Was macht Manuel für dich zu einem guten Mentor?
Was ein*e gute*r Mentor*in ist, ist sehr stark davon abhängig was ein*e Mentee braucht. Ich habe aber beispielsweise auch beim „Celebrate“ Event ein Mentoring-Paar kennengelernt, das das Mentoring nur online abgehalten und sich bei dem Event zum ersten Mal persönlich getroffen hat – und auch das hat für sie funktioniert. Für mich war entscheidend, dass wir uns persönlich getroffen haben, und uns auf Augenhöhe begegnen und offen kommunizieren konnten. Manuel hat viel gefragt, eigene Erfahrungen geteilt und mich immer wieder ermutigt, meine Bedürfnisse auszusprechen. Ich habe durch ihn gelernt, offener und klarer zu kommunizieren. Kommunikation kann direkt und ehrlich sein, ohne unangenehm zu werden.
Gab es auch Schwierigkeiten im Mentoring?
Ja. Obwohl das erste Treffen super gut lief und wir uns geeinigt haben das Mentoring zu beginnen, habe ich anfangs stark gezögert Manuel nochmal zu kontaktieren. Kontakt zu initiieren ist für mich eine Hürde, die ich zu Beginn auch nicht zu überwinden wusste. Dass Manuel mich dann von sich aus kontaktiert hat, war entscheidend. Ab diesem Punkt fiel mir die Kontaktaufnahme deutlich leichter. Auch das war ein Lernprozess.
Zum Abschluss: Gibt es etwas, worauf du besonders stolz bist?
Vor ein paar Monaten meinte Manuel zu mir, ich hätte eigentlich alles erreicht, was ich mir am Anfang vorgenommen hatte. Ich habe mir dann meine Jahres-Checkliste angeschaut und tatsächlich zum ersten Mal fast alles abhaken können: bessere Kommunikation, neue Stelle, mehr Reisen, größeres Netzwerk, Masterplatz, Auslandssemester. Das war ein sehr besonderer Moment.
Man muss geduldig mit sich sein und sich bemühen Veränderungen herbeizuführen und dann auch zuzulassen. Es ist beängstigend, ja – aber manchmal muss man einfach Geduld haben und dann wird alles okay. Irgendwann passiert es einfach, wenn man auch etwas dafür tut.
Bist du neugierig geworden? Wie du selbst Mentee werden kannst, findest du auf der alma Mentoring Website.
Mehr Einblicke zum Mentoring-Programm der #univie hat auch Human Doris gegeben.
Einleitung von Anne Lina Juschka.
Super spannender Beitrag! Ich finde es großartig, wie du wissenschaftliche Erkenntnisse direkt in die Praxis bringst – besonders die Verbindung von gesunder, nachhaltiger und gleichzeitig leistbarer Ernährung in der Mensa ist ein wichtiges Thema. Die Tipps für den Studienalltag sind echt alltagstauglich – danke fürs Teilen!
Finde es super, dass man bei uniorientiert schon so viel über die verschiedenen Studienrichtungen erfährt! Ich studiere selbst an der Uni Wien (Juridicum) und hab mich damals auch erst nach der Messe für Recht und das juristische Studium entschieden sowie den Plan Rechtsanwalt zu werden – das juristische Umfeld hier ist echt spannend und vielseitig.
Toller inspirierender Beitrag. Liebe Grüße!