von Anna Babka und Peter Clar
am 4. Juni 2018
ungefähr 6 Minuten
Themen: Debatte , Literatur , MitarbeiterInnen , Poetryslam , Politik , Speak Up , Wettbewerb

Poe-poe-poe Poetryslam im Arkadenhof!

Seit 2010 veranstalten die Germanist_innen Anna Babka und Peter Clar an der Uni Wien einen Poetryslam. Am Samstag, 9. Juni, findet der inzwischen 8. Slam statt. Grund genug für Anna und Peter, euch darüber am #univieblog zu erzählen.

Anna und Peter im Arkadenhof

Poetryslam – was ist das überhaupt?

Moderator und Mitveranstalter Markus Köhle (links) in Aktion. © Anna Babka/Peter Clar

Eine Art Dichter_innenwettstreit. Jede_r Slammer_in hat fünf Minuten Zeit, einen selbst geschriebenen Text zu präsentieren. Ohne Hilfsmittel wie Musikinstrumente,Verkleidung etc. Und ohne zu singen. Das Publikum stimmt ab, wer eine Runde weiterkommt. Entweder mit Bewertungstaferln oder mittels Applaus. Je nach Teilnehmer_innnenzahl kommt eine vorher festgelegte Zahl an Slammer_innen ins Finale, wo ein weiterer Text zur Aufführung kommt. Und dann wird, ebenfalls mittels Publikumswahl, die Siegerin oder der Sieger ermittelt.

 

So entstand die Idee

Auch Poetryslammerin Mieze Medusa tritt regelmäßig beim Freiluft-Poetryslam an der Universität Wien auf. © Anna Babka/Peter Clar

Ausgangspunkt des ersten Slams war eine von uns gemeinsam geleitete Lehrveranstaltung, die der Frage der Kanonisierung von Literatur nachgegangen ist: Wer bestimmt was gute Literatur ist? Welche Vermittlungsinstanzen gibt es? Warum gibt es Texte, die es in den Mainstream oder in den universitären Kanon oder in beides schaffen und warum gelingt es anderen Texte nicht etc.? Eine weitere Frage, die wir mit den Studierenden diskutierten, war die von der Wissenschaft weitgehend ignorierte – jedoch bereits sehr populäre – Form des Poetryslams.

Irgendwann kam dann die Idee auf, dass wir gemeinsam mit den Studierenden einen Slam veranstalten könnten. So haben wir mit Markus Köhle und Mieze Medusa, „godfather und -mother“ des österreichischen Slams, den ersten Gig organisiert. Im Vorfeld lief noch ein Schreibworkshop der beiden mit den Studierenden und so waren einige nicht nur Mitorganisator_innen, sondern auch selbst Autor_innen und Performer_innen.

 

„speak up“! – was steckt dahinter?

Am Samstag, 9. Juni, findet im Arkadenhof von 14 bis 17 Uhr der 8. univie Poetryslam unter dem Motto „speak up!“ statt.

Wir haben jedes Jahr ein politisch-emanzipatorisches Motto. Weil wir Universität als einen gesellschaftspolitisch relevanten Ort verstehen. Und weil es gerade im ersten Jahr darum ging, aufzuzeigen, wie eine Literaturform, die wie andere Formen gute wie schlechte Texte hervorbringt, konsequent ignoriert wird (deshalb hieß der Slam auch „Slam the Canon“).

„speak up!“ bezieht sich zum einen auf die „metoo“-Debatte, die wir aber keineswegs „kapern“ wollten. Zugleich war es uns ein Anliegen, das Motto auch etwas zu verbreitern und generell die Frage danach zu stellen, wie politische Ermächtigung aussehen kann – in der Literatur, aber auch in anderen Bereichen.

 

Bühne frei: 2015 fand der Slam im Rahmen der Feierlichkeiten zum 650-jährigen Jubiläum der Uni Wien beim Campus-Festival statt. © Anna Babka/Peter Clar

Unsere Highlights aus den letzten Jahren

Da gab es einige. Selbst jene Slams, die weniger gut besucht waren, haben Spaß gemacht. Aber natürlich war „unser“ Auftritt im Rahmen der 650-Jahr-Feiern etwas sehr Spezielles. Wir haben da vor mehreren hunderten Leuten geslammt, zudem war es unser 5-jähriges Jubiläum (hier geht’s zum Fotorückblick).
Ansonsten ist uns etwa der Sieg von Mario Tomic im ersten Jahr in besonderer Erinnerung. Er hatte seine vorbereiteten Texte im Zug liegen lassen und dann einen sehr nachdenklichen Text über „sein Jugoslawien“, das Land seiner Kindheit, gemacht. Bei einem anderen Slam hat Jimi Lend den Baum im Arkadenhof für eine Klettereinlage genutzt, auch das bleibt in Erinnerung.

