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Leichter lernen #8: Prokrastination – Warum wir aufschieben. am 25. August 2020
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Themen: Leichter lernen , Prokrastination , Studium

Leichter lernen #8: Prokrastination – Warum wir aufschieben.

Prokrastination oder Aufschieberei – das sind Begriffe, die ihr nur allzu gut kennt? Das Center for Teaching and Learning (CTL) zeigt euch Strategien, mit denen ihr das „Verschiebe-Ich-Auf-Morgen“-Problem in den Griff bekommt.

Fast alle haben das schon einmal erlebt: Wir wissen, dass wir etwas lernen oder erledigen sollten und schieben es immer weiter vor uns her. Manchmal bringt uns die „Last-Minute-Energie“ in allerletzter Minute dazu, mit einem Kraftakt eine Deadline doch noch einzuhalten – meist mit einem weniger guten Ergebnis, als es möglich wäre. Oder aber wir geben die Seminararbeit aus Zeitgründen nicht ab oder treten nicht zur Prüfung an. Oft hadern wir dann mit uns, machen uns Selbstvorwürfe, und nehmen uns wieder einmal vor, es das nächste Mal ganz anders zu machen und rechtzeitig zu beginnen.

Wenn man schon länger mit dem Aufschieben zu kämpfen hat, und bereits viele Tipps ohne besonderen Erfolg ausprobiert hat, lohnt es sich, die möglichen Ursachen der Aufschieberei genauer in den Blick zu nehmen. Tatsächlich gibt es unterschiedliche Ursachen für Prokrastination, und je nachdem, was dahintersteckt, braucht es ganz verschiedene Strategien, um erfolgreich arbeiten zu können.

Die häufigsten Ursachen für Prokrastination und was man dagegen tun kann

Gerade hier lauert allerdings eine typische Prokrastinations-Falle: Ewig an Listen und Plänen zu tüfteln, aber dann nie mit der eigentlichen Arbeit zu beginnen. Wenn das der Fall ist, stecken oft andere Ursachen hinter dem Aufschiebeverhalten, wie Angst vor Fehlern und Konsequenzen. Oft stecken unbewusste Ängste dahinter, wenn wir das Anfangen hinausschieben. Diese Ängste resultieren allerdings aus unterschiedlichen Erfahrungen:

Perfekt sein wollen

Bei wichtigen Projekten haben wir oft sehr hohe Ansprüche an uns selbst. Wir wollen es besonders gut machen, und genau das führt zu Blockaden. Um weiterarbeiten zu können, muss man die innere Perfektionist*innen-Stimme zum Schweigen bringen. Hier drei Tipps, wie ihr das schaffen könnt:

  1. „Shitty 1st Drafts“ schreiben. Erstversionen am besten mit der Hand schreiben, denn dieser „rohe“ Textentwurf darf fehlerhaft sein, er muss den Regeln der Rechtschreibung und Grammatik nicht folgen und kann in Dialekt oder „Sprechsprache“ geschrieben sein. Trotzdem kann man sich bereits auf diese erste Textskizze inhaltliches Feedback von Kolleg*innen einholen.
  2. Fragegeleitetes Lernen. Versucht einmal, Fragen zu beantworten, zu denen ihr noch nichts gelernt habt, und dann die Lösung zu suchen, statt zuerst alle Details auswendig zu lernen.
  3. 3 Ziele stecken. Best-Version, Gute Leistung und Minimalvariante definieren, und dann mit den Teilen, die für die Minimalvariante notwendig sind, beginnen.

Angst vor negativen Konsequenzen

Je schlimmer unsere Befürchtungen, desto schwerer fällt es, an einem Projekt zu arbeiten. In diesem Fall braucht es Mut. Stelle dich deinen Dämonen! Hier zwei Tipps dazu:

  1. Mental Sicherheit tanken. Spüren, wie es sich anfühlt, etwas erfolgreich hinter sich gebracht zu haben. Das gibt Mut und Sicherheit: Erinnere dich 10 Minuten lang ganz bewusst an eine frühere Erfolgssituation oder stelle dir vor, wie es sich anfühlen wird, die Aufgabe gut erfüllt oder die Prüfung gut geschafft zu haben.
  2. Lösungsorientiert denken. Statt To-Do-Listen lieber Have-Done-Listen schreiben, damit macht man jeden noch so kleinen Fortschritt sichtbar – diese Punkte am besten gleich mit einer Belohnung kombinieren!

Ohnmacht: es ist tatsächlich zu viel

Wenn alles wichtig und dringend ist, ist schlicht zu wenig Zeit und Energie da, um alles zu bewältigen. Zusätzlich fühlt man sich den Anforderungen ausgeliefert und zunehmend fremdgesteuert. Prokrastination ist dann ein Schutzmechanismus, um uns vor der völligen Erschöpfung zu bewahren. Gleichzeitig gewinnt man dadurch einen kleinen Freiraum der Selbstbestimmung, allerdings mit schalem Beigeschmack. Wenn man plötzlich das Gefühl hat, immer mehr wichtige und dringende Dinge vor sich her zu schieben, ist das ein gutes Warnsignal, um vor einem Burn-Out wichtige Schritte zu setzen:

  1. Vom „müssen und sollen“ zum „möchten und machen“. Aufgaben anders priorisieren: Nicht mehr danach fragen, ob etwas wichtig und dringend für andere ist, sondern danach, wie wichtig und erfolgsversprechend es für mich persönlich ist. Also: selbst entscheiden, statt über sich verfügen zu lassen.
  2. Willenskraft trainieren. Mit den kleinsten und einfachsten Punkten beginnen, die schnellen Erfolg versprechen. So kann man sich über jede noch so kleine erledigte Sache freuen und es wird möglich, daraus gestärkt mit einer unangenehmen Aufgabe zu starten.
  3. „Nein sagen“ üben. 10 To Dos von der Liste streichen, die man diese Woche sicher nicht machen wird. Oder eine „was ich heute auf später verschiebe“-Liste verfassen, mit Aufgaben, die man heute bewusst auf später verschiebt – eine oft erfolgreiche, wenn auch paradox wirkende Intervention.

Mit Peer-Pressure gegen die Aufschieberei: eine weitere Taktik für den Kampf gegen die Prokrastination bei wissenschaftlichen Arbeiten bietet der CTL Schreibmarathon. Dabei wird gemeinsam mit anderen Kolleg*innen in einer Woche möglichst viel Text produziert und auch überarbeitet.

Gutes Gelingen für euer Lern- oder Schreibprojekt! 💪



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