Eindrücke einer Tutorin: Diskussionen gegen Vorurteile von Florence Klauda
am 19. März 2018
ungefähr 5 Minuten
Themen: Erfahrungen , Psychologie , Ringvorlesung , Studierende , Vorurteile , Zeitgeschichte

Eindrücke einer Tutorin: Diskussionen gegen Vorurteile

Florence Klauda betreut als Tutorin gemeinsam mit ihren KollegInnen die große interdisziplinäre Ringvorlesung zum Thema Vorurteile in der Gesellschaft. In ihrem Blogbeitrag beschreibt sie ihre Eindrücke aus dem ersten Semester.

Die Ringvorlesung mit Übung „Beiträge der Universität zum Abbau von Vorurteilen in unserer Gesellschaft“ war die größte Lehrveranstaltung, die ich bisher als Tutorin begleiten durfte und gleichzeitig auch die erste, in welcher ich, mit meinen zwei KollegInnen, in so engem Kontakt zu den Studierenden gestanden habe. Da das Format dieser Lehrveranstaltung – eine anwesenheitspflichtige Vorlesung mit online abgehaltenen Diskussionen – auch nicht zu jenen gehört, mit welchen Lehrende und Studierende wirklich vertraut sind, hat das Wintersemester immer wieder kleine Herausforderungen und Überraschungen für uns bereitgehalten.

Spannendes Thema – Großer Andrang

Die Tutorinnen Ines Nitsche, Florence Klauda und Tutor Mislav Plavsa vor dem Neuen Institutsgebäude (NIG).

Gleich zu Beginn mussten wir beispielsweise die Brücke zwischen dem immensen Interesse zahlreicher Studierender und den Anforderungen einer prüfungsimmanenten Lehrveranstaltung schlagen. Bei rund 1300 Interessenten konnten wir an dieser Stelle zwar nicht allen die aktive Teilnahme an der VU ermöglichen; dennoch haben wir zumindest die Inhalte der Vorträge soweit zugänglich machen können, dass eine eigenständige Vertiefung ihrer Themen für alle möglich war.

Auch der Einstieg in die Diskussionen, welche in Foren stattgefunden haben, war zu Beginn etwas turbulent: Die wenigsten Studierenden hatten Erfahrung mit Moodle, die über das Runter- oder Raufladen von Dokumenten und dem Lesen der Forums-Ankündigungen hinausging. Diese technischen Hindernisse konnten wir im Laufe des Semesters jedoch gut überwinden. Ansonsten war es erfreulich zu sehen, wie aktiv sich die Studierenden in die Diskussionen eingebracht haben: Die Antworten haben zum Teil sehr detaillierte und gut überlegte Ideen beinhaltet und viele haben nicht gezögert ihre eigenen Erfahrungen mit einzubringen. Besonders ist es mir in den Diskussions-Runden zu der Einheit von Oliver Rathkolb vom Institut für Zeitgeschichte und dem Vortrag von der Professorin für Angewandte Psychologie Christiane Spiel aufgefallen.

Interdisziplinäre Ideen von Studierenden

Univ.-Prof. Oliver Rathkolb bat die Studierenden unter anderem um konkrete Beispiele zum Abbau gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. An dieser Stelle sind die unterschiedlichsten Ideen für alle möglichen Teilbereiche der Gesellschaft aufgebracht worden, wobei auch deutlich wurde, dass der fachspezifische Hintergrund der Studierenden für die Vielfalt der Ansätze verantwortlich war. Es kam beispielsweise eine ganze Reihe von Vorschlägen für den schulischen Bereich.

Die Studierenden waren mehrheitlich dafür, Fächern wie Geschichte, Politische Bildung, allgemeine Religionskunde und Sozialkunde mehr Raum in den Lehrplänen zu geben. Sie haben sich auch für einen Unterricht ausgesprochen, der Heranwachsende befähigen soll, verantwortungsbewusst Entscheidungen zu treffen und einen positiven Beitrag zur Gesellschaft zu leisten.