 

Slamort: Arkadenhof

Das begeisterte Publikum im Arkadenhof.
© Anna Babka/Peter Clar

Zwei Mal waren wir auch am Campus. Aber der Arkadenhof ist uns aus vielen Gründen lieber. Zum einen wollen wir den Slam unbedingt an der Universität machen und die Hauptuni ist irgendwie das Symbol dafür. Literatur und Literaturwissenschaft sind für uns untrennbar miteinander verbunden, und zwar nicht, weil das eine der Gegenstand des anderen ist (oder nicht nur), sondern weil beides mit Sprache arbeitet, beides kritisches, politisches, philosophisches Denken ist. Dann ist der Arkadenhof einfach ein toller Raum.

Wir freuen uns auch sehr, dass die Universität, namentlich das Raum- und Ressourcenmanagement, es uns immer wieder und mit viel Verve ermöglicht, diesen zu nutzen. Ein schöner Nebeneffekt ist, dass der Arkadenhof so oder so bei Schönwetter gut besucht ist, wir erreichen also viele Leute, die gar nicht vor hatten zum Slam zu kommen. Und es gibt auch „Laufkundschaft“, Student_innen, die sich einfach mal eine halbe Stunde zu uns setzen und zuhören, bevor sie zu ihrer Lehrveranstaltung oder in die Bibliothek gehen.

 

Von Vielfalt und Respekt in der Slam-Szene

Die Slammer_innen und Veranstalter_innen 2015. Wenn Du heuer auftreten magst, komm einfach am Samstag vorbei.
© Peter Ernst

Als Rezipient_innen gefällt uns, dass dieses Kurzformat so viele verschiedene Stile, Persönlichkeiten, Themenzugänge zulässt. Manche Texte gefallen uns besser, manche weniger, aber die Vielfalt ist schon sehr spannend. Und dann ist die Stimmung einfach gut, die Leute fröhlich, aufmerksam und gechillt. Natürlich sind die Slams auch professioneller geworden und es gibt innerhalb der Slamszene unterschiedliche Gruppierungen, die vielleicht nicht immer einer Meinung sind. Aber vor Ort, bei den Slams, da herrscht ein unglaublicher Respekt der Poet_innen untereinander, ein schönes Zusammengehörigkeitsgefühl.

Als Wissenschafter_innen schätzen wir die Widerständigkeit des Slams gegenüber Einordnungen – der Slam ist ja eine interessante Mischform aus Mündlichkeit und Schriftlichkeit, teilweise grenzt er an Rap, teilweise an Performances etc. Das ist eine Parallele auch zu unseren Schreibweisen, denn – wie gesagt – sehen wir uns ja auch als Wissenschafter_innen als Spracharbeiter_innen.

 

Ich möchte am 9. Juni auftreten – was muss ich tun?

Jede­_r ist willkommen! Sowohl als Zuhörer_in als auch als Poet_in. Und man braucht keinesfalls einen Nachweis, dass man Studiengebühren bezahlt hat. Im Ernst: Das Schöne an den Slams, das passt eigentlich auch zur vorigen Frage, ist, dass diese ganz demokratisch ablaufen. Einzige Bedingung für die Teilnahme ist, dass man die Texte selbst geschrieben hat.

Es ist ganz einfach: Ein paar Minuten vor Beginn des Slams vor Ort sein und sich beim Slammaster Markus Köhle melden. Dann wird die Reihenfolge ausgelost. Sollten wir wirklich zu viele Anmeldungen haben, entschädigen wir mit einem garantieren Startplatz bei einem anderen Slam. Das ist aber noch nie passiert, weil wir an sich genug Zeit haben und immer versuchen alle dran kommen zu lassen.


Anna Babka und Peter Clar

Anna Babka ist Assoziierte Professorin am Institut für Germanistik, Peter Clar ist Schriftsteller und Lektor an den Universitäten Wien und Klagenfurt. Gemeinsam mit Markus Köhle organisieren sie heuer bereits zum 8. Mal den uni.vie.slam.poetrie
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