Studieren am Pão de Açucar mit Samba & Caipirinhas – Bemvindo ao Rio de Janeiro!

Studieren in Brasilien – klingt traumhaft, ist aber nicht immer einfach. Mit dem Non-EU Student Exchange Programm der Uni Wien konnte Steffi Erfahrungen an einer öffentlichen Universität in Rio de Janeiro sammeln. Ihre Abenteuer erzählt sie euch in diesem Blogbeitrag.

Öffentliche Uni auf Brasilianisch

Im Wintersemester 2017 hatte ich die Möglichkeit, ein Auslandssemester an der Universidade Federal do Rio de Janeiro (UFRJ) zu absolvieren. Zusammen mit meinen Kursen des Economia-Instituts am Campus „Praia Vermelha“, nahm ich an einem Portugiesischkurs teil und studierte am Stadtforschungsinstitut auf der „Ilha do Fundão“. So lernte ich die Tücken einer brasilianischen, öffentlichen Uni kennen. Die Organisation meines Studienalltags war alles andere als einfach, da jedes Institut andere bürokratische Vorgehensweisen und Studienkalender hat. Dazu kam, dass die Vorlesungen überraschenderweise zwei Wochen später anfingen und ich am Ende die Bibliotheken aufgrund von Streiks nicht aufsuchen konnte. Dennoch war ich sehr froh über das hohe akademische Niveau und die kritischen Diskussionen mit meinen Mitstudierenden. Es war sehr bereichernd, Kurse in brasilianischem Kontext belegen zu können, wie z.B. zur „Ungleichen Entwicklung“ am Stadtforschungsinstitut. Lustigerweise habe ich tatsächlich die kritische Rezeption der Ideen Karl Polanyis, ein österreichischer Wirtschaftshistoriker, im Programm zur Politischen Ökonomie aus brasilianischer Perspektive diskutiert. Ein wunderbarer ökonomischer Pluspunkt war v.a. das reichhaltige Mittagessen für nur 2 Reais in der Uni-Mensa, im Hinblick auf die doch eher österreichischen Lebenshaltungskosten.

Vida carioca

Blick vom Aussichtsberg Dois Irmaos auf die Favela Rocinha und die Südzone Rios

Das „carioca“-Leben in der „Cidade Maravilhosa“ hat wirklich sehr viele Ausflüge zu malerischen Stränden und ins Grüne der „Mata Atlântica“ zu bieten. Meine Lieblingsfreizeitbeschäftigung war es, die zahlreichen Aussichtsberge Rios zu erklimmen.

Außerhalb der Komfortzone

Natürlich fordert ein Auslandsstudium auch die Anpassung an die kulturellen und sprachlichen Eigenheiten des Gastlandes. Eine der größten Herausforderungen war die alltägliche Konfrontation mit der extremen sozialen Ungleichheit, die sich hauptsächlich in der sichtbaren, räumlichen Segregation zwischen verschiedenen Stadtvierteln manifestiert hat. Die anhaltende, ökonomische und politische Krise in Brasilien belastet v.a. die ärmere Bevölkerungsschicht.  Dies hat mich dazu veranlasst, mich näher mit diesen marginalisierten und stereotypisierten Stadtvierteln auseinander zu setzten, sowohl auf akademischer Ebene für die Masterarbeit, als auch im realen Leben durch die Mitarbeit in der NGO Teto /Techo. Dieses Engagement hat mir ermöglicht, die Stadt und das Leben in Rio von verschiedenen Blickwinkeln kennenzulernen und dazu beigetragen, die eigene Lebensrealität in einem größeren Kontext reflektieren zu können.

Steffi am UFRJ Campus Praia Vermelha

Cidade Maravilhosa – vou voltar!

Rio ist definitiv eine unglaubliche Stadt der Extreme: Naturschönheiten und Lebensfreude verbindet sich auf widersprüchliche Weise mit gravierenden, sozialen Ungleichheiten. Sich in so einem Umfeld auf die Uni zu konzentrieren, war doch manchmal eine Herausforderung und gleichzeitig könnte es für mich keine spannendere Stadt geben, um die Fragen des Internationalen Entwicklungs-Masters im realen Leben „studieren“ zu können. Ich rate jedem diese unglaublich wertvolle Chance für einen Perspektivenwechsel und „Blick über den Tellerrand“ sowohl in akademischer Hinsicht, also auch für die persönliche Weiterentwicklung zu ergreifen.

Glücklicherweise darf ich meinen Studienaufenthalt noch für die Masterthesis-Forschung um drei Monate verlängern und das größte Fest des Jahres miterleben: Carnaval.

 


Stefanie Beßler

Stefanie studiert im Master "Interdisziplinäre Lateinamerikastudien" an der Universität Wien und ergriff die Chance, dieses Interesse durch ein Auslandssemester in Rio de Janeiro mit ihrem zweiten Masterstudium "Internationale Entwicklung" zu verbinden.
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