Future World of work: Wie wir arbeiten wollen von Veronika Keuschnigg
am 18. Oktober 2018
ungefähr 5 Minuten
Themen: AbsolventInnen , Arbeitsmarkt , Forschung , Wirtschaftswissenschaften

Future World of work: Wie wir arbeiten wollen

Wirtschaftswissenschafterin Veronika Keuschnigg war mit ihrer Masterarbeit an der Studie „Future World of work: What nowadays students want“ beteiligt. Am #univie Blog schreibt sie über die durchaus überraschenden Ergebnisse der Studie, die auch am 24. Oktober an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften präsentiert werden.

Durch eine Kooperation meines Betreuers der Masterarbeit Rudolf Vetschera mit der Unternehmensberatung Culen Mayhofer Partner bekam ich die Chance, bei einer spannenden Studie mitzuarbeiten. Sie ist auch die Grundlage meiner Masterarbeit. Das Narrativ des Beratungsunternehmen war einleuchtend: Durch zunehmende Digitalisierung eröffnen sich für Unternehmen und deren MitarbeiterInnen ganz neue Perspektiven der selbständigen Arbeit. Konzepte von Raum und Zeit im arbeitsbezogenen Kontext werden neu definiert und das Thema Selbstorganisation gerät in den Vordergrund. Dem ableitend wird der Bedarf nach Management und Führung verkleinert, MitarbeiterInnen agieren autonom und eigenverantwortlich.

Veronika arbeitete gemeinsam mit dem Beratungsunternehmen Culen Mayerhofer Partner an der Studie "Future World of work".
Veronika arbeitete gemeinsam mit dem Beratungsunternehmen Culen Mayhofer Partner an der Studie „Future World of work“. (Veronika Keuschnigg, li., Julia Culen, re.)

Mit einer gemeinsamen Studie wollten die beiden Berater Julia Culen und Christian Mayhofer diese Annahmen überprüfen. Sie vermuten, dass junge Menschen sich trotz dieser Umstände mehr Leitung und Führung in ihrem zukünftigen Berufsleben wünschen. Spannend! Die eigenen Kommilitonen erforschen. Junge Menschen, kurz vor dem Studienabschluss stehend – wie man selbst – zu befragen, was sie wollen.

Studierende befragen Studierende

Und so kam es zum gemeinsamen Projekt. Bereits im Vorfeld wurden Interviews von Studierenden mit Studierenden durchgeführt, die dann in Folge als Grundlage zum gemeinsam erarbeiteten Fragebogen dienten. Schlussendlich bekamen wir von knapp 350 Studierenden – davon rund 80 Prozent Studierende der Wirtschaftswissenschaften und 20 Prozent verteilt auf andere Studienrichtungen – einen Einblick in Wünsche und Erwartungen zu ihrem zukünftigen Arbeitsleben. Diese wurden als durchwegs realistisch eingeschätzt.

📌 Details zu den Ergebnissen könnt ihr hier nachlesen.

Die Ergebnisse waren in mancher Hinsicht sehr überraschend. Allerdings decken sich diese auch mit Beobachtungen, die in Unternehmen gemacht werden. Es hat sich gezeigt – und an dieser Stelle ist zu erwähnen, dass die Stichprobe nicht repräsentativ ist – dass Arbeit wohl an Wichtigkeit in unseren Leben verliert. So sieht man beispielsweise einen Trend zur 30-34 Stundenwoche, der 8-Stunden Tag verliert nach und nach an Attraktivität. Gleichermaßen verringern sich die Karriereambitionen, so ist die Aussicht auf eine Position im mittleren Management oder niedriger für viele eine ausreichende Perspektive. Dem gegenüberstehend ist das Bedürfnis nach Sicherheit und der Trennung von Beruflichem und Privaten sehr ausgeprägt. Dementsprechend zeigt sich auch, dass das Verlangen nach Variabilität im Job nicht sonderlich groß ist, dafür aber der Wunsch nach Routinetätigkeiten.

MentorInnen und Feedback erwünscht

Studie "Future World of work" zeigt überraschende Ergebnisse.
Wissen aufbauen zu können sowie Flexibilität sind wichtig – aber auch Führung und Mentoring werden von jungen Menschen gewünscht.

Die eingangs formulierte These hat sich bestätigt: Junge Menschen wollen in ihrem beruflichen Werdegang geleitet bzw. begleitet werden. Ein/e MentorIn bietet sich dafür an, aber auch regelmäßiges Feedback durch Vorgesetzte scheint stark gewünscht zu sein. Nicht zu vernachlässigen ist dabei auch das generelle Arbeitsklima, das bevorzugt von freundschaftlichem Umgangston und Kooperationsgeist geprägt ist – ohne Rivalität.

Im Gegenzug bieten junge Menschen Teamfähigkeit und vor allem auch Flexibilität, was allerdings im räumlichen Kontext an seine Grenzen stößt. Die Möglichkeit, ab und zu von anderswo (zum Beispiel von zu Hause) zu arbeiten, wird zwar zu einem gewissen Grad gewünscht. Komplett auf Büroräumlichkeiten zu verzichten kann sich allerdings kaum jemand vorstellen. Und letztlich überzeugt diese Generation auch durch ihren Lernwillen. Wissen aufzubauen und Fähigkeiten zu etablieren sind trotz scheinbar mangelnder Ambitionen der stärkste Motivationsfaktor.

Werte unserer Generation

Was sagt uns das über meine Generation? Natürlich sind wir nicht besser oder schlechter als vergangene oder zukünftige Generationen. Aber genauso einleuchtend ist die Schlussfolgerung, dass unsere Werte und Einstellungen anders sind als jene anderer Generationen. Irgendwie wurden wir ja immer schon geleitet, in unserer Kindheit und Jugend, mehr als andere vor uns. Wir sind neugierig, aber größer werdende Exponiertheit und Transparenz schüren Stress und Angst, was uns oft zurückschrecken lässt, riskanten Aufgaben entgegenzutreten. Und manch´ einer ist vielleicht desillusioniert. Unsere Eltern hatten auch so etwas wie den „American Dream“, wo man alles erreichen kann, wenn man nur hart genug dafür arbeitet. Das scheint heute – zumindest in der Wahrnehmung – anders zu sein, und dementsprechend verschieben sich auch die Prioritäten. Doch weiß man erst einmal mit den Sorgen und Einstellungen dieser Generation umzugehen, hat man eine Riege top-ausgebildeter junger Menschen vor sich, die langfristig gerne Verantwortung übernehmen und sich gekonnt in verschiedenste Thematiken einarbeiten können.


‼️Eure Meinung ist gefragt! Die Studie „Future World of work“ wird am 24. Oktober mit anschließender Podiumsdiskussion in der Skylounge der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften präsentiert. Hier entlang zu weiteren Informationen und zum Anmeldeformular. Freier Eintritt!


Veronika Keuschnigg

Nach dem Bachelorstudiengang „Business & Management“ am Management Center Innsbruck (MCI) begann Veronika Keuschnigg 2015 das betriebswirtschaftliche Masterstudium mit den Vertiefungen „Organisation und Personal“ sowie „Industrielles Management“ an der Universität Wien.
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