Einige Vorschläge enthielten auch die Forcierung von Austauschprogrammen ins Ausland oder auch zwischen städtischen und ländlichen Schulen, die zu einem besseren Verständnis von unterschiedlichen Lebensrealitäten verhelfen sollen. Diese Ideen waren zum Teil den Lehramt-Studierenden zu verdanken. Die KollegInnen aus anderen Fächern haben diese Ansätze aufgegriffen und deren Sinnhaftigkeit und Umsetzbarkeit aus der Perspektive ihrer Fächer diskutiert.

Schule als zentrales Thema

Die Idee zu Austauschprogrammen wurde zum Beispiel zum Anlass genommen, um die Forderung zu formulieren, dass Lehrende aller Fächer um die Vermittlung demokratischer Werte, wie Offenheit und Toleranz, bemüht seien sollten. Studierende aus den Naturwissenschaften haben an dieser Stelle beklagt, wie wenig gesellschaftliche Themen in ihren Studien, aber auch in ihren künftigen Berufsfeldern thematisiert werden.

Nach Erfahrungen mit Mobbing im universitären Bereich fragte wiederum Univ.-Prof. Christiane Spiel, nachdem sie ihre Einheit der Bekämpfung von Mobbing in österreichischen Schulen gewidmet hat. Zwar haben viele Studierende hier betont, in ihrer Studienzeit keinerlei Erfahrungen mit Mobbing gemacht zu haben, die Diskussion hat aber dennoch zu einer sehr fruchtbaren Auseinandersetzung mit dem Thema geführt. Von architektonischen Anpassungen, um Mobbing „räumlich“ zu erschweren, bis zu psychologisch-pädagogischen Ansätzen wurde auch hier vielfältige Antworten auf das Problem geboten. Einige Studierende haben sogar ihre persönlichen Erfahrungen mit Mobbing geteilt, um ihren KollegInnen die Brisanz dieser Frage zu verdeutlichen und Aspekte zu unterstreichen, die einem entgehen, wenn man sich nicht betroffen fühlt.


Prof. Christiane Spiel hat die Bildungspsychologie als wissenschaftliche Disziplin begründet. Gemeinsam mit ihrem Team verfolgt sie als zentrale Forschungsthemen Lebenslanges Lernen, Gewaltprävention, Integration von MigrantInnen in multikulturelle Schulen und Geschlechtssterereotype in der Bildungssozialisation. Im uni:view Portrait hat sie sich 10 Fragen zu ihrer Arbeit gestellt – hier nachschauen.

Immer wieder haben Studierende in den Diskussionen herausgestrichen, wenn Aspekte ihnen neu waren und die Konfrontation mit anderen Fächern entweder ein Umdenken oder zumindest ein besseres Verständnis gewisser Themen ihrerseits bewirkt hat.

Neuauflage: Abbau von exzessivem Nationalismus und Vorurteilen

Dieses Semester geht die Vorlesungs-Übung mit einem ähnlichen Titel in die zweite Runde und auch diesmal versprechen die Diskussionen sehr spannend zu werden: Die TeilnehmerInnen kommen zur Hälfte aus unterschiedlichen Masterstudiengängen, und zur Hälfte aus Bachelor- und Lehramtsstudiengängen. Zu den am häufigsten vertretenen Disziplinen gehören diverse Teilbereiche der Geschichtswissenschaften, Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, Psychologie, Politikwissenschaft und Rechtswissenschaft. Bei den Lehramtsstudierenden studieren viele das Unterrichtsfach „Geografie und Wirtschaftskunde“. Daneben sind auch einige Studierende aus Biologie, Physik, Religionswissenschaften und Romanistik vertreten. In dieser breit gefächerten Konstellation werden Studierende Fragen aus den Bereichen Biochemie, Geschichte, Politikwissenschaft, Publizistik, Psychologie, Rechtsphilosophie, Sprachwissenschaft und Soziologie diskutieren und sicher wieder sehr kreative Ansätze und Antworten generieren.


Rückblick des Initiators der Ringvorlesung

Lest hier nach welche Erfahrungen der Zeithistoriker und Initiator der Ringvorlesung Univ-Prof. Oliver Rathkolb mit der Lehrveranstaltung gemacht hat und welche zentralen Ergebnisse er feststellen konnte! 


Florence Klauda

Florence Klauda studiert den Master Zeitgeschichte und Medien. Seit 2014 unterstützt sie Univ.-Prof. Oliver Rathkolb. Dieses Semester ist sie zum vierten Mal Tutorin.
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