Vom Mädchen zur Bessermacherin am 13. Februar 2014
ungefähr 3 Minuten
Themen: Publizistik , Rumänien , Studierende

Vom Mädchen zur Bessermacherin

Als ich das erste Mal Wien besuchte, war ich noch ein junges Mädchen, das gerade die Unterstufe (8. Klasse) eines rumänischen Gymnasiums in Sibiu absolviert hatte und frisch in der Mathematik-Informatik Klasse desselben Gymnasiums aufgenommen wurde. Ich hatte die allererste Prüfungswoche hinter mir, musste meine Kenntnisse in Deutsch, Rumänisch, Mathematik und Geschichte Rumäniens für die Aufnahme in die Oberstufe beweisen und war endlich reif genug, um meine erste Reise ins Ausland zusammen mit meinem Vater anzutreten.

Das Jahr 2006 war für Rumänien besonders wichtig, weil es das letzte Jahr vor dem EU-Beitritt war: Damals haben wir noch Stempel auf unseren Pässe bei der Ausreise aus dem Land nach Ungarn und nach Österreich gebraucht. Außerdem war es damals viel schwieriger, in einer österreichischen Universität aufgenommen zu werden, da man noch davor eine Bestätigung über die Aufnahme an einer rumänischen Universität vorweisen und man Studiengebühren bezahlen musste. Das hieß für die meisten Kinder, die Deutsch in Rumänien lernten, dass sie wenige Chancen auf ein Studium in Wien hatten.

Das wusste ich aber alles noch nicht. Wir waren einen Tag kreuz und quer in Wien unterwegs, haben uns den Ring angeschaut und kamen eigentlich aus Versehen auf dieses wunderschöne Gebäude zu. Wir liefen die Stiegen hoch und kamen zu einem Ort, in den ich seit 2006 verliebt bin: Die Universität Wien. Als ich die Verzierungen an den Wänden, die Stiegen zur Bibliothek und den Innenhof sah, wusste ich, dass ich hier studieren werde. Es war etwas, das ich eigentlich schon immer in mir hatte und das ich in diesem Gebäude in Wien zum ersten Mal richtig spürte. Der Wille zum Erwerb von neuem Wissen lag in mir und Wien war der Ort, an dem ich das endlich verwirklichen konnte.

Vier Jahre vergingen und ich hatte schon angefangen, Möglichkeiten für ein Studium in Österreich oder Deutschland zu suchen. Damals wusste ich noch nicht, was ein Publizistikstudium mit sich bringt und dachte, das wahrscheinlich ein Wirtschaftsstudium eher eine passendere Zwischenlösung für meine Ungewissheit bezüglich Zukunft und Arbeit und Leben ist. Zum Glück konnte man sich 2010 viel leichter an einer österreichischen Universität inskribieren, man hat dafür nur die Matura (rum. Bacalaureat) und Deutschkenntnisse auf B2 Niveau (oder höher) gebraucht. Das Problem lag eher im Finanziellen, das man in Wien mit sich hätte bringen müssen, um ein anständiges Studentenleben hier zu führen. Mit Hilfe meiner Familie konnte ich jedoch trotzdem ein Studium in Wien beginnen.

Nach einem Semester an einer für mich unpassenden Universität kam ich wieder ins Hauptgebäude der Uni Wien. Ich sah die Wände und die Menschen, die durch die Räume dieses Gebäudes gingen – und wollte dieses Gebäude auch als zweites Zuhause haben. Ich habe mir den Studienplan von Publizistik nochmals angeschaut und kam in Kontakt mit älteren Studierenden, die Positives über diesen Studiengang sagten, was mir Mut machte, das Wirtschaftsstudium zu pausieren und mich auf Kommunikation zu konzentrieren.

Und hier bin ich, fünf Semester und eine Bakkaulaureatsarbeit später. Eine Person, die genau das studiert, was sie auch im Leben ausüben möchte: eine Kombination zwischen Praxis und Theorie, zwischen Kommunikation und Marketing. Die Uni hat mich zu Menschen geführt, die ich sonst nie hätte kennenlernen können und sie hat mich dazu gebracht, eine Version von mir zu werden, die ich sonst anderswo nie hätte werden können. Dafür werde ich die Zeit und die Leute und die Kurse und die Säle hier nie vergessen – denn eine Bessermacherin nimmt das, was ihr angeboten wird und entwirft die besten Voraussetzungen für ein gutes Leben.





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1 Kommentar

  1. Ein feiner Artikel! Ich wünsche Dir noch viel Spaß & Erfolg für Deine Zukunft!

    Pia Römer | bessermacherin.at

    PS: Wir hier bei „bessermacherin“ machen übrigens auch genau das, was uns Spaß macht. Digitale Kommunikation & Online Marketing :) Wir freuen uns, wenn Du mal vorbeischaust ;-)

